Stahl Neue ThyssenKrupp-Werke deutlich teurer

Bochum. Der tief in die roten Zahlen gerutschte ThyssenKrupp-Konzern stellt sich bei seinen milliardenschweren Stahlwerkprojekten auf drastisch steigende Kosten ein.
21.01.2010, 20:40
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Bochum. Der tief in die roten Zahlen gerutschte ThyssenKrupp-Konzern stellt sich bei seinen milliardenschweren Stahlwerkprojekten auf drastisch steigende Kosten ein.

Kurz vor dem Aktionärstreffen am Donnerstag gab der Aufsichtsrat grünes Licht für eine Aufstockung des Investitionsbudgets für ein neues Stahlwerk in Brasilien um 500 Millionen Euro auf 5,2 Milliarden Euro. Im laufenden Geschäftsjahr 2009/2010 will ThyssenKrupp schwarzen Zahlen schreiben.

Einschließlich der Projektkosten für das Stahlwerk in Brasilien bezifferte Vorstandschef Ekkehard Schulz das Gesamtbudget auf rund 5,9 Milliarden Euro. Ein in Alabama geplantes Stahlwerk soll sich um zehn Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar (2,6 Mrd Euro) verteuern. Aktionäre beklagten eine «erschreckende Kostenexplosion».

Im laufenden Geschäftsjahr erwartet Schulz ein bereinigtes Ergebnis vor Steuern in «niedriger dreistelliger Millionen-Euro- Größe». Im zurückliegenden Geschäftsjahr 2008/2009 (30. September) verbuchte ThyssenKrupp einen Vorsteuerverlust von mehr als 2,3 Milliarden Euro.

Mit der Entwicklung in den ersten ersten drei Monate des laufenden Geschäftsjahres zeigte sich der Vorstandschef zufrieden. Die Mehrzahl der Geschäftssegmente habe positive Ergebnisse erwirtschaftet, sagte er. Konkrete Zahlen will das Unternehmen erst am 12. Februar vorlegen.

Den Kostenanstieg beim Stahlwerksprojekt in Brasilien begründete Schulz unter anderem mit technischen Problemen. Zusätzliche Kosten seien bei der Vorbereitung des sumpfigen Baugrunds entstanden. Daneben seien aber auch Mehrausgaben für Hochöfen, den Feuer- und Umweltschutz sowie zusätzliche Anlagen entstanden. Ursprünglich waren die Kosten im Jahr 2004 auf 1,3 Milliarden Euro beziffert worden. Das Budget hatte sich im Laufe der Zeit immer weiter erhöht. Mit ersten Gewinnen in Brasilien rechnet der Konzern erst in etwa fünf Jahren.

Der brasilianische Fischer Luis Carlos Oliveira beklagte auf der Hauptversammlung Umweltzerstörungen vor der brasilianischen Küste durch den Bau des Stahlwerks. Die Fischbestände seien so weit zurückgegangen, dass rund 8000 Fischer von ihrer Arbeit nicht mehr leben könnten. Vor Beginn der Versammlung hatte Oliveira gegen das Projekt demonstriert. Vertreter des Unternehmens wiesen darauf hin, dass die Umweltauflagen erfüllt worden seien.

Mit einer großen Mehrheit von 99,55 Prozent billigten die Aktionäre das System zur Vorstandsvergütung. Als erstes Dax- Unternehmen hatte ThyssenKrupp seine Anteilseigner zu dieser Abstimmung aufgerufen. Am kommenden Dienstag (26. Januar) sollen die Aktionäre des Elektrokonzerns Siemens über diese Frage abstimmen. Hintergrund sind neue Vorschriften zur Managervergütung, die im vergangenen Jahr in Kraft getreten waren. Dadurch sollen kurzfristiges Renditedenken und Boni-Exzesse eingedämmt werden.

Das Gesetz werfe noch eine Reihe von offenen Fragen auf, so dass sich der Aufsichtsrat im Mai noch einmal mit der Frage befassen werde, kündigte Aufsichtsratschef Gerhard Cromme an. Falls es dadurch zu Anpassungen komme, sollen die Aktionäre im kommenden Jahr erneut zur Abstimmung aufgerufen werden. Dem Konzern gebühre Lob dafür, dass er die Vorreiterrolle einnehme, sagte Aktionärsschützer Thomas Hechtfischer. [Hauptversammlung]: Ruhrcongress, Stadionring 20, Bochum (dpa)

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