Containerzugverbindung Neue Zugverbindung nach Köln

Ab 5. Mai gibt es wieder eine Containerzugverbindung zwischen der Wirtschaftsmetropole Köln und Bremerhaven sowie Hamburg. Die Containerzüge fahren zunächst dreimal wöchentlich.
21.03.2019, 22:36
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Neue Zugverbindung nach Köln
Von Peter Hanuschke

Ein Hafen ist nur so gut wie seine Hinterlandanbindungen. Insofern kann es nie schaden, wenn in diesem Bereich das Angebot umfangreicher wird. So wird es künftig wieder einen Containerzug geben, der Bremerhaven und auch Hamburg regelmäßig mit der Wirtschaftsmetropole Köln verbindet.

In den Häfen in Bremerhaven und auch in Bremen spielt der Güterzugverkehr insgesamt eine große Rolle: So gibt es 39 Direktverbindungen ab Bremen und 37 ab Bremerhaven, die Container bis in den Süden Deutschlands und ins europäische Ausland in beide Richtungen transportieren. Auch ins wirtschaftsstarke Nordrhein-Westfalen reichen diese Schienen-Hinterlandanbindungen, die in direkter Konkurrenz zu Transportwegen stehen, die zu den europäischen Westhäfen Rotterdam und Antwerpen führen. Auch Köln stand jahrelang auf dem Fahrplan. 2017 kam jedoch überraschend das Aus.

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„Das haben wir sehr bedauert, aber wir hatten darauf keinen Einfluss“, sagte Oliver Haas, Leiter der Geschäftsentwicklung bei CTS Container Terminal aus Köln, auf Nachfrage des WESER-KURIER. Das Unternehmen aktiviert zusammen mit der Hamburger IGS-Gruppe ab dem 5. Mai wieder die Köln-Verbindung zu den beiden deutschen Seehäfen. Bis das Ende 2017 eintrat, gab es diese Verbindung 18 Jahre lang. TFG Transfracht, das zu den führenden Unternehmen in Deutschland zählt und Container für Reeder und Spediteure quer durch die Bundesrepublik transportiert, hatte die Verbindung eingestellt.

„Sie haben damals damit auf veränderte Ladungsströme aufgrund des Russland-Embargos reagiert“, sagt Haas. „Für uns ist es wichtig, dass wir diese enge Verbindung wieder aufleben lassen“, sagt der Leiter der Geschäftsentwicklung bei CTS. Traditionell habe die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen gute Kontakte nach Rotterdam und Antwerpen und wickle viele Transporte auf dem Binnenschiff ab, „aber der Wunsch, auch die beiden deutschen Seehäfen in die Transportketten einzubinden, war auch immer im Markt vorhanden und kann jetzt wieder noch intensiver erfüllt werden“.

Die Schienentraktion übernimmt die Rhein Cargo

Die Schienentraktion übernimmt die Rhein Cargo, die bereits regelmäßige Massengutverkehre zwischen dem Rheinland und dem Hamburger Hafen auf der Schiene befördert. Die Containerzüge verkehren zunächst dreimal pro Woche und Richtung zwischen den Nordhäfen und Köln Niehl Hafen. „Ein späterer Ausbau ist bei entsprechender Nachfrage jederzeit möglich“, heißt es in einem gemeinsamen Statement von CTS und IGS.

IGS führt in den Häfen die Abwicklung der Züge durch. "Für die Wirtschaft im Raum Köln ist das neue Zugangebot in die Nordhäfen eine wichtige Ergänzung zu den ab Köln bestehenden Westhafenverkehren", sagt Haas. "Besonders während der langen Niedrigwasserperiode im vergangenen Jahr hat sich gezeigt, dass die Lieferketten von Industrie und Handel auf alternativen angewiesen sind." Da man diese Alternativen aber weder auf der Straße noch auf der Schiene kurzfristig initiieren könne, empfehle es sich, regelmäßig zwei Leitungswege zu nutzen. "Viele Unternehmen in unserer Region haben das erkannt und ihr Interesse an einer leistungsfähigen Anbindung an die Nordhäfen bekundet."

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Auch hafenseitig ist man in Bremerhaven vom guten Zugangebot insgesamt überzeugt. „Mit einem Eisenbahnanteil von mehr als 70 Prozent bei den Automobilen und rund 50 Prozent bei den Containern ist Bremerhaven prozentual gesehen Europas Eisenbahnhafen Nummer eins", sagt Robert Howe, Geschäftsführer der stadtbremischen Hafengesellschaft Bremenports, die unter anderem für die Aufrechterhaltung und den Ausbau der Hafeninfrastruktur zuständig ist. Ziel sei es, diese Anteile weiter zu erhöhen, entsprechend würden mit dem Ausbau der Gleisanlagen dafür die Voraussetzungen im Hafengebiet geschaffen.

Laut Bremenports wurden in den vergangenen Jahren bereits 40 Millionen Euro in den Infrastrukturausbau der Bahnanlagen Bremerhavens investiert. "Darüber hinaus haben wir für die Hafeneisenbahn einen umfassenden Digitalisierungsprozess gestartet, mit dem wir Transparenz und Kundenfreundlichkeit weiter verbessern werden", sagt Howe. "Neue Direktverbindungen zeigen uns, dass wir mit dieser Strategie auf dem richtigen Weg sind.“

Zuwachs von knapp drei Prozent gegenüber 2017

In Bremen und Bremerhaven verzeichneten die Serviceeinrichtungen der Bremischen Hafeneisenbahn 2018 insgesamt etwa 38 700 Ein- und Ausgangszüge. Dieser Wert liegt fünf Prozent über dem Zugaufkommen des Vorjahres. Auf Bremerhaven entfielen davon insgesamt rund 30 400 Ein- und Ausgangszüge, also durchschnittlich etwa 584 Züge pro Woche. Das bedeutet gegenüber dem Jahr 2017 einen Zuwachs von knapp drei Prozent.

Der Anteil der Containerverkehre betrug 58 Prozent, der der Automobilverkehre 38 und der sonstigen Verkehre vier Prozent. Im Bereich der Hafeneisenbahn in Bremen-Stadt verkehrten 2018 insgesamt 8300 Ein- und Ausgangszüge, durchschnittlich also 160 Züge pro Woche. Das war gegenüber dem Vorjahr ein Plus von zwölf Prozent. Das Aufkommen entfiel zu 64 Prozent auf den Bahnhof Bremen-Grolland, zu 29 Prozent auf den Bahnhof Bremen-Inlandshafen und zu sieben Prozent auf das Industriestammgleis Hemelingen.

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„Mit dem Ausbau der Hafeneisenbahn verfolgen wir mehrere Ziele", sagt Wirtschafts- und Häfensenator Martin Güthner (SPD): "Wir wollen uns dem Hafenhinterland als leistungsstarker Partner präsentieren, verbessern damit die Konkurrenzfähigkeit unserer Häfen und stärkengleichzeitig die gute Umweltbilanz der bremischen Häfen." Diese Strategie werde auch in Zukunft ein wesentlicher Bestanteil bremischer Hafenpolitik bleiben.

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