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Neuer Arbeitgeberverband für Windkraftbranche wird in Bremen gegründet

Bremen. Die Windkraftbranche im Norden bekommt ein neues Netzwerk: Am Montag treffen sich die Mitglieder des Vereins Nordwindaktiv erstmals im Universum Bremen. Mit der Gründung ist nach eigenen Angaben Deutschlands erstes Arbeitgeber-Netzwerk für die Windkraftbranche entstanden.
13.03.2015, 00:00
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Neuer Arbeitgeberverband für Windkraftbranche wird in Bremen gegründet
Von Maren Beneke
Neuer Arbeitgeberverband für Windkraftbranche wird in Bremen gegründet

Montagearbeiten an Naben für Windkraftanlagen: Für alle sozialpolitischen Fragen gibt es nun den Verein Nordwindaktiv.

Jens Büttner, dpa

Die Windkraftbranche im Norden bekommt ein neues Netzwerk: Am Montag treffen sich die Mitglieder des Vereins Nordwindaktiv erstmals im Universum

Bremen. Mit der Gründung ist nach eigenen Angaben Deutschlands erstes Arbeitgeber-Netzwerk für die Windkraftbranche entstanden. In erster Linie versteht sich der nun gegründete Verband nach eigenen Angaben als Austauschplattform und Berater für Themen wie Arbeitsbedingungen, Arbeitsrecht, Sozialrecht, Betriebsverfassungs- oder Tarifrecht.

Den Vorsitz übernimmt zunächst Thomas Lambusch. Der Rostocker Unternehmer ist Präsident des Arbeitgeberverbands Nordmetall und hatte zuletzt als Verhandlungsführer die Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie begleitet. „Die Windkraftbranche ist sehr heterogen“, sagt er. „Wir haben es mit einer Wertschöpfungskette zu tun, in der längst wesentliche Unternehmen angestammter Industrien integriert sind – beispielsweise aus der Elektroindustrie, dem Maschinenbau, aus dem Bereich Werften, aber auch Automobilzulieferer, die sich diversifizieren.“ Gegenüber Politik und Öffentlichkeit wolle der Verein deutlich machen, dass die Erneuerbare-Energien-Branche aus sehr viel mehr Unternehmen bestehe als den Errichtern der Anlagen und den Betreibern der Parks. Die Heterogenität der Branche lässt sich dabei auch in den unterschiedlichen Lohngefügen festmachen: Nach Angaben von Thomas Lambusch gibt es tarifgebundene Unternehmen, Betriebe mit Haustarifverträgen und Firmen ganz ohne Tarifbindung. In Zeiten schnellen Wachstums ginge es Personalern oft um andere Themen. „Doch jetzt wollen sich viele im Bereich Arbeitsbeziehungen weiter professionalisieren.“

Nordwindaktiv ist demnach die erste Vereinigung, die die Energiewende-Industrie nicht nur als Hersteller und Marktteilnehmer bündelt, sondern als Arbeitgeber. „Man will kein weiterer Wirtschaftsverband sein, sondern erstmals eine sozialpolitische Organisation für die Branche“, heißt es in einer Mitteilung. Als drängendste Themenfelder hat Nordwindaktiv dabei unter anderem alle Fragen rund um die Entsendung von Arbeitnehmern auf See – gilt dort beispielsweise die 35-Stunden-Woche? – sowie das Halten von Fachkräften im Norden ausgemacht.

Laut Thomas Lambusch ist der Zugang zum Verein für interessierte Unternehmen der Branche niedrigschwelliger, weil diese die Wahl zwischen Mitgliedschaften ohne und mit Tarifbindung hätten. Nordwindaktiv plant auch, Ansprechpartner für Gewerkschaften zu sein, Tarifpartner bleiben jedoch wie bislang die jeweiligen Arbeitgeberverbände.

IG-Metall-Bezirksleiter Meinhard Geiken, der bei der Auftaktveranstaltung am Montag zu Gast sein wird, begrüßt das stärkere Engagement der Arbeitgeber in der Windbranche. „Auch sie müssen deutlich machen: Saubere Energie und gute Arbeit gehören zusammen“, sagt er. Deshalb erwarte die Gewerkschaft von Nordwindaktiv, dass er bei seinen Mitgliedern für Mitbestimmung und Tarifverträge wirbt.

Der neue Verein wird von den sieben norddeutschen Arbeitgeberverbänden getragen. Dazu gehören unter anderem Nordmetall, der Allgemeine Arbeitgeberverband von Bremen, AGV Nord oder der Arbeitgeberverband Bremerhaven. Firmen der Mitgliedsverbände sind – solange sie sich als Teil der Windkraftbranche verstehen – automatisch Mitglied des neuen Verbands. Insgesamt repräsentiert Nordwindaktiv Industrieunternehmen und Dienstleister in fünf Bundesländern.

Als Konkurrenz zu bereits bestehenden Strukturen wie etwa dem Bundesverband Windenergie (BWE), der Windenergie-Agentur WAB oder dem Bremer Bündnis für die Windenergieindustrie sieht sich Nordwindaktiv im Übrigen nicht. Gerade für die beiden Letztgenannten wolle man, so Lambusch, zukünftig „Dialogpartner“ sein.

Zur Auftaktveranstaltung am Montag haben sich neben mehr als 50 Unternehmensvertretern unter anderem Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer, der Bremer Wirtschafts-Staatsrat Heiner Heseler und BWE-Vizepräsident Jan Hinrich Glahr angekündigt. Nach Angaben von Nordwindaktiv arbeiteten 2014 60 000 Menschen im norddeutschen Raum in der Windkraftbranche.

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