Berlin Neuer Chef für eine Million Diakonie-Mitarbeiter

Berlin. Er ist der neue Chef eines der größten Sozialverbände Deutschlands: Der evangelische Pfarrer Ulrich Lilie wurde jetzt in Berlin zum neuen Präsidenten der „Diakonie Deutschland“ ernannt. Im Juli wird er sein Amt antreten.
30.03.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Benjamin Lassiwe

Er ist der neue Chef eines der größten Sozialverbände Deutschlands: Der evangelische Pfarrer Ulrich Lilie wurde jetzt in Berlin zum neuen Präsidenten der „Diakonie Deutschland“ ernannt. Im Juli wird er sein Amt antreten. Dem protestantischen Dachverband gehören bundesweit 27 000 Sozialeinrichtungen an – vom Altenpflegeheim über die Behindertenwerkstatt bis zur evangelischen Schule. Im Zeichen des weißen Kronenkreuzes auf blauem Grund engagieren sich 350 000 Mitarbeiter hauptamtlich und 700 000 ehrenamtlich – und Lilie spricht für alle, wenn er gleich nach seiner Wahl eine bessere Refinanzierung von Sozialleistungen fordert.

„In Düsseldorf kann sich eine Altenpflegerin kaum noch eine eigene Mietwohnung leisten“, sagt der 56-jährige Familienvater. Nötig sei deswegen eine „auskömmliche Finanzierung in der Pflege“. Und auch zum Thema Inklusion findet Lilie deutliche Worte: „Politiker sollten nicht sonntags über Inklusion reden und am Montag dann sagen, dass dafür nicht genügend Geld zur Verfügung steht.“ Gerade im ländlichen Raum seien neue Konzepte und Versorgungsstrukturen nötig, die wieder auf nachbarschaftliche Hilfe und bürgerschaftliches Engagement setzen müssten. „Wir brauchen eine noch intensivere Verzahnung zwischen Kirche und Diakonie“, sagt Lilie. Denn in den vergangenen Jahren habe sich in vielen Kirchengemeinden das Gefühl ausgebreitet, dass Suppenküchen, Kleiderkammern und Altenpflege nur Aufgabe der Profis von der Diakonie seien. „Ich kenne leer stehende Gemeindezentren, die etwa durch die Schaffung einer Tagespflege für ältere Menschen wieder neu belebt wurden“, sagt Lilie.

Denn der neue Diakonie-Präsident ist ein Mann der Praxis. Zuletzt leitete er die 1500 Mitarbeiter zählende „Graf-Recke-Stiftung“, einen der größten Diakonieträger im Rheinland. Davor war er Superintendent im Evangelischen Kirchenkreis Düsseldorf – und damit gut vernetzt. Denn in Düsseldorf hat die Evangelische Kirche im Rheinland ihren Sitz, deren ehemaliger Präses Nikolaus Schneider heute Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist. Aus derselben Landeskirche stammt auch Berlins Bischof Markus Dröge, der als Aufsichtsratsvorsitzender des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung für die Suche nach einem geeigneten Kandidaten zuständig war.

Neben der Finanzierung von Sozialleistungen wird sich Lilie noch mit einem anderen Thema beschäftigen müssen: der Zukunft des kirchlichen Arbeitsrechts. Denn in Kirche und Diakonie gilt im Regelfall der „Dritte Weg“, ein gesondertes kirchliches Arbeitsrecht, zu dem ein Streikverbot gehört. Vom Bundesarbeitsgericht wurde es bestätigt – weswegen die Gewerkschaft ver.di vor dem Bundesverfassungsgericht dagegen klagt. „Spannend“ sei es da, dass sich die Kirchen und Diakonieträger in Niedersachsen kürzlich mit ver.di und dem Marburger Bund auf einen Tarifvertrag mit verpflichtendem Schlichtungsverfahren geeinigt hätten, sagt Lilie. Ähnliche Regelungen gelten bereits in Hamburg, Schleswig-Holstein und Berlin-Brandenburg. „Ich kann nicht sagen, was jetzt das bessere Modell ist“, sagte Lilie in Berlin. „Wir sollten wohl beides einmal ausprobieren.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+