Kreuzfahrten

Neuer Passagierrekord in Bremerhaven

Im abgelaufenen Jahr haben 165.000 Passagiere ihre Kreuzfahrt von Bremerhaven aus gestartet - ein neuer Rekord. Wer ab 2019 neben den Schiffen von Phoenix und TUI Cruises auch von hier starten will.
03.01.2018, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Neuer Passagierrekord in Bremerhaven
Von Florian Schwiegershausen

Das Kreuzfahrt-Geschäft boomt, und Bremerhaven profitiert davon. So konnte die Seestadt im abgelaufenen Jahr 165.000 Passagiere registrieren. Das ist nicht nur ein neuer Rekord, sondern es sind auch 15.000 mehr, als die Verantwortlichen vom Columbus Cruise Center Bremerhaven noch vor einem guten halben Jahr prognostiziert hatten.

Gleichzeitig gibt es eine weitere positive Nachricht: Ab 2019 will Aida Cruises auch von Bremerhaven ablegen. So wird die „Aida Cara“ zwischen Juli und September drei Mal von der Seestadt aus nach Island und Grönland aufbrechen, teilte die Reederei mit. Aidas Schwesterreederei Costa startet bereits in diesem Sommer mit der „Costa Mediterranea“ zur Route „Europas Metropolen“. Zwar steuert das Schiff auf dieser siebentägigen Tour auch Hamburg an – aber nur als Tagesziel. Start und Ziel der Tour ist Bremerhaven.

Die Hamburger konnten im abgelaufenen Jahr mit 810.000 Passagieren ebenfalls einen neuen Rekord feiern. Für dieses Jahr rechnen sie mit 880.000 Passagieren gegenüber voraussichtlich 250.000 in Bremerhaven. Diesen ewigen Vergleich zwischen Bremerhaven und Hamburg ist der Geschäftsführer des Columbus Cruise Centers Bremerhaven (CCCB), Veit Hürdler, inzwischen leid. Denn er sieht die Konkurrenz eher in Amsterdam.

Exzellenter Ruf

Dass sich Bremerhaven so positiv entwickelt, darüber freut er sich natürlich ebenso wie über Aida Cruises, die ab 2019 die Seestadt anlaufen werden: „Dass die Aida zu uns kommt, liegt an unserer Philosophie, immer in Kontakt und im Gespräch mit den Kunden zu bleiben. Das trägt nun Früchte.“ Zu den Kunden zählen auch die Kreuzfahrtreederei MSC sowie Tui Cruises. „Tui Cruises laufen in diesem Jahr in Hamburg nur zwei Mal an, weil die Schiffe gechartert sind. Ansonsten fahren Tui Cruises nur von Bremerhaven aus“, ergänzt Hürdler.

Nach Darstellung des CCCB-Geschäftsführers genießt Bremerhaven bei den Reedereien in der Abteilung „Operations“ einen exzellenten Ruf. Als Vorteil nennt Hürdler auch: „Von Bremerhaven aus sind sie schnell in der Nordsee. In Hamburg dauert die Revierfahrt wesentlich länger.“ Für die Landratten: Revierfahrt bezeichnet die Strecke, die ein Schiff vom Liegeplatz zurücklegt, bis es in der offenen See angelangt ist. Und die ist von Hamburg bis zur Nordsee eben länger als von der Außenweser bei Bremerhaven.

Auch wenn diese Vergleiche von Hürdler eigentlich nicht gewollt sind, sagt er: „Was für Bremerhaven außerdem spricht, ist, dass man bei uns nicht durch den Elbtunnel muss, um uns zu erreichen. Außerdem gibt es in Bremerhaven wesentlich bessere Parkmöglichkeiten für Passagiere, die mit dem Auto ankommen. Die Columbuskaje ist eben gut zu erreichen.“ Allerdings hätten in der Vergangenheit die Abteilungen „Marketing und Sale“ immer wieder gesagt, dass sie Schwierigkeiten hätten, Touren zu verkaufen, die in Bremerhaven starten.

"Wir wollen bei den Reedereien durch Leistung überzeugen"

Die aktuellen Passagierzahlen zeigen, dass sich auch das mittlerweile geändert hat. Und Tages­ausflüge per Bus, die die Passagiere zu­sätzlich buchen und für die Reedereien eine wichtige zusätzliche Einnahmequelle sind, ­können von Bremerhaven aus sowohl nach Bremen als auch nach Hamburg gehen.

Hürdler ist es allerdings auch wichtig, nicht die Reederei besonders herauszustellen, die die meisten Anläufe hat, sondern mit allen ebenbürtig im Gespräch zu sein. Denn gleichzeitig sollen bei den Meldungen, wer demnächst Bremerhaven anläuft, diejenigen Reedereien, die bereits seit 20 Jahren über Bremerhaven operieren, gehegt und gepflegt werden. Zu den langjährigen Stammkunden zählt beispielsweise Phoenix Reisen mit Sitz in Bonn, zu denen auch das ZDF-Traumschiff, die „MS Amadea“, gehört sowie die „MS Albatros“ aus der ARD-Reality-Serie „Verrückt nach Meer“. Allein dieses Unternehmen beschert Bremerhaven seit Jahren jedes Mal mehr als 30.000 Passagiere.

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Wer wann mitteilt, dass er auch von Bremerhaven aus operiert, sei den Reedereien überlassen. Abgesehen davon, dass die Reedereien diese Infos veröffentlichen, will CCCB-Geschäftsführer Veit Hürdler von seiner Seite keine Jubelarien: „Wir wollen bei den Reedereien durch Leistung überzeugen.“ In den vergangenen Jahren wurde bereits viel ins Columbus Cruise Center investiert, um es fit für die Zukunft zu machen. Eigentlich wäre nun die geschichtsträchtige Columbuskaje an der Reihe, von der aus Millionen Menschen ihr Schiff nahmen, um in die „Neue Welt“, die USA, nach Kanada oder Lateinamerika auszuwandern.

Die Sanierung der Kaje wird nach ersten Schätzungen 75 Millionen Euro kosten. Dabei wird auch eine neue Spundwand ins Wasser gerammt. Zudem sollen Teile des Columbusbahnhofs abgerissen werden, um Platz zu schaffen für ­zusätzliche Parkdecks. Im Bremer Doppelhaushalt für 2018 und 2019 sind bereits Mittel dafür vorgesehen, wie Bremens Wirtschafts- und Häfensenator Martin Günthner dem WESER-KURIER auf Nachfrage erläuterte.

Bremen ist am Columbus Cruise Center mit 43 Prozent beteiligt und damit auch größter Gesellschafter. Was die Passagierzahlen bei den Kreuzfahrtschiffen angeht, befindet sich Bremerhaven hinter Warnemünde, Hamburg und Kiel an vierter Position. In Warnemünde wurden im vergangenen Jahr laut Rostock Port 892.000 Kreuzfahrt-Passagiere abgefertigt, in Kiel waren es 2017 insgesamt 585.000 Passagiere.

Für das CCCB wird der 7. März ein wichtiges Datum sein. Denn dann startet für fünf Tage in Berlin wieder die Internationale Tourismus-Börse (ITB) als weltgrößte Reisemesse. Für die Reedereien ist das ein wichtiger Termin, weil sie dort auch die Reisekataloge und die Termine für ihre Touren veröffentlichen. Bis dahin kann sich CCCB-Geschäftsführer Veit Hürdler womöglich über weitere Nachrichten freuen über noch mehr Schiffe, die ab 2019 ebenfalls von Bremerhaven aus auf die Reise gehen wollen.

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