Geschäftsjahr 2017 Niedersachsens Sparkassen machen Kasse

Die Sparkassen in Niedersachsen sind zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2017. Am Dienstag stellte der Sparkassenverband des Landes die Ergebnisse vor – und kündigte einen Wandel in der NordLB an.
06.03.2018, 20:35
Lesedauer: 3 Min
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Niedersachsens Sparkassen machen Kasse
Von Peter Mlodoch

Ein halbes Jahr nach der vollständigen Einverleibung der Bremer Landesbank beraten die Eigentümer der Norddeutschen Landesbank über das künftige Geschäftsmodell des Instituts. „Der Trägerkreis arbeitet derzeit an einer neuen Ausrichtung“, sagte der Präsident des niedersächsischen Sparkassenverbandes (SVN), Thomas Mang, am Dienstag in Hannover. „Die NordLB ist angesichts des drückenden Schiffsportfolios in einer durchaus schwierigen Lage.“ Der SVN hält 26,36 Prozent an dem Institut, dem Land Niedersachsen gehören 59,13 Prozent. Den Rest teilen sich das Land Sachsen-Anhalt sowie die Sparkassenbeteiligungsverbände in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

Nähere Angaben zur möglichen Neuaufstellung mochte Mang nicht machen. Das sei allein Aufgabe des Vorstands. Er selbst wolle diesen „sensiblen Prozess“ nicht durch öffentliche Äußerungen stören. Auf die Frage, ob sein Verband der NordLB notfalls frisches Eigenkapital zuschießen würde, sagte der Präsident nur, dass man dieses Thema erst im Kreise der Träger klären müsse. Die NordLB erreichte zum Jahreswechsel eine Kernkapitalquote von gut zwölf Prozent. Vorstandschef Thomas Bürkle hatte im Dezember erklärt, dass man angesichts steigender aufsichtsrechtlicher Anforderungen 13 Prozent anstreben wolle. Finanzspritzen durch das Land, aber auch durch den SVN gelten als heikel, weil dies von der EU-Bankenaufsicht als unzulässige Beihilfe angesehen werden könnte.

Erhöhung des Eigenkapitals

Von solchen Problemen sind die 43 Sparkassen des Landes weit entfernt. Um 2,36 Milliarden auf 9,88 Milliarden Euro hätten die niedersächsischen Institute ihr Eigenkapital erhöhen können; damit betrage die Gesamtkapitalquote in Summe 15,38 Prozent, berichtete Mang und zeichnete ein äußerst positives Bild des Geschäftsjahres 2017. Trotz weiter sinkender Zinserträge habe man dank steigender Provisionserlöse das Betriebsergebnis um 53,5 Millionen auf 903,5 Millionen Euro steigern können.

Den Kundeneinlagen von 78,6 Milliarden Euro stehen Kreditforderungen in genau gleicher Höhe entgegen. „Das haben wir nicht so gesteuert, das hat sich so ergeben“, sagte Mang. 4,5 Millionen Girokonten und 3,8 Millionen Sparkonten haben die Sparkassen in Niedersachsen. „Mit den Ergebnissen sind wir angesichts der herausfordernden Rahmenbedingungen zufrieden“, betonte der Präsident mit Blick auf steigenden Regulierungsdruck der Bankenaufsicht sowie die notwendigen Investitionen in die Digitalisierung.

Zu den erfreulichen Zahlen beigetragen hat Mang zufolge dabei auch, dass es den Sparkassen gelungen sei, die Kosten um immerhin 28 Millionen Euro zu drücken. 2017 sank die Zahl der Institute um zwei auf 43 – Folge der Fusion der Sparkassen Hildesheim, Goslar und Peine. Wegen des Zusammenschlusses der Sparkassen Osterholz und Rotenburg Anfang des Jahres liegt die Zahl mittlerweile bei 42. Mindestens eine weitere Fusion werde vermutlich 2018 noch folgen, kündigte Mang an, schwieg sich aber auch hier zu Einzelheiten aus.

71 Filialen weniger

Die Zahl der Angestellten ging 2017 um 900 auf 20.983 zurück, die der Filialen sank von 971 auf 900. Dabei habe es sich meist um kleinere Geschäftsstellen mit manchmal nur noch einem Mitarbeiter gehandelt; diese habe man schon aus Sicherheitsaspekten schließen müssen. Abstriche an dem Beratungsmodell seien damit aber nicht verbunden, versicherte der Verbandschef. Im Gegenteil: Viele Kunden suchten mit komplexen Anliegen wie Hauskauf oder Altersvorsorge das persönliche Gespräch mit ihren Beratern. „Daher bauen wir die Beratungskompetenz vor Ort gezielt aus“, erklärte Mang. „Filialbetrieb muss sein. Sonst würden wir ja zu einer seelenlosen Direktbank verkommen.“

Gleichwohl gehe man mit der Zeit und investiere in die „digitale Fitness“ der Sparkassen mit einem Ausbau der medialen Kanäle. „Erstmals haben Privatkunden in Niedersachsen mehr Online-Konten als traditionelle Konten“, berichtete der Präsident. Mit der Sparkassen-App und dem elektronischen Überweisungssystem „Kwitt“, das Bezahlen in Echtzeit ermögliche, werde das Smartphone immer mehr zur „digitalen Geldbörse“. Auch Konto- oder Kreditkarte könne man dort integrieren. „Wer das nicht möchte, kann selbstverständlich auch weiterhin mit seiner Karte bezahlen und natürlich auch in bar.“

Die elektronische Analyse der Kundendaten werde man weiter ausbauen, um die richtigen Beratungsansätze und Produkte zu finden. Dabei habe die Sicherheit höchste Priorität. „Die Daten werden nicht gehandelt.“ Wer einen Auto-Kredit abschließe, brauche nicht plötzlich Angebote von Pkw-Händlern zu befürchten. Andererseits sei man durch europäische Vorgaben gezwungen, die Schnittstellen auch für amerikanische Internetgiganten wie Facebook zu öffnen – ohne, dass diese es im Gegenzug auch täten. Das sei ein Unding. „Dieses kann nicht so bleiben. Hier haben Politik und Behörden noch einiges zu tun.“

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