Zentralbank lockert Vergaberegeln / Verlängerung im Gespräch Noch mehr Geld von der EZB

Frankfurt/Main. Wer auf steigende Zinsen hofft, muss viel Geduld mitbringen. In Europa besonders viel.
04.09.2015, 00:00
Lesedauer: 1 Min
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Von MARKUS SIEVERS

Wer auf steigende

Zinsen hofft, muss viel Geduld mitbringen. In Europa besonders viel. In den USA zeichnet sich die Zinswende immerhin ab, auch wenn die Notenbank Fed sich wohl noch bis Oktober mit dem ersten Schritt lassen dürfte. Zu negativ fielen die jüngsten Konjunkturdaten aus, um die Epochenwende in der Geldpolitik schnell zu wagen.

Europa ist davon ohnehin meilenweit entfernt. Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte ihre Politik des billigen Geldes eher noch verschärfen. Mit seinen Äußerungen nach der Ratssitzung am Donnerstag in Frankfurt am Main heizte EZB-Präsident Mario Draghi entsprechende Erwartungen an. Notfalls werde die Notenbank ihr Programm zum Ankauf von Anleihen über September 2016 hinaus verlängern, kündigte Draghi an. Zudem beschloss der EZB-Rat, die selbst gesteckten Grenzen bei der Umsetzung des Programms zu lockern: Statt bisher maximal 25 Prozent kann die Notenbank künftig von einem Kreditnehmer bis zu 33 Prozent seiner Anleihen erwerben.

An den Börsen löste die Aussicht auf anhaltend ultraniedrige Zinsen Freude aus. Der Deutsche Aktienindex baute seine Gewinne rasch aus, weil Investoren nun hoffen, dass diese Geldpolitik noch lange die Aktienkurse stützen wird.

Seit fast einem halben Jahr kauft die EZB Monat für Monat Staatsanleihen und Wertpapiere für 60 Milliarden Euro. Diese gigantische Programm hat die Kreditvergabe nach einer langen Phase der Schrumpfung wieder angekurbelt. Doch das Ziel, eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent, hat Draghi damit noch nicht erreicht: Im August verharrte der Anstieg der Preise bei 0,2 Prozent. Damit wächst die Gefahr einer Deflation. Vor allem um eine solche zu verhindern, will die EZB eine Inflationsrate von Null oder nahe Null vermeiden. In den nächsten Monaten könnte die Preisentwicklung aber negativ werden, meinte Draghi. Die Führung der EZB sei noch nicht sicher, ob das eine vorübergehende Entwicklung oder ein dauerhafter Trend sei. Klar ist aber, dass die Angst vor einer Deflation sich unter Europas Geldpolitikern verschärft hat.

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