Lehrte/Emden Offshore-Pionierprojekt kommt nicht in Schwung

Emden·Lehrte. Der größte deutsche Meereswindpark kommt auch zehn Monate nach einer Pannenserie immer noch nicht auf Touren. Nur ein Teil der 80 Windräder von „Bard Offshore 1“ in der Nordsee ist gegenwärtig wieder zugeschaltet und liefert nach Angaben des Übertragungsnetzbetreibers Tennet Strom.
27.01.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von HANS–CHRISTIAN WÖSTE

Der größte deutsche Meereswindpark kommt auch zehn Monate nach einer Pannenserie immer noch nicht auf Touren. Nur ein Teil der 80 Windräder von „Bard Offshore 1“ in der Nordsee ist gegenwärtig wieder zugeschaltet und liefert nach Angaben des Übertragungsnetzbetreibers Tennet Strom. Die Gesamtleistung des Hochsee-Windparks von 400 Megawatt sei jedoch bisher nie erreicht worden, hieß es aus Projektkreisen. Seit September laufen Testreihen zur Fehlersuche, um die Störungen zu beheben. Die Phase dauere noch an, sagte in München eine Sprecherin der Hypovereinsbank, zu der die Betreibergesellschaft des Windparks, Ocean Breeze, gehört.

Ein Schwelbrand hatte im März vergangenen Jahres die Tennet-Konverterplattform „Borwin Alpha“ beschädigt. Ursache waren offenbar Probleme mit Überspannungen und Störungen zwischen dem Windpark und dem Netzanbindungssystem von Tennet. Als Folge wurden die Windkraftanlagen abgeschaltet. Eine Task Force begann seinerzeit mit der Fehlersuche. Diese sollte bereits im vergangenen Sommer abgeschlossen sein, verzögerte sich aber mehrfach. Auch nach der Behebung des Brandschadens auf der Plattform und dem Austausch der betroffenen Technik kam es laut Tennet zu weiteren unplanmäßigen Abschaltungen.

Die Qualität des Stroms stimme nicht, hieß es damals. Die Konverterstationen sind das Herzstück eines Offshorewindparks. Auf den Plattformen auf hoher See wird die von den Windrädern erzeugte Wechselspannung in Gleichstrom umgewandelt und durch Seekabel zum Festland geleitet. Gleichstrom kann mit weniger Verlusten über weite Strecken transportiert werden, als Wechselstrom. Im Fall von „Bard Offshore 1“ verläuft die rund 120 Kilometer lange Landanbindung über die Insel Norderney nach Hilgenriedersiel. Von dort sind Erdkabel bis Diele bei Weener verlegt, wo der Gleichstrom wieder in Wechselstrom gewandelt und ins Hochspannungsnetz eingespeist wird.

„Alle Beteiligten arbeiten mit Hochdruck an der Entwicklung geeigneter Lösungswege“, lautet das offizielle Statement der Hypovereinsbank. Angaben zum zeitlichen Rahmen und zur Schadenshöhe macht derzeit keines der beteiligten Unternehmen. Die Ausfallkosten könnten Schätzungen zufolge fast zwei Millionen Euro pro Tag betragen und nach dem Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien auf den Strompreis umgelegt werden können.

Der Windpark 100 Kilometer nordwestlich der ostfriesischen Insel Borkum war das erste kommerzielle Windkraftprojekt in der deutschen Nordsee. Mit fast drei Milliarden Euro Investitionskosten wurde er deutlich teurer als ursprünglich geplant.

Der Emder Offshore-Pionier Bard hatte zudem mit technischen Schwierigkeiten beim Bau und mit schlechtem Wetter zu kämpfen. Die Eröffnung wurde um mehrere Jahre auf August 2013 verschoben. Mitte 2014 stellte Bard die Fertigung wegen fehlender Anschlussaufträge ein. Als Grund wurde unter anderem das Stocken der Energiewende genannt.

Von den einst rund 1200 Mitarbeitern der Unternehmensgruppe mit weiteren Standorten in Bremen und Cuxhaven wurden Anfang 2014 nur knapp 300 von der Nachfolge-Firma Offshore Wind Solutions (OWS) am Standort Emden übernommen. OWS bietet nach eigenen Angaben Dienstleistungen in den Bereichen Wartung, Service und Reparatur für Offshorewindparks und Anlagen an Land.

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