Meyer-Werft kauft 70 Prozent der STX-Werft in Turku „Personalabbau ist kein Thema"

Papenburg/Turku. Die Meyer-Werft übernimmt eine der größten Werften Europas. Gemeinsam mit dem finnischen Staat kaufen die Emsländer die Werft in Turku. Ein Nachteil für die Beschäftigten in Papenburg sei das nicht, heißt es bei der Meyer-Werft.
04.08.2014, 19:00
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„Personalabbau ist kein Thema
Von Klaas Mucke

Die Meyer-Werft übernimmt eine der größten Werften Europas. Gemeinsam mit dem finnischen Staat kaufen die Emsländer die Werft in Turku. Ein Nachteil für die Beschäftigten in Papenburg sei das nicht, heißt es bei der Meyer-Werft. Aufträge für große Kreuzfahrtschiffe können allerdings nur in Finnland gefertigt werden.

Die Meyer-Werft baut aus. Der Kreuzfahrtbauer aus dem emsländischen Papenburg übernimmt zu 70 Prozent die Werft des angeschlagenen südkoreanischen Konkurrenten STX im finnischen Turku – und wird damit auch verantwortlich sein für das operative Geschäft. Die finnische Regierung kauft über die staatseigene Finnish Industry Investment Ltd. (FII) den restlichen Anteil von 30 Prozent. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Der Wert der klammen STX-Werft spiegele sich allerdings im Kaufpreis wieder, so die finnische Regierung in einer Pressemitteilung.

In Turku stellen derzeit etwa 1300 Werftarbeiter das Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 4“ fertig, das von TUI Cruises in Auftrag gegeben worden ist. Sie würden alle übernommen – und auch die Zusammenarbeit mit den Subunternehmern fortgeführt, so Meyer-Werft-Sprecher Peter Hackmann. Für die etwa 3000 Beschäftigten im Emsland sowie die rund 3800 Arbeitnehmer der Zulieferindustrie sei dies kein Grund zur Sorge. „Ein Personalabbau ist kein Thema“, sagte Geschäftsführer Jan Meyer. „Wir stärken alle Standorte gleichermaßen. Positive Effekte sind durch eine höhere Flexibilität gegenüber den Kunden gegeben.“ Die bestehe vor allem darin, in der Bauplanung und der Fertigstellung nun weitere Bauplätze zur Verfügung zu haben, erklärte Hackmann.

„Stärkung europäischer Werften“

Niedersachsen und die Meyer-Werft verhandeln derzeit über einen Vertrag zur Standortsicherung. Die IG Metall Küste und der Betriebsrat hatten im Frühjahr zehn Kernforderungen veröffentlicht, den Standort in Papenburg zu stärken. Unter anderem sollen die Kernkompetenzen Forschung und Entwicklung, die Arbeitsplätze und die Investitionen zur Modernisierung im bisherigen Umfang verbleiben.

Außerdem fordern sie die Einführung einer Arbeitsgruppe aus den Arbeitnehmervertretungen der betroffenen Länder. Die Beteiligten wollen möglichst noch im Herbst die Verhandlungen zu einem erfolgreichen Ende führen. Ziel sei ein Vertrag, der den Standort in Papenburg sichert und stärkt. Wie lang die geplante Laufzeit des Vertrages sein wird, sei indes noch nicht abschließend geklärt, so Stefan Wittke, Sprecher des Niedersächsischen Wirtschaftsministeriums. Sicher ist: Bis 2019 ist die Meyer-Werft mit dem Bau von noch neun Luxusliner beauftragt.

Risiken und Chancen

Thomas Gelder, Betriebsratsvorsitzender der Meyer-Werft, sprach von Risiken und Chancen für den Standort Papenburg durch die Übernahme: „Die Werft ist für die Menschen in der Region ein wichtiger Arbeitgeber, auch aus diesem Grund hat das Land Niedersachsen ein großes Interesse an dem Standortsicherungsvertrag.“ Gelder sieht in der Übernahme eine Stärkung der europäischen Werften vor allem gegenüber der Konkurrenz aus China und Korea. „Es ist besser, bei der weltweiten Neustrukturierung des Schiffbaus dabei zu sein, als außen vor zu bleiben.“

Anders als die tief im Binnenland liegende Meyer-Werft, liegt Turku an der südwestlichen Küste Finnlands, am weitgehend eisfreien Schärenmeer. Die Werft gehört zu den größten Europas. In ihren Docks sind bereits die beiden größten Kreuzfahrtschiffe der Welt – „Allure of the Seas“ und „Oasis of the Seas“ – gebaut worden. Nach Gelders Ansicht geht der Trend allerdings nicht weiter zu den Mega-Schiffen dieser Klasse. In Papenburg könnten diese Schiffe nicht mehr gebaut werden – in Turku schon. „Alle anderen können wir auch gut in Papenburg bauen.“

Derweil vermeldet die finnische STX- Werft, eine Absichtserklärung mit TUI Cruises geschlossen zu haben: Zwei weitere Schiffe für etwa 2500 Passagiere und 1000 Besatzungsmitglieder sollen gebaut werden. Diese Aufträge für die Luxusliner „Mein Schiff 5“ und „Mein Schiff 6“ würden bei endgültigem Vollzug der Übernahme von der Meyer-Werft übernommen und in Turku gefertigt werden.

Die Meyer-Werft und die FII werden offiziell erst dann neue Besitzer der Werft in Turku, wenn das Bundeskartellamt sein Fusionskontrollverfahren abgeschlossen hat und die Übernahme von den beteiligten Finanzinstituten bestätigt wird.

Der finnische Wirtschaftsminister Jan Vapaavuori sagte, die Meyer-Werft werde „mit ihrer langen Tradition auf dem Arbeitsfeld mit ganzem Einsatz ihre Expertise einbringen, um dabei zu helfen, die Werft in Turku weiterzuentwickeln.“ Die finnische Regierung hatte seit mehreren Monaten nach einem Partner gesucht, um die Arbeitsplätze in Turku zu sichern. Die Schließung des STX-Standorts in der Stadt Rauma war indes bereits beschlossen.

Die neuen Investoren seien gewillt, einen bedeutenden Betrag in die neue Firma zu stecken, um eine solide Basis für die Zukunft zu bereiten und international attraktiv zu bleiben, so die finnische Regierung in einer Pressemitteilung. Laut Angaben der Regierung sei es bisher allerdings bei ähnlichen Investitionen Praxis gewesen, zu einem späteren Zeitpunkt aus dem Zusammenschluss auszusteigen.

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