Windindustrie in Bremerhaven

Perspektive für Senvion-Mitarbeiter

Die Transfergesellschaft für mehr als 150 Senvion-Mitarbeiter in Bremerhaven steht. Das wurde ihnen an diesem Freitag auf ihrer definitiv letzten Betriebsversammlung verkündet.
20.12.2019, 16:49
Lesedauer: 3 Min
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Perspektive für Senvion-Mitarbeiter
Von Stefan Lakeband
Perspektive für Senvion-Mitarbeiter

In der Nordsee werden sich Senvions Windanlagen weiter drehen. Aber der Windanlagenbauer schließt sein Werk in Bremerhaven zum Jahresende.

INGO WAGNER

Wenige Tage vor dem Weihnachtsfest gibt es für 160 Mitarbeiter von Senvion in Bremerhaven wenigstens ein bisschen Hoffnung. An diesem Freitag wurde ihnen auf einer Betriebsversammlung mitgeteilt, dass eine Transfergesellschaft für sie eingerichtet wird. Zum 1. Januar kommenden Jahres können dann die Beschäftigten dorthin wechseln. Hätte es keine Einigung gegeben, hätte ihnen die Arbeitslosigkeit gedroht.

Nun steht fest: Die Senvion-Mitarbeiter kommen für mindestens vier Monate in der Transfergesellschaft unter. Sie wird von der Arbeitsagentur und aus der Insolvenzmasse des Unternehmens finanziert. Entsprechend erleichtert war Daniel Friedrich. Der Bezirksleiter der IG Metall Küste sagte: „Die Insolvenz und das sich über viele Monate hinziehende Verfahren ist für die Beschäftigten eine enorme Belastung.“ Es gehe nun darum, die Beschäftigten weiter zu qualifizieren und an andere Unternehmen zu vermitteln. „Dafür braucht es ausreichend Zeit. Deshalb werden wir uns weiter für eine längere Laufzeit der Maßnahmen einsetzen und dazu auch weitere Gespräche mit der Landesregierung führen“, sagte Friedrich. Im Januar soll es daher ein Gespräch mit Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) geben. Denn klar ist: Die Situation in Bremerhaven bleibt angespannt.

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Der Windanlagenbauer hatte im April Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet und sich auf die Suche nach einem Investor begeben. Das zog sich allerdings hin – erst im September wurde ein Käufer gefunden: der Mitbewerber Siemens-Gamesa. Er übernimmt allerdings nicht das Komplettpaket, sondern nur ausgewählte europäische Service- und Onshore-Segmente. Die EU-Kommission muss dem noch zustimmen. Das Werk in Bremerhaven gehört aber nicht zu diesem Paket. Hier wurden vor allem Turbinen für Windkraftanlagen auf See gefertigt; die Produktion wird zum Jahresende geschlossen.

Von insgesamt 1400 Senvion-Mitarbeitern in Deutschland sollen noch 500 bleiben können. „Bremerhaven ist durch das Aus der Produktion und die Schließung des Werkes besonders betroffen“, sagt Friedrich. In der Seestadt werden voraussichtlich bis Februar noch zehn bis 15 Mitarbeiter bei Senvion angestellt sein, um alles von der Maschine bis zur letzten Schraube aus der Produktionshalle zu verkaufen und die letzten Abrechnungen zu machen. Komplett verlassen wird der Standort im Süden Bremerhavens dann aber nicht sein. Die Transfergesellschaft soll ihren Sitz auf dem Senvion-Gelände haben. Das sagte Doreen Arnold, Geschäftsführerin IG Metall Weser-Elbe, dem WESER-KURIER. In den kommenden Tagen würden die Büroräume bezogen.

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Das Aus für Senvion ist nur der jüngste von mehreren Rückschlägen für die Windenergiebranche in Bremerhaven. So hatte 2017 bereits Senvion als Muttergesellschaft die Onshore-Rotorblattfertigung von Powerblades nach Portugal verlegt. Im gleichen Jahr stellte auch der Offshore-Turbinen-Hersteller Adwen seine Fertigung ein.

Senvion-Cehf Yves Rannou sagte vor wenigen Tagen dem Wirtschaftsmagazin „Capital“, dass eine Konsolidierung der Branche überfällig sei. „Natürlich wünsche ich niemandem, dass er unser Schicksal teilt. Aber wir dürfen nicht blind sein.“ Die Konsolidierung falle aber weniger schmerzhaft aus, wenn die Unternehmen selbst das Sagen behalten würden und nicht die Insolvenzgerichte.

Scharfe Kritik übte er an der Energiepolitik der Regierung. „Ich kann nicht verstehen, wie es die Bundesregierung hinnehmen kann, dass eine Zukunftstechnologie und industrielle Schlüsselkompetenzen zerstört werden.“ Der geplante Abstand von Windparks von mindestens 1000 Metern zu Wohnsiedlungen würde einen Großteil der möglichen Windprojekte „killen“, sagte Rannou. „Sollte es bei der aktuellen Politik bleiben, kann später niemand behaupten, dass ihn die Folgen überrascht hätten. Die ehrliche Alternative wäre es dann, die Klimaziele aufzugeben.“

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