Frankfurt/Wiesbaden

Reallöhne und Geldvermögen der Deutschen steigen

Wiesbaden·Frankfurt. Die Bundesbürger werden immer reicher: Das Geldvermögen erklimmt neue Höchststände, und auch die Arbeitnehmer in Deutschland haben mehr Geld in der Tasche. So berichtete das Statistische Bundesamt am Dienstag über kräftig gestiegene Reallöhne im zweiten Quartal, die sich aus den Grundlöhnen und Sonderzahlungen zusammensetzen.
24.09.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von HARALD SCHMIDTUND CHRISTIAN EBNER

Die Bundesbürger werden immer reicher: Das Geldvermögen erklimmt neue Höchststände, und auch die Arbeitnehmer in Deutschland haben mehr Geld in der Tasche. So berichtete das Statistische Bundesamt am Dienstag über kräftig gestiegene Reallöhne im zweiten Quartal, die sich aus den Grundlöhnen und Sonderzahlungen zusammensetzen. Die Arbeitnehmer haben also nach Abzug der aktuell sehr niedrigen Preissteigerung mehr Geld in der Tasche, das sie für den privaten Konsum einsetzen können. 1,2 Prozent beträgt die Steigerung der Brutto-Entgelte binnen Jahresfrist, im Vorquartal waren es sogar 1,3 Prozent.

Grundsätzlich steigen die Reallöhne in Deutschland seit 2010 kontinuierlich, mit einer kleinen Delle im vergangenen Jahr. Aus Sicht der Gewerkschaften ist das aber immer noch eine Aufholjagd nach Einbrüchen in den 2000er-Jahren. Die Reallöhne lagen nach Berechnung des WSI-Tarifarchivs der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung zum Jahresende 2013 immer noch 0,7 Prozent unter dem Wert aus dem Jahr 2000. Vor allem die Hartz-Reformen hätten den Arbeitsmarkt dereguliert und Druck auf die Verdienste ausgeübt, sagt der WSI-Experte Reinhard Bispinck.

Besser dran waren Tarifbeschäftigte, die 2013 real immerhin acht Prozent mehr auf der Gehaltsabrechnung hatten als zur Jahrtausendwende. Auch aktuell geht Bispinck davon aus, dass die Tarifeinkünfte, die noch für gut die Hälfte der Arbeitnehmer in Deutschland verbindlich sind, stärker steigen werden als die allgemeine Entwicklung. Knapp zwei Prozent Zuwachs seien nach Abzug der Inflation für 2014 drin, fasst er die bislang vorliegenden Tarifabschlüsse zusammen. Die durchschnittlich höchsten Monatsgehälter für Vollzeitbeschäftigte werden bei Banken und Versicherungen mit 4689 Euro brutto gezahlt. Am wenigsten Geld gibt es im Gastgewerbe mit 2109 Euro, der deutsche Durchschnitt liegt bei 3518 Euro ohne Sonderzahlungen.

Schneller als die Löhne steigen die Geldvermögen in Deutschland. 2013 wuchs das Vermögen der privaten Haushalte in Form von Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen oder Ansprüchen gegenüber Versicherungen zum Vorjahr um 4,0 Prozent auf den Rekordwert von 5,15 Billionen Euro. Besonders Wertgewinne bei Aktien waren für das Plus verantwortlich, wie der Versicherungskonzern Allianz am Dienstag in Frankfurt bei der Vorstellung des „Global Wealth Reports“ mitteilte. Doch obwohl die deutschen Sparer die einzigen Europäer sind, die ihre Sparanstrengungen seit 2007 gesteigert hätten, bleibe die Vermögensbildung mit plus 15,1 Prozent seit dem Vorkrisenjahr „im wahrsten Sinne des Wortes mittelmäßig“, sagte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise: „Die Deutschen sparen überdurchschnittlich viel. Aber kaum jemand bringt auch so viel Geld zur Bank wie wir, obwohl die Bankzinsen deutlich niedriger sind als im Rest Europas.“

Ohnehin haben die Deutschen im Schnitt deutlich weniger Geldvermögen als Menschen in anderen Industrieländern. Abzüglich der Schulden beziffert die Allianz das deutsche Pro-Kopf-Geldvermögen 2013 auf 44 280 Euro. Das reicht im Länderranking hinter Frankreich und Italien, aber vor Österreich und Irland für Platz 16. Deutlich mehr haben die Belgier (78 300 Euro pro Kopf) und die US-Amerikaner (119 570 Euro). Die reichsten Menschen leben demnach mit einem Netto-Geldvermögen von 146 540 Euro pro Kopf in der Schweiz.

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