Landesbanken Ringen um Trennung von HSH-Chef Nonnenmacher

Hamburg. Die beschlossene Trennung der angeschlagenen HSH Nordbank von ihrem Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher hat ein Ringen um Absprachen, das Verfahren und eine mögliche Millionenabfindung ausgelöst.
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Hamburg. Die beschlossene Trennung der angeschlagenen HSH Nordbank von ihrem Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher hat ein Ringen um Absprachen, das Verfahren und eine mögliche Millionenabfindung ausgelöst.

Nach einem Bericht des Magazins "Focus" wollen sich die Hauptanteilseigner der Bank, Hamburg und Schleswig-Holstein, möglicherweise einvernehmlich von Nonnenmacher trennen. Das gehe aus einem internen Brief von Aufsichtsratschef Hilmar Kopper hervor, der dem "Focus" vorliege.

Die "Süddeutsche Zeitung" (Montag) zitiert dagegen Aufsichtsratskreise, wonach auch eine fristlose Kündigung geprüft werde. Die Art der Trennung sei noch offen. Auch der Kieler Regierungssprecher Knut Peters widersprach der Darstellung, eine einvernehmliche Lösung werde angestrebt. Davon sei nicht die Rede gewesen. Von der HSH Nordbank selbst war am Wochenende keine Stellungnahme zu erhalten.

Laut "Focus" schrieb Kopper an den Aufsichtsrat, er sei telefonisch von den Regierungschefs der Mehrheitseigner Hamburg und Schleswig-Holstein gebeten worden, eine "einvernehmliche Trennung von Professor Nonnenmacher einzuleiten". Details würden erst bekanntgegeben, "wenn eine für beide Seiten akzeptable und faire Lösung der vertraglichen Ansprüche gefunden ist und gleichzeitig ein Nachfolger benannt werden kann", hieß es.

In der "Süddeutschen Zeitung" heißt es unter Berufung auf Aufsichtsratskreise, falls eine Abfindung an Nonnenmacher gezahlt werde, dann nur unter Vorbehalt. In den Vertrag müsste eine Rückerstattungsklausel aufgenommen werden für den Fall, dass der 47 Jahre alte Manager später wegen Straftaten verurteilt werden sollte.

Der Hamburger Grünen-Fraktionschef Jens Kerstan erklärte am Sonntag, in der Koalition sei nicht beschlossen worden, dass es eine einvernehmliche Trennung geben solle. "Ich gehe davon aus, dass die Regierungschefs Herrn Kopper das auch unmissverständlich so mitgeteilt haben." Einen automatischen Abschied mit goldenem Handschlag ohne Prüfung aller anderen Optionen dürfe es nicht geben.

Seit dem Beschluss der Landesregierungen in der vergangenen Woche, Nonnenmacher an der Spitze der Bank abzulösen, war spekuliert worden, ob damit eine Millionenabfindung fällig werden könnte. Der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki sagte dem "Focus": "Wenn eine fristlose Kündigung von vorneherein ausgeschlossen wird, dann ist das ein GAU für die Länder und die Aufklärung der Affäre."

Auch der Bund der Steuerzahler kritisierte eine mögliche Abfindung für Nonnenmacher. Wenn zwei Landesregierungen ihm das Vertrauen entzogen hätten, müsse es dafür triftige Gründe geben. "Und für die darf es keinen goldenen Handschlag geben. Eine Einigung auf Kosten der Steuerzahler ist unmöglich", sagte der Vizepräsident beim Bund der Steuerzahler, Reiner Holznagel, der "Bild am Sonntag".

Nonnenmacher steht seit Monaten in der Kritik. Mehrere Staatsanwaltschaften ermitteln gegen ihn. Die Politik gesteht dem 47-Jährigen zwar zu, dass er die angeschlagene Bank nach der schweren Finanzkrise recht schnell wieder in ruhigeres Fahrwasser gebracht hat. Dennoch wollten vor allem die kleineren Koalitionspartner in Hamburg und Kiel, Grüne und FDP, das Verhalten des Vorstandschefs nicht mehr akzeptieren. Im Raum steht auch der Vorwurf, Nonnenmacher habe Mitarbeiter und Politiker durch die Sicherheitsfirma Prevent AG bespitzeln lassen.

Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge sollen im November erste Prüfergebnisse der Finanzaufsichtsbehörde Bafin zur HSH Nordbank vorliegen. Auch von den Resultaten könnte abhängen, ob Nonnenmacher mehrere Millionen Euro erhält, berichtete die Zeitung am Samstag unter Berufung auf Finanzkreise und das Umfeld der Bank. Falls die noch laufenden Untersuchungen nichts Belastendes gegen Nonnenmacher zutage bringen, habe er Anspruch auf Auszahlung seines Vertrags. Der Vorstandschef beteuert, in keine der Affären bei der HSH persönlich verwickelt zu sein. (dpa)

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