Was Eltern bei Versicherungen beachten und wo sie Prioritäten setzen sollten / Sinnvolle Modelle für das Sparen

Schulbeginn – und was nun?

Mit dem ersten Schultag und einer größeren Selbstständigkeit wollen Eltern ihre Kinder besser schützen. Leicht lassen sie sich dabei vom Marketing der Versicherungen blenden. Doch Versicherungen sind zu Schulbeginn kaum notwendig.
01.09.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Olaf Grahl
Schulbeginn – und was nun?

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Mit dem ersten Schultag und einer größeren Selbstständigkeit wollen Eltern ihre Kinder besser schützen. Leicht lassen sie sich dabei vom Marketing der Versicherungen blenden. Doch Versicherungen sind zu Schulbeginn kaum notwendig.

Eltern machen sich oft Sorgen um ihre Kinder. Vor allem dann, wenn sie loslassen müssen und die Kinder zur Schule gehen. Doch die meisten Verletzungen sind kein großes Malheur. Ein gebrochener Arm, eine Schnittverletzung oder eine Schramme kommen vor, sind aber gut abgesichert, wenn man davon ausgeht, dass es in der Familie eine Krankenversicherung gibt. Barmer & Co sind hier die bessere Alternative, weil es bei den gesetzlichen Krankenkassen eine beitragsfreie Mitversicherung der Kinder gibt. Selbst wenn nach einer schweren Erkrankung eine Rehabilitation notwendig wird, kommt dafür die Krankenkasse auf.

Der Weg zur Schule ist dagegen durch die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert. „Sie zahlt bei Unfällen in der Schule, auf dem Weg dorthin und wieder zurück nach hause“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. In der Freizeit sind die Kinder damit aber nicht abgesichert. Hier kommt dann die private Unfallversicherung ins Spiel, die bei bleibenden Schäden, etwa einem abgetrennten Finger oder einem verlorenen Unterschenkel, bestimmte Zahlungen leistet. Voraussetzung ist aber, dass die körperliche Beeinträchtigung Folge eines Unfalls ist.

Infektionskrankheiten vorbeugen

Bei einer Versicherungssumme von 200 000 Euro und einem Progressionsfaktor von 225 Prozent kosten solche Policen zwischen 60 und 90 Euro im Jahr. „Die Progression erhöht die Leistung bei einer hohen Invalidität“, sagt Boss. Für ein verlorenes Bein unterhalb des Knies gibt es dann 150 000 Euro, für einen eingebüßten Zeigefinger 20 000 Euro. Die Eltern sollten außerdem darauf achten, dass auch Infektionskrankheiten durch einen Zeckenbiss, Impfschäden und Nahrungsmittelvergiftungen versichert sind.

Wenn das Geld in einer Familie knapp ist, müssen Prioritäten gesetzt werden. Die Absicherung der Eltern ist wichtiger. Sie sollten sich vor Berufsunfähigkeit ebenso schützen wie für den Todesfall. Deshalb ist eine Risikolebensversicherung zumindest für den Hauptverdiener wichtiger als eine Unfallversicherung für das Kind.

Keinesfalls empfehlenswert ist eine Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr. Denn eine Versicherung zum Nulltarif existiert nicht. „Am Ende gibt es nur die zusätzlich zu den Versicherungsbeiträgen gezahlten Sparanteile zurück und das mit schlechter Verzinsung“, warnt Bianca Boss.

Wesentlich teurer als eine Unfallversicherung ist eine Invaliditätsversicherung, die unabhängig von der Ursache im Falle einer Invalidität eine lebenslange Rente zahlt – in der Regel ab einem Behinderungsgrad von 50 Prozent. Auch eine hohe Einmalzahlung kann vereinbart werden. Die Police ist aber mit Prämien von 300 bis 500 Euro im Jahr nicht billig. Wer sein Kind optimal absichern will, der erreicht mit so einer Police mehr als mit einer Unfallversicherung.

Kombiprodukte oft intransparent

Die Versicherer bieten auch Kombiprodukte an, bei denen etwa eine fondsgebundene Rentenversicherung mit einem Versicherungsschutz für Krankheiten und Unfälle kombiniert wird. Diese Produkte sind nicht zu empfehlen, weil sie sehr intransparent sind. „Es ist immer besser, den Sparvorgang und die Risikovorsorge zu trennen“, sagt Boss.

Nur wenn nach der Risikoabsicherung noch Geld zur Verfügung steht, kann über den Vermögensaufbau für Kinder nachgedacht werden. Zur Auswahl stehen das klassische Sparbuch, Sparverträge bei Banken und Fondssparpläne.

In vielen Schultüten steckt ein Sparbuch. Doch es müssen schon spezielle Konten sein, um noch eine angemessene Verzinsung zu erreichen. Die Zinsen auf dem normalen Sparbuch sind kaum der Rede wert und liegen deutlich unter der Inflationsrate. Eine Alternative können Tagesgeldkonten sein, die die Eltern auf den Namen des Kindes führen (s. Tabelle). Ein Tagesgeldkonto ist noch flexibler als ein Sparbuch, da über das Geld jederzeit verfügt werden kann. Neukunden wird zudem noch meist ein relativ hoher Zins für einen bestimmten Zeitraum garantiert, etwa 1,20 Prozent bei Cortals Consors für ein Jahr. Den attraktivsten Ratensparplan mit monatlichen Einzahlungen bietet derzeit die Deniz Bank mit einem Zinssatz von 2,50 Prozent.

Höhere Rendite durch Aktienfonds

Höhere Renditen bieten Sparpläne auf Aktienfonds. Empfehlenswert sind internationale oder europäische Aktienfonds. Eine Orientierung über geeignete Produkte kann der Fondsvergleich der Stiftung Warentest liefern. Fast alle Direktbanken bieten Sparpläne auf diese Fonds mit reduziertem Ausgabeaufschlag an. Jedoch ist das Risiko der Anlage in Aktienfonds auch größer – eine Garantie, dass die angepeilte Summe zu einem bestimmten Stichtag erreicht wird, gibt es nicht. Gut beraten ist daher, wer schon drei bis fünf Jahre vor der geplanten Fälligkeit beginnt, das Guthaben in weniger schwankungsanfällige, festverzinsliche Anlageformen umzuschichten.

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