Kommentar zur Entscheidung für Kohlebergwerk

Siemens muss als Prügelknabe herhalten

Nach dem Treffen mit der Umweltaktivistin Luisa Neubauer hält Siemens-Chef Joe Kaeser am Projekt für das Kohlebergwerk in Australien fest. Florian Schwiegershausen kommentiert, warum das nicht verwundert.
13.01.2020, 13:42
Lesedauer: 2 Min
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Siemens muss als Prügelknabe herhalten
Von Florian Schwiegershausen
Siemens muss als Prügelknabe herhalten

Drei Aktivisten protestieren vor dem Siemens-Hauptsitz. Die Übergabe des Plakats soll die symbolische Übergabe einer Unterschriftenliste zu einer Petition darstellen.

Tobias Hase/dpa

Es ist gut zwei Jahre her, da hat Siemens nach eigenen Angaben die „umweltfreundlichste Ampel der Welt“ vorgestellt. Die LED-Technik verbessere die Energieeffizienz an einer durchschnittlichen Kreuzung um bis zu 85 Prozent. 6000 Kilogramm CO2 könnten so pro Kreuzung vermieden werden. Wenn es sich aber, wie in Australien, um eine Zugsignalanlage für ein Kohlebergwerk handelt, hat die kostengünstige Ein-Watt-Technologie in den Ampeln ihre Funktion verwirkt.

Ob Siemens-Chef Joe Kaeser nach dem Treffen am Freitag mit Klima-Aktivistin Luisa Neubauer wirklich bei der Entscheidung für oder gegen das Projekt mit sich gerungen hat, weiß nur er. Verwunderlich ist es am Ende nicht, dass Siemens darauf pocht, die Verträge einzuhalten. Nach Fridays for Future ist nun der Montag für Minen. Der Dax-Konzern will gegenüber seinen Geschäftspartnern nicht als unzuverlässig gelten. Alles bei diesem Projekt befindet sich an einem Punkt, an dem es keine Rückkehr gibt. Das können auch die Aktivisten von Fridays for Future nicht ändern. Und so realistisch müssen alle sein: Wenn Siemens diese Signalanlage nicht bauen würde, dann baut sie eben ein anderes Unternehmen. Dennoch muss Siemens in diesem Moment als Prügelknabe herhalten.

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Anbiedernd hat es allerdings am Freitag schon gewirkt, dass Siemens-Chef Kaeser der Aktivistin Luisa Neubauer einen Platz im Aufsichtsrat angeboten hat – ganz nach dem alten Motto: Ich mache mir meine Feinde zum Freund. Es zeigt aber auch ein wenig die Hilflosigkeit zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Denn am Ende ist es ein Thema, bei dem der Siemens-Chef nur verlieren kann. Das alte Dilemma: Umweltinteressen stehen dem Erhalt von Arbeitsplätzen gegenüber.

Der Protest der Fridays-for-Future-Aktivisten kommt für Kaeser zum ungünstigen Zeitpunkt. Der Vorstandschef ist dabei, das Unternehmen umzubauen, da infolge der Energiewende beispielsweise das Kraftwerkgeschäft eher schlecht läuft. Wenngleich es nun in der Kritik steht: Ohne Unternehmen wie Siemens wird die Energiewende auch in Deutschland nicht zu schaffen sein. Denn Siemens baut eben nicht nur Signalanlagen, die bei Kohlekraftwerken zum Einsatz kommen können, sondern mit Siemens Gamesa in Cuxhaven auch Windkraftanlagen, um die Energiewende zu meistern.

Das Problem der Energiewende ist jedoch, dass es eben noch einige Jahre brauchen wird, bis Deutschland den Strom zu 100 Prozent aus alternativen Quellen beziehen kann. Es wäre schön, wenn die Bundesrepublik schon so weit wäre. Ist sie aber leider nicht. Also braucht es eine Übergangslösung.

Viele können sich, wenn sie ihr Herz walten lassen, mit den Zielen der Aktivisten identifizieren. Sobald aber die Ratio mit ins Spiel kommt, muss man eingestehen, dass sich diese Ziele leider nicht so schnell umsetzen lassen.

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