Einkaufen im Internet So sind Fake-Shops im Netz chancenlos

Ein genauer Blick beim Bestellen im Internet ist ratsam, denn es könnte sich um einen Fake-Shop handeln. Was die Verbraucher beim Online-Handel beachten müssen und wovon sie die Finger lassen sollten.
12.08.2018, 20:28
Lesedauer: 3 Min
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Von Olaf Grahl

55 Millionen Bundesbürger kaufen inzwischen im Internet ein, vor allem Bekleidung und Elektronikartikel. Allein im ersten Halbjahr 2018 stiegen die Umsätze im interaktiven Handel um 11,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Doch der Konsum im Netz hat auch seine Schattenseiten: Nicht gelieferte Waren, schlechte Qualität oder gar Betrug durch Fake-Shops. Deshalb sollten Kunden ihre Rechte kennen.

Ein guter Online-Shop liefert einen schnellen Überblick zu den Preisen der Produkte, den Versandkosten sowie den Fristen und Zahlungsbedingungen. Das sind die Dinge, die den Kunden besonders interessieren. Obwohl kaum gelesen, müssen auch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) einfach abzurufen sein. Betreiber von Online-Shops sind verpflichtet, Firmennamen, Adresse mit Ort und Straße und eine E-Mail-Adresse anzugeben. Fehlt eine Telefonnummer, so ist das schon kein gutes Zeichen. Für jede Ware muss angegeben werden, innerhalb welcher Frist sie geliefert werden kann. Das Stöbern in Online-Shops darf nicht zu unbeabsichtigten Bestellungen führen. Jeder Kauf kommt nur zustande, wenn der Kunde einen speziellen Button klickt, der die Aufschrift wie „Kaufen“ oder „Zahlungspflichtig bestellen“ trägt.

Widerruf innerhalb von 14 Tagen

Die Verbraucher hat bei sogenannten Fernabsatzverträgen ein Widerrufsrecht. Die 14-tägige Frist beginnt in der Regel mit Erhalt der Ware. Für die Rücksendung muss kein Grund angegeben werden. Nach dem Widerruf wird der Vertrag rückabgewickelt: Der Händler erhält die Ware, der Kunde sein Geld, wenn er schon bezahlt hat. Es gibt keine Verpflichtung, die Ware in Originalverpackung zurück zu schicken, aber es kann sein, dass der Verbraucher die Rücksendekosten übernehmen muss. Durch Entfernen der Originalverpackung kann das Widerrufsrecht bei manchen Warengruppen aber erlöschen. Dazu zählen vor allem CD und DVD. Die Verpackung muss aber auch als Siegel erkennbar sein, eine einfache Klarsichtfolie genügt nicht. Bahn- und Konzerttickets sowie Reisen und Hotelbuchungen fallen nicht unter das Widerrufsrecht.

„Die Gewährleistung ist gesetzlich garantiert und läuft 24 Monate bei Neuware“, sagt Daniel Pöhler vom Verbraucherportal Finanztip. „Sie deckt Schäden ab, die die Ware von Anfang an zumindest im Ansatz hatte.“ Da gibt es keine Unterschiede zwischen stationären Läden und Onlinehandel. Ist der Mangel berechtigt, muss der Verkäufer die Ware nachbessern oder neu liefern. „Verbraucher können damit einen beschädigten Artikel in den ersten sechs Monaten problemlos beim Verkäufer reklamieren. Danach muss der Käufer aber beweisen, dass der Schaden von Anfang an vorhanden war“, sagt Pöhler. Die gesetzliche Gewährleistung haben nichts mit der freiwilligen Garantieerklärung des Herstellers zu tun, die meist über zwölf Monate läuft.

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Tolle Angebote, niedrige Preise? Dann ist ein genauer Blick auf die Internetseite ratsam, denn es könnte sich um einen Fake-Shop handeln, der nur minderwertige Waren liefert oder auch gar nicht. Diese können durchaus seriös wirken, indem sie ein professionelles Erscheinungsbild haben und oft mit sehr günstigen Preisen locken. Am Ende des Bestellvorgangs bleibt dem Kunden meist nur die Bezahlung durch Vorauskasse per Überweisung.

Das ist ein klares Warnsignal. Fake-Shops schmücken sich auch mit erfundenen Gütesiegeln oder nutzen echte Siegel ohne dafür eine Berechtigung zu haben. Die Verbraucherzentrale Saarland hat dafür einen Tipp: Bei echten Siegeln kann man mit einem Klick darauf überprüfen, ob diese mit einem Zertifikat des Siegel-Betreibers verlinkt sind. Vorsicht ist auch bei zu positiven Kundenbewertungen geboten, denn die können auch gefälscht sein. Fehlen Impressum und die AGB, ist von einer Bestellung abzuraten.

Siegeln kann man mit einem Klick überprüfen

Für den Kunden ist der Kauf auf Rechnung die sicherste Variante. Die Ware wird erst bezahlt, wenn der Kunde sie erhalten und geprüft hat. Für die Begleichung der Rechnung haben die Kunden oft 30 Tage Zeit. Im Gegenzug muss der Kunde in der Regel aber eine Bonitätsprüfung durch den Händler akzeptieren. Wenn der Kauf auf Rechnung nicht angeboten wird, ist das Lastschriftverfahren eine Alternative. Der Auftrag lässt sich bei der Bank innerhalb von acht Wochen zurückholen, sollte die Ware nicht geliefert worden sein.

Bezahldienste wie Paypal werben zwar mit Käuferschutz. So kann der Käufer sein Geld zurückbekommen, wenn die Ware nicht geliefert wurde oder schadhaft war. Doch dazu muss der Kunde einen Antrag stellen, über den Paypal entscheidet. Zuvor muss der Käufer innerhalb von 20 Tagen versuchen, eine Einigung mit dem Verkäufer zu erreichen.

Die Nichtlieferung von Ware kann verschiedenen Gründe haben: Schlamperei beim Paketdienst, oder der Kunde ist auf einen Fake-Shop hereingefallen. Das Versandunternehmen darf den Kaufpreis aber erst dann einfordern, wenn die Ware den Kunden nachweislich erreicht hat.

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