Währung Sorgen um Frankreich ziehen Euro nach unten

Frankfurt/Main/Paris. Spekulationen über eine mögliche Herabstufung von Frankreichs Kreditwürdigkeit haben den Euro auf ein Vierjahrestief abstürzen lassen. Auch die europäischen Aktienmärkte gingen auf Talfahrt.
01.06.2010, 17:02
Lesedauer: 2 Min
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Frankfurt/Main/Paris. Spekulationen über eine mögliche Herabstufung von Frankreichs Kreditwürdigkeit haben den Euro auf ein Vierjahrestief abstürzen lassen. Auch die europäischen Aktienmärkte gingen auf Talfahrt.

Der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung sank am Dienstag zwischenzeitlich bis auf 1,2112 Dollar, erholte sich bis zum Nachmittag aber auf 1,2212 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2155 (Montag: 1,2307) Dollar fest.

Die Regierung in Paris übte sich in Schadensbegrenzung und versuchte, die Befürchtungen der Händler zu zerstreuen. Frankreich werde die Bestnote «AAA» halten, sagte Haushaltsminister François Baroin im Radio. «Es gibt keinen Zweifel, es gibt kein Risiko (...), weil wir entschlossen in ein neues Zeitalter der Haushaltspolitik eingetreten sind.»

Analysten warnten hingegen, es gebe immer ein Risiko, herabgestuft zu werden. Das Handeln der Rating-Agenturen sei undurchsichtig. Am Sonntag hatte Baroin für Aufregung gesorgt, weil er das Ziel, das Rating zu halten, als «stramm» bezeichnet hatte.

Frankreich ist nach Deutschland die zweitgrößte Volkswirtschaft der EU. Eine Abstufung durch die Ratingagenturen hätte eine neue Qualität, sagte Devisenanalyst Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank. Zusammen mit Deutschland gelte Frankreich als Kernland und «stabilisierendes Element» der Euro-Zone. Die französische Regierung hatte sich besonders für eine Rettung des Euro-Schuldensünders Griechenland stark gemacht. Erst am Wochenende hatte die Agentur Fitch Spanien auf «AA+» heruntergestuft.

Frankreich erwartet für dieses Jahr ein Haushaltsdefizit von 8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, 2009 lag es bei 7,5 Prozent. Der Schuldenberg belief sich zuletzt auf mehr als 1,5 Billionen Euro. Daher will die Regierung die Staatsausgaben von 2011 bis Ende 2013 einfrieren. Jede zweite freiwerdende Stelle im öffentlichen Dienst wird nicht besetzt. Eine noch für dieses Jahr angekündigte Rentenreform soll das Defizit in den Sozialkassen senken.

Im Sog des fallenden Euro gerieten die deutschen Aktien unter Druck: «Euro schwach - alles schwach», sagte ein Händler. Der Dax stand am Nachmittag um 1,50 Prozent tiefer bei 5874,74, hatte sich aber vom Tief bei 5833 Punkten erholt. Zum Wochenauftakt hatte der Leitindex noch um 0,31 Prozent zugelegt. Der MDax verlor zuletzt 2,02 Prozent auf 7861,19 Punkte, der TecDax fiel um 1,51 Prozent auf 736,67 Punkte.

Beim EuroStoxx 50 ging es um 2,01 Prozent auf 2557,73 abwärts. Der Pariser Cac 40 rutschte um 1,70 Prozent auf 3447,83 Punkte. Für den FTSE 100 ging es in London nach dem feiertagsbedingt verlängerten Wochenende um 1,87 Prozent auf 5091,15 Punkte nach unten.

Um die Rating-Agenturen soll es am Mittwoch auch bei der EU gehen: Binnenmarktkommissar Michel Barnier will die Reform der Finanzmärkte voranbringen. Im Visier hat er Rating-Agenturen sowie das Risikomanagement von Banken. Barnier will erneut vorschlagen, der geplanten EU-Aufsichtsbehörde für den Wertpapiersektor (European Securities and Markets Authority/ESMA) zentrale Zuständigkeit für die Agenturen zu geben. Bislang fallen sie unter die Ägide der nationalen Aufseher, in Deutschland ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zuständig. (dpa)

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