Bremen

Sprit aus Stroh fürs Auto

Die Diskussion um das „Ende des Verbrennungsmotors ab 2030“ ist seit wenigen Wochen entfacht. Es wird darüber gestritten, ob das Elektroauto das einzig wahre und über alle Zweifel erhabene umweltfreundliche Fortbewegungsmittel der Zukunft in Deutschland sein soll.
21.10.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Claus Sauter

Die Diskussion um das „Ende des Verbrennungsmotors ab 2030“ ist seit wenigen Wochen entfacht. Es wird darüber gestritten, ob das Elektroauto das einzig wahre und über alle Zweifel erhabene umweltfreundliche Fortbewegungsmittel der Zukunft in Deutschland sein soll.

Ich kann über diese fehlgerichtete Diskussion nur den Kopf schütteln. Ganz im Gegenteil: Wir brauchen mehr Verbrennungsmotoren auf Deutschlands Straßen für eine emissionsfreie Mobilität. Wir müssen nicht bis 2030 warten, um wirklich etwas für mehr Umweltschutz im Straßenverkehr zu tun!

Es gibt bereits heute Kraftstoffe, mit denen Verbrennungsmotoren praktisch emissionsfrei fahren. Dazu gehört Biomethan aus 100 Prozent Stroh – ein Biokraftstoff für Erdgasfahrzeuge, wie er in unserer weltweit einzigartigen Anlage in Brandenburg entsteht. Ich spreche hier also nicht von einem theoretischen Konstrukt, sondern von einer existierenden Großproduktion. Mit der aktuell produzierten Menge Biomethan aus Stroh könnten schon jetzt 5000 bis 10 000 PKW jährlich emissionsfrei fahren. Nach dem vollständigen Ausbau der Anlage in drei Jahren werden es 20 000 Mittelklasse-PKW sein, die ein ganzes Jahr lang mit CO₂-neutralem Kraftstoff versorgt werden könnten.

Die Technologie ist konkurrenzfähig und hocheffizient: Vier Ballen Stroh reichen aus, um den Jahreskraftstoffbedarf für einen Mittelklasse-Wagen zu produzieren. Das Rohstoffangebot ist riesig: In Deutschland bleibt jährlich ausreichend Stroh ungenutzt, um Kraftstoff für mindestens 5,5 Millionen Fahrzeuge zu produzieren.

Die EU-Kommission unterstützt die Technologie seit 2014 im Rahmen des Förderprogramms NER300. Trotzdem hat die Politik diese einfache, kostengünstige und verfügbare Lösung nicht auf dem Schirm. Wir verschenken ein riesiges Klimaschutzpotenzial. Biomethan aus Stroh reduziert die Treibhausgasemissionen gegenüber fossilem Kraftstoff um etwa 90 Prozent. Damit fährt ein Erdgasfahrzeug klimaschonender als ein Elektroauto mit dem aktuellen europäischen Strommix!

Warum spielt dieser innovative Kraftstoff dann keine Rolle in der aktuellen Diskussion? Warum sind dann in Deutschland bei rund 50 Millionen Fahrzeugen nur 83 000 Erdgasfahrzeuge unterwegs, die man mit Biomethan aus Stroh betreiben könnte – obwohl Infrastruktur und Tankstellennetz im Gegensatz zur Elektromobilität schon gut ausgebaut sind?

Das sind die Fragen, die wir uns stellen müssen. Das sind die Punkte, die wir kurzfristig lösen müssen. Auf diese Diskussion freue ich mich.

Zur Person

Unser Gastautor ist Gründer und Vorstandsvorsitzender des Leipziger Bio-Kraftstoffherstellers Verbio. Das Unternehmen versteht sich als führender deutscher Technologieanbieter für grüne Mobilität und gewinnt unter anderem Methan aus Stroh.
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