Tarife Stahlkocher bekommen 3,6 Prozent mehr Geld

Düsseldorf. In der boomenden Stahlbranche ist mit dem höchsten Tarifabschluss des Jahres und einer Besserstellung von Leiharbeitern ein Arbeitskampf abgewendet. Die 85 000 Stahlkocher in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen erhalten vom 1. Oktober an 3,6 Prozent mehr Lohn und Gehalt.
30.09.2010, 14:40
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Düsseldorf. In der boomenden Stahlbranche ist mit dem höchsten Tarifabschluss des Jahres und einer Besserstellung von Leiharbeitern ein Arbeitskampf abgewendet. Die 85 000 Stahlkocher in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen erhalten vom 1. Oktober an 3,6 Prozent mehr Lohn und Gehalt.

Außerdem einigten sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber in der Nacht zum Donnerstag in Düsseldorf auf den Grundsatz «gleiche Arbeit - gleiches Geld» für Leiharbeiter.

Die IG Metall hatte 6 Prozent mehr Geld gefordert. Die Tarifkommission der Gewerkschaft will in der kommenden Woche über das Ergebnis abstimmen. Die Einigung sieht für September eine Einmalzahlung von 150 Euro vor. Die Auszubildenden bekommen monatlich 40 Euro mehr. Der Tarifvertrag soll bis zum 31. Oktober nächsten Jahres gelten.

Als Erfolg wertete die IG Metall vor allem die Vereinbarungen zur Bezahlung von Leiharbeitern. Nach dem Grundsatz «gleiche Arbeit - gleiches Geld» verpflichteten sich die Stahlarbeitgeber dazu, nur Leiharbeiter zu beschäftigen, die von ihren Verleihfirmen den gleichen Lohn erhalten wie die Stammbelegschaft des Stahlwerks. Nach Gewerkschaftsangaben gibt es in der nordwestdeutschen Stahlindustrie rund 3000 Leiharbeiter.

IG-Metall-Chef Berthold Huber sprach von einer wichtigen Etappe, um den Grundsatz gleicher Bezahlung durchzusetzen. Der nordrhein- westfälische IG-Metall-Bezirksleiter Oliver Burkhard sagte: «Ich glaube schon, dass wir die Debatte um die gerechte Bezahlung der Leiharbeiter neu angestoßen haben.» Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) lobte die Tarifparteien für die Leiharbeiter- Regelungen.

Die Arbeitgeber erklärten, man habe eingelenkt auch um eine Eskalation des Arbeitskampfes zu vermeiden. Noch unmittelbar vor der letztlich erfolgreichen dritten Verhandlungsrunde hatte die IG Metall mit weiteren Arbeitsniederlegungen gedroht. In der vergangenen Woche hatten sich 17 000 Beschäftigte an dreitägigen Warnstreiks beteiligt.

Der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes Stahl, Helmut Koch, sagte einer Mitteilung zufolge: «Das Volumen der Entgeltanhebung belastet unsere Mitgliedsunternehmen erheblich.» Wegen der Rahmenbedingungen der diesjährigen Tarifrunde sei jedoch keine moderatere Einigung möglich gewesen. Die Stahlindustrie verzeichnet nach dem Tiefpunkt der Wirtschaftskrise Mitte 2009 weltweit wieder eine starke Nachfrage. Vor diesem Hintergrund war die Tarifrunde 2009 mit Einkommenserhöhungen von 2 Prozent zu Ende gegangen.

Der Leiter des gewerkschaftsnahen WSI-Tarifarchivs, Reinhard Bispinck, sagte über die Einigung: «Wir haben den ersten Abschluss in einer Branche, der nicht mehr von der Wirtschaftskrise geprägt ist.» Mit der Lohnsteigerung von 3,6 Prozent und der Laufzeit des Tarifvertrags von 14 Monaten sei es der höchste Abschluss für eine große Branche im laufenden Jahr. (dpa)

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