In Zeiten der Pandemie Steinmeier ruft im Kampf gegen Corona zu mehr Homeoffice auf

Ein gemeinsamer Auftritt des Bundespräsidenten mit den Spitzen von Arbeitgebern und Gewerkschaften - das kommt nicht alle Tage vor. Die Corona-Pandemie führt dazu. Ihr Appell zu mehr Homeoffice lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig.
15.01.2021, 10:57
Lesedauer: 2 Min
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat angesichts der Corona-Bedrohung zusammen mit den Spitzen von Arbeitgebern und Gewerkschaften zu mehr Arbeit im Homeoffice aufgerufen.

„Ermöglichen Sie das Arbeiten von zuhause aus“, appellierte Steinmeier am Freitag in Berlin an Unternehmen, Personalverantwortliche und Führungskräfte. „Es ist nötiger denn je.“ An die Adresse der Beschäftigten sagte Steinmeier: „Wenn Sie die Möglichkeit haben und es bisher noch nicht tun, arbeiten Sie im Homeoffice. Gehen Sie nicht ins Büro, wenn Sie nicht zwingend müssen.“ Steinmeier betonte: „Wir müssen auch die Kontakte, wo irgend möglich, am Arbeitsplatz reduzieren. Weniger ist mehr, gerade in diesen Tagen.“

Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Rainer Dulger, sagte, Betriebe und Gewerkschaften seien bislang sehr verantwortungsvoll mit der schwierigen Corona-Situation umgegangen. Pandemiepläne, Hygienekonzepte und Arbeitsschutzregeln hätten dazu geführt, dass der Arbeitsplatz „ein vergleichsweise sicherer Ort“ sei. „Dennoch müssen wir jetzt die Kontakte weiter einschränken und die Mobilität verringern. Arbeiten im Homeoffice trägt dazu bei.“ Es sei zwar nicht für jeden Beruf und jede Tätigkeit geeignet. Und viele Unternehmen böten den Mitarbeitern schon Homeoffice an. „Es kann jedoch noch mehr getan werden.“

„Es kommt nun darauf an, dass alle Möglichkeiten zur Nutzung von Homeoffice genutzt werden, um das Infektionsgeschehen weiter einzugrenzen und zurückzudrängen“, sagte auch der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann. Viele Menschen gingen Tätigkeiten nach, die im Homeoffice nicht ausgeübt werden könnten. Das gelte etwa für die vielen Beschäftigten in der Produktion, in Versorgungsbetrieben, in der Pflege, in Krankenhäusern und im öffentlichen Nahverkehr. Diese seien einem besonderen Risiko ausgesetzt. „Solidarität heißt heute Abstand halten“, sagte Hoffmann.

Steinmeier betonte bei dem gemeinsamen Auftritt mit Dulger und Hoffmann im Schloss Bellevue, es erkrankten immer noch zu viele Menschen an Covid-19. „Die hohe Zahl der Menschen, die an dem Virus sterben, ist traurig und erschütternd.“ Die aufgetretenen Mutationen verschärften noch die Infektionsgefahr. „Das macht mir große Sorgen.“ Viele Menschen hätten ihre Kontakte schon „maximal reduziert“. Kinder seien im Fernunterricht, könnten Freunde nicht sehen, hätten kaum Freizeitmöglichkeiten. „Da sollte auch die Arbeitswelt in nichts nachstehen und alle Möglichkeiten nutzen.“

Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des „Spiegel“ spricht sich eine Mehrheit der Deutschen angesichts der Corona-Infektionslage sogar für eine Homeoffice-Pflicht aus. Demnach befürworteten 56 Prozent der mehr als 5000 Befragten ein grundsätzliches Verbot der Arbeit im Büro, sofern Homeoffice möglich ist. Knapp ein Drittel der Befragten war dagegen.

Die Bundesregierung machte am Freitag allerdings nochmals deutlich, dass an eine solche Pflicht nicht gedacht sei. Derzeit stehe „keine zwingende Regelung auf der Tagesordnung“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Er wies allerdings auch darauf hin, dass beim ersten Lockdown im Frühjahr der Homeoffice-Anteil höher gewesen sei als jetzt im zweiten.

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) betonte, mobiles Arbeiten müsse auf Basis der Freiwilligkeit erfolgen. Ein Homeoffice-Gebot „wäre ein schwerwiegender Eingriff in die betriebliche und unternehmerische Autonomie“, warnte BVMW-Bundesgeschäftsführer Markus Jerger. Er warf der Bundesregierung vor, seit Jahren nicht die nötige Infrastruktur fürs Homeoffice wie ein flächendeckendes Breitbandnetz zu schaffen. „Der Appell sollte sich daher in erster Linie an die Politik richten.“

© dpa-infocom, dpa:210115-99-34473/10 (dpa)

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