Stimme des Hauses

Welche Rolle spielte und spielt die Bundesbank für den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands?Jens Weidmann: Eine ganz zentrale. Stabile Preise sind Voraussetzung für eine funktionierende Volkswirtschaft und damit die Grundlage für unseren Wohlstand.
31.07.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Sabine Bickmeier

Welche Rolle spielte und spielt die Bundesbank für den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands?

Jens Weidmann: Eine ganz zentrale. Stabile Preise sind Voraussetzung für eine funktionierende Volkswirtschaft und damit die Grundlage für unseren Wohlstand. Stabile Preise dienen aber nicht nur der Wirtschaft, sondern sie nützen allen Bürgern, vor allem auch den sozial schwachen. Denn die können sich in der Regel nicht vor Inflation schützen. Insofern tragen stabile Preise auch zur Akzeptanz unseres marktwirtschaftlichen Systems bei. Das wird häufig übersehen. Auch heute sieht die Bundesbank ihre zentrale Aufgabe darin, sich für Geldwertstabilität einzusetzen. Aus der Alleinverantwortung für die D-Mark ist nun eine Mitverantwortung für den Euro geworden. Aber auch im Chor der europäischen Geldpolitik ist es wichtig, dass die stabilitätsorientierte Stimme der Bundesbank hörbar bleibt.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Errungenschaften der Deutschen Bundesbank in den vergangenen 60 Jahren?

Vor allem, dass sie den Beweis dafür geliefert hat, dass Preisstabilität und Wirtschaftswachstum keine Gegensätze sind. Wir waren sehr erfolgreich bei der Bekämpfung der Inflation. Die Inflation in Deutschland zählte stets zu den niedrigsten in den Industriestaaten. Diese Leistung hat letztlich die Ausrichtung vieler Zentralbanken geprägt. So wurde etwa die Europäische Zentralbank (EZB) nach dem Vorbild der Bundesbank gestaltet: Ein klarer stabilitätspolitischer Auftrag gemeinsam mit einer umfassenden Unabhängigkeit, um auch das durchsetzen zu können, was notwendig ist, um Preisstabilität zu gewährleisten.

Die EZB hat in der Tradition der Bundesbank begonnen. Wie fest steht die europäische Geldpolitik noch auf diesem Fundament?

Mit einer durchschnittlichen Inflationsrate von 1,7 Prozent seit Einführung des Euro schneidet die EZB in puncto Preisstabilität sogar besser ab als die Bundesbank zu D-Mark-Zeiten, auch wenn man solche Vergleiche eigentlich nur im Kontext der jeweiligen Zeit ziehen kann. Schließlich ist der Inflationsdruck derzeit weltweit recht niedrig. Aber klar ist: Auch wenn die EZB nach dem Vorbild der Bundesbank geschaffen wurde, so war die Geldpolitik der EZB doch nie einfach nur ein Abbild der Geldpolitik der Bundesbank − das kann sie auch gar nicht sein. Allein schon deshalb, weil die EZB eine Geldpolitik für den gesamten Euroraum machen muss. Während zu D-Mark-Zeiten die Mitglieder des Zentralbankrats den richtigen geldpolitischen Kurs für Deutschland suchten, suchen wir den richtigen Kurs für den Euroraum heute im EZB-Rat. In unsere Diskussionen fließen dabei ganz unterschiedliche geldpolitische Vorstellungen und Erfahrungen ein, was auf der einen Seite den Reiz unserer Diskussionen ausmacht und auf der anderen Seite bedeutet, dass man nicht erwarten kann, dass die EZB einfach die Bundesbank imitiert.

Die Fragen stellten Jörg Bender und Friederike Marx.

Zur Person

Jens Weidmann ist Präsident der Deutschen Bundesbank. Der gebürtige Solinger studierte Volkswirtschaftslehre an der Université de Droit und promovierte an der Universität Bonn.
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