Nutzungsrecht endet an der Wohnungstür Streaming-Dienste: Teilen von Zugängen nicht erwünscht

Einer zahlt und andere schauen mit: Auf diese Weise nutzen viele Menschen Streamingdienste. Erlaubt ist das aber nicht unbedingt.
13.02.2019, 18:16
Lesedauer: 4 Min
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Streaming-Dienste: Teilen von Zugängen nicht erwünscht
Von Aljoscha-Marcello Dohme

Anstatt sich einen eigenen Zugang für Streaming-Dienste zuzulegen, teilen sich viele Nutzer den Account mit ihren Freunden und sparen auf diese Weise einige Euro im Monat. Mittlerweile hat sich diese Praxis etabliert. „Das ist allerdings nach den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Anbieter definitiv nicht erlaubt“, sagt André Kramer, Redakteur des Computermagazins „CT“.

Viele Streaming-Dienste bieten zwar sogenannte Familien-Accounts an und ermöglichen damit eine gemeinsame Nutzung des Zugangs, „dennoch hört das Nutzungsrecht aber an der Wohnungstür auf“, sagt der Journalist. Dabei sei es egal, ob eine Familie oder eine Wohngemeinschaft sich die Kosten für den Streaming-Dienst teilen.

„Es ist allerdings nicht so gedacht, den Zugang mit seinem Nachbarn zu teilen, selbst wenn die Adresse identisch ist“, sagt Kramer. Auch wenn die Anbieter meistens von Familienangeboten sprechen, würde es jedoch nicht funktionieren, den Zugang mit Familienmitgliedern zu teilen, die an einem anderen Ort wohnen.

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Das besagen auch die AGB von Netflix. „Der Netflix-Dienst und sämtliche Inhalte, die über den Dienst angesehen werden, sind ausschließlich für Ihre persönliche und nicht kommerzielle Nutzung bestimmt und dürfen nicht mit Personen, die nicht im gleichen Haushalt leben, geteilt werden.“ Wer seinen Netflix-Account mit mehreren Personen gleichzeitig nutzen will, muss monatlich allerdings einen höheren Betrag zahlen. Die Nutzung auf zwei Geräten kostet elf Euro und vier Zugänge sind für 14 Euro zu haben.

Auch bei Spotify ist die Weitergabe von Zugangsdaten eindeutig geregelt. „Folgendes ist unter keinen Umständen gestattet: Weitergabe Ihres Passworts an eine andere Person oder Nutzung des Benutzernamens und Passworts einer anderen Person“, heißt es in den AGB. Anders sieht es jedoch aus, wenn Nutzer das Angebot Premium Family nutzen. Für 15 Euro im Monat können der Inhaber des Zugangs sowie fünf weitere Personen den Dienst nutzen. Allerdings schreiben die AGB genau vor, wer mithören darf. „Alle Kontoinhaber müssen dieselbe Adresse haben", um das Family-Angebot nutzen zu können.

Weitergabe lässt sich nicht überprüfen

Anders sieht es bei Maxdome aus. Der Streamingdienst bietet lediglich ein Paket zum Preis von acht Euro im Monat an. Diesen Zugang dürfen allerdings auch Familienmitglieder nutzen, die im selben Haushalt leben, wie der Inhaber des Kundenkontos. An Freunde oder Arbeitskollegen dürfen Benutzername und Passwort nicht weitergegeben werden. Die Geschäftsbedingungen des Unternehmens besagen: „Kennwörter/Passwörter dürfen nicht an Dritte weitergegeben werden und sind vor dem Zugriff durch Dritte geschützt aufzubewahren.“

„Verhindern können wir es allerdings nicht, dass auch außerhalb der Familie geschaut wird“, sagt Maxdome-Sprecherin Vanessa Frodl. Die Weitergabe lasse sich nicht überprüfen. Die dafür benötigten Daten würde das Unternehmen von seinen Nutzern nicht bekommen. „Wir schränken die Nutzung jedoch insofern ein, als nur fünf Geräte gleichzeitig angemeldet sein können. Wenn ich mir eine Familie so anschaue, bleibt da kaum Platz für eine Fremdnutzung“, sagt Frodl.

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André Kramer sieht für die Anbieter allerdings schon eine technische Möglichkeit, um das Teilen von Streaming-Zugängen aufzuspüren. Sobald man sich bei dem Dienst anmelde, würde die IP-Adresse übertragen werden. Die gäbe Aufschluss über den Standort des Anmelders. „Wenn ich mich um 17 Uhr in Hannover anmelde und um 17.30 Uhr in Berlin, dann ist es ziemlich klar, dass das nicht die gleiche Person ist. Vor allem, wenn das regelmäßig passiert.“

Deutlich strengere Richtlinien als Maxdome verfolgt Amazon Prime Video. Der Dienst bietet seinen Nutzern unter anderem auch besondere Konditionen im Versandhandel. Davon profitieren auch Familienmitglieder, vom Streaming jedoch nicht. „Bitte beachten Sie, dass andere Vorteile, wie die Kindle-Leihbücherei, Prime Musik und Prime Video, nicht von anderen Haushaltsmitgliedern genutzt werden können“, heißt es in den AGB des Internetriesen.

Kunden nicht verärgern

Weil der Zugang zum Streamingdienst gleichzeitig zum Einkaufen bei Amazon genutzt werden kann, rät der Experte davon ab, den Zugang für den Streamingdienst des Versandhändlers mit anderen zu teilen. „Das ist eine ganz andere Geschichte als etwa bei Netflix. Wenn das Passwort erst einmal geteilt wurde, können andere Personen es auch wieder teilen und nicht nur schauen, sondern auch einkaufen“, sagt Kramer.

Ähnlich wie Amazon Prime Video verfährt auch der Sport-Streaming-Dienst DAZN. „Du bist verpflichtet, Dein Passwort geheimzuhalten und niemals Passwörter oder andere Zugangsdaten anderen mitzuteilen oder sonst wie zugänglich zu machen.“ Der Dienst funktioniert zwar auf zwei Geräten gleichzeitig, aber damit soll nicht das Teilen des Zugangs ermöglicht werden. „Wir reagieren damit auf das veränderte Mediennutzungsverhalten der Menschen. Vielfach werden mehrere Sportarten gleichzeitig geschaut, etwa Fußball auf dem Fernseher und Basketball auf dem Tablet“, sagt ein Unternehmenssprecher. Wer dennoch die Zugangsdaten an Familie oder Freunde weitergibt, müsse damit rechnen, dass der Account gesperrt werde.

Dass Streaming-Dienste ihren Nutzern den Zugang zu ihren Angeboten verwehren, habe André Kramer bisher nicht gehört. „Das sind börsennotierte Unternehmen und die wollen ihre Kundschaft nicht vergrätzen“, sagt der Experte. „Die Anbieter haben sich da ins eigene Fleisch geschnitten, indem sie in der Vergangenheit sehr lax mit geteilten Accounts umgegangen sind. Nun haben sie eine sehr große Nutzerbasis, die das tut“, sagt Kramer.

Aus seiner Erfahrung geht Kramer allerdings davon aus, dass die Streaming-Anbieter nicht dauerhaft so kulant sein werden. „An dem Punkt, wo etwa Netflix nicht mehr wächst, sondern sogar schrumpft, schauen sie, auf welchem Wege sie weitere Kunden bekommen können. Und dann werden womöglich solche Kunden abgemahnt und ihnen ein Upgrade angeboten, sodass jeder sein eigenes Konto bekommt.“

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