Verbände Streit um Leiharbeit bei Metall

Heidelberg/Frankfurt. Die deutsche Metall- und Elektroindustrie rechnet in diesem Jahr mit einer steigenden Zahl von Leiharbeitsplätzen in ihrer Branche.
02.05.2010, 14:42
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Heidelberg/Frankfurt. Die deutsche Metall- und Elektroindustrie rechnet in diesem Jahr mit einer steigenden Zahl von Leiharbeitsplätzen in ihrer Branche.

«Die Zeitarbeit ist eines der wichtigsten Flexibilisierungsinstrumente unserer Industrie, insbesondere wenn die wirtschaftliche Entwicklung nicht absehbar ist», sagte Südwestmetall-Chef Rainer Dulger der Nachrichtenagentur dpa. Zwar sei ein Aufschwung in der Metallbranche zu verzeichnen, doch sei völlig unklar, wie lang er anhalte und wie intensiv er verlaufe. «Festanstellung ist derzeit zu riskant. Die Zeitarbeit ist deshalb die Brücke zu einem stabilen Aufschwung», sagte der Unternehmer aus Heidelberg.

Für die Stammbelegschaften sieht Dulger keinen weiteren Abbau voraus, sofern der Aufschwung anhält. Für einfache Arbeiten wie Verpackung werden nach Dulgers Prognose ungelernte Arbeitnehmer über Zeitarbeit eingestellt werden. Aber auch für hochqualifizierte Tätigkeiten im Rahmen von Projekten seien Zeitarbeiter häufig die Arbeitnehmer der Wahl.

Die IG Metall kritisierte die Äußerungen Dulgers scharf. «Wer in dieser Form auf Leiharbeit setzt, riskiert die Zukunftsfähigkeit der Branche. Der setzt auf Billig-Jobs, schlechte Arbeitsbedingungen und die Spaltung der Belegschaften», erklärte der Zweite Vorsitzende der Gewerkschaft, Detlef Wetzel, am Sonntag in Frankfurt. Die Branche brauche qualifizierte und innovative Belegschaften, damit sie erfolgreich aus der Krise kommen und wettbewerbsfähig bleiben könne.

Dulgers Aussagen bestätigten die Befürchtung, dass Leiharbeit ausgeweitet werden solle. «Diese Strategie richtet sich gegen die Mehrheit der Menschen. Die Ausweitung von Leiharbeit und Billig- Jobs wird von 83 Prozent der wahlberechtigten Bürger als großes Problem wahrgenommen. Fast vier von fünf Bürgern sieht in der Leiharbeit eine moderne Form der Ausbeutung», zitierte Wetzel aus einer repräsentativer Erhebung von TNS Infratest im Auftrag der IG Metall. Die ausführlichen Ergebnisse der Studie will die Gewerkschaft am Dienstag anlässlich des Starts der Initiative «Gleiche Arbeit - gleiches Geld» in Berlin vorstellen.

Für junge Hochschulabsolventen sei es durchaus sinnvoll, über Zeitarbeit bei mehreren Firmen Erfahrungen zu sammeln, meinte hingegen Dulger. «Zeitarbeit bietet auch Orientierungsmöglichkeiten und kann vom Arbeitgeber durchaus als Plus im Lebenslauf gewertet werden.» Der Südwestmetall-Chef betonte: «Zeitarbeiter sind keine Arbeitnehmer zweiter Klasse.» Es handele sich um sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse, die bei stabiler Konjunktur auch zur Festanstellung führen könnten. (dpa)

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