Soziale Infrastruktur in Uni-Städten hinkt steigender Zahl von Studierenden hinterher

Studentenwerk fordert 2,25 Milliarden Euro

Berlin. Mit einem „Hochschulsozialpakt“ sollen Bund und Länder nach dem Willen des Deutschen Studentenwerks (DSW) das Leben in Uni-Städten preisgünstiger und attraktiver machen. Analog zu den bisherigen Hochschulpakten sollte eine Fördersumme von mindestens 2,25 Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren „zuvorderst für den Bau und Sanierung von Wohnheimen sowie Mensen und Cafeterien für Studierende“ ausgegeben werden.
03.12.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Werner Herpell

Mit einem „Hochschulsozialpakt“ sollen Bund und Länder nach dem Willen des Deutschen Studentenwerks (DSW) das Leben in Uni-Städten preisgünstiger und attraktiver machen. Analog zu den bisherigen Hochschulpakten sollte eine Fördersumme von mindestens 2,25 Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren „zuvorderst für den Bau und Sanierung von Wohnheimen sowie Mensen und Cafeterien für Studierende“ ausgegeben werden.

Dies gelte umso mehr angesichts der Internationalisierung der deutschen Wissenschaft, sagte DSW-Präsident Dieter Timmermann am Mittwoch in Berlin. „Wer massiv ausländische Studierende anwirbt, muss auch die soziale Infrastruktur dafür schaffen.“ Er appellierte an Bund und Länder: „Beheben Sie das strukturelle Defizit Ihrer Förderpolitik des Hochschulsystems, wonach die soziale Infrastruktur in den Hochschulpakten bisher völlig ausgeklammert wurde.“

Obwohl der Bund seit einem Jahr mit der Aufhebung des Kooperationsverbotes im Hochschulbereich die rechtliche Kompetenz habe, sei nicht erkennbar, wie er in die Grundfinanzierung von Universitäten und Studentenwerken einsteigen wolle. Timmermann betonte: „2008 hatten wir unter zwei Millionen Studierende, jetzt haben wir knapp 2,8 Millionen. Das heißt: In nur sieben Jahren sind 850 000 Studierende hinzugekommen. Sie wollen studieren, aber auch wohnen, essen, sich beraten lassen und ihre Kinder unterbringen.“

Immerhin sei der Bund „endlich wieder in die Wohnraumförderung für Studierende eingestiegen“, sagte der DSW-Präsident. Das kürzlich vorgestellte 120-Millionen-Euro-Programm des Bauministeriums soll sogenannte Vario-Wohnungen für Auszubildende und Studierende fördern, die langfristig zu Alterswohnungen werden könnten. Timmermann lobte: „Die Bundesregierung ist aktiv geworden, um zusätzlichen, staatlich geförderten Wohnraum für Studierende zu schaffen. Das würdigen wir durchaus.“ Das Programm könne aber nur ein Anfang sein.

An die erste Stelle ihres Forderungskataloges setzten die im DSW zusammengeschlossenen 58 Studentenwerke ein Bund-Länder-Programm für rund 25 000 zusätzliche Wohnheimplätze. Dies würde 1,6 Milliarden Euro kosten; der benötigte staatliche Investitionszuschuss betrage etwa 800 Millionen Euro. Für die Sanierung bestehender Wohnheime seien weitere 650 Millionen Euro staatliche Förderung nötig, hieß es. Für Ausbau und Sanierung der Mensa-Kapazitäten veranschlagt das DSW rund 800 Millionen Euro. Hinzu kämen zusätzliche Kita-Plätze und mehr Geld für studienbegleitende Beratung.

Das DSW bekräftigte außerdem seine Forderung, die nun allein für das Bafög zuständige Bundesregierung müsse diese Förderung regelmäßig erhöhen und an die Entwicklung von Preisen und Einkommen anpassen. Ferner erwarte man einen besseren Netzausbau im Hochschulsystem.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+