Bremen Tanker machen in der Bremer Flotte derzeit die besseren Geschäfte

Bremen. „Ein ausgewogener Flottenmix, fundierte Expertise und solide Kaufmannschaft schützen die Bremer Reederschaft bislang vor größeren Verlusten“, ist Michael Vinnen, Vorsitzer des Bremer Rhedervereins, überzeugt. Die Flotte konnte weitgehend stabil gehalten werden.
30.05.2014, 00:00
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Tanker machen in der Bremer Flotte derzeit die besseren Geschäfte
Von Peter Hanuschke

„Ein ausgewogener Flottenmix, fundierte Expertise und solide Kaufmannschaft schützen die Bremer Reederschaft bislang vor größeren Verlusten“, ist Michael Vinnen, Vorsitzer des Bremer Rhedervereins, überzeugt. Die Flotte konnte weitgehend stabil gehalten werden. In Bremen und im Unterwesergebiet werden rund 320 Schiffe bereedert, führte Vinnen im Jahresbericht anlässlich der Mitgliederversammlung des Rhedervereins aus, bei der er als Vorsitzer bestätigt wurde.

Ebenfalls erneut in den Vorstand gewählt wurde Peter Grönwoldt. Neben Grönwoldt und Vinnen gehören dem Vorstand Hylke Boerstra (stellvertretender Vorsitzer), Dirk Rogge und Joachim Zeppenfeld an. Der Mix der Bremer Handelsflotte und die vorausschauende Geschäftspolitik der durchgehend mittelständischen Reederschaft hätten zwar bislang geholfen, die Krise zu überstehen, aber die erzielbaren Raten seien selbstverständlich auch für die Bremer Reeder in vielen Fällen völlig unzureichend, so Vinnen.

Zur Struktur der Bremer Flotte heißt es im Jahresbericht: Containerschiffe machen lediglich ein gutes Viertel der Flotte aus. Nur wenige der Einheiten haben eine Kapazität von über 5000 Standardcontainer (TEU). Und gerade bei den größeren Einheiten bis 5000 TEU und darüber konnten die Frachtraten nur unzureichend gesteigert werden. 65 Prozent der Bremer Schiffe haben dagegen eine Kapazität von weniger als 3000 TEU und bei diesen kleineren Einheiten konnte eine Steigerung der Charterraten von rund 15 Prozent in 2013 erzielt werden. Das klingt zwar üppig, aber der Rhederverein bewertet diese positive Entwicklung nur als einen ersten Schritt – denn schließlich betrage das damit erreichte Ratenniveau lediglich zirka 50 Prozent des Zehnjahresdurchschnitts.

Nicht ganz so dramatisch schätzt der Rhederverein die Lage auf den Bulker-Märkten ein. Diese Märkte seien immer größeren Schwankungen unterworfen. Es konnten aber vielfach auskömmliche Raten durchgesetzt werden. Vergleichsweise komfortabel bewegen sich die Produktentanker, die zwar nur leicht im Ratenniveau zulegen, aber immerhin zirka 75 Prozent des Zehnjahresdurchschnitts erzielen konnten. Und der Anteil von Tankern an der Bremer Flotte liegt bei 25 Prozent. Multipurpose- und Bulkcarrier machen ein gutes Fünftel der Flotte aus. Ein knappes Viertel ist Spezialtonnage inklusive die Schwergutfahrt, Forschungsschifffahrt und die Schleppschifffahrt.

„Die Nachfrage nach Seetransport und Schiffsraum wird wieder weiter steigen“, sagte zur allgemeinen Entwicklung in der Schifffahrt. „Die Nachfrage ist aber auch nicht das Problem, sondern der Zulauf an neuen Schiffen bringt die Märkte viel mehr ins Ungleichgewicht.“ Überkapazitäten seien nach wie vor ausschlaggebend für die Marktungleichgewichte, heißt es deshalb auch im Jahresbericht. Jedoch würden die neuen Schiffe nicht bestellt, um eine erwartete stark steigende Nachfrage zu befriedigen, sondern um betriebswirtschaftliche Vorteile zu erzielen: Große Containerlinienreedereien setzen zunehmend Großcontainerschiffe ein. Bis Ende vergangenen Jahres waren 70 Großcontainerschiffe zwischen 13 400 und 20 000 TEU in Fahrt. Bis Ende 2016 werden noch weitere rund 90 Schiffe dazukommen.

Die sogenannten Economies of Scales, die Skaleneffekte sorgen bei diesen Schiffsgrößen für deutlich geringere Kosten pro transportierten Container. Hinzu kommt, dass bei diesen neuen Schiffen moderne brennstoffsparende Technologien eingesetzt werden. Außerdem werden die neuen Schiffe mit ihren Antriebsmaschinen für die langsamere Reisegeschwindigkeit, für das „Slow Steaming“ optimiert und schon daher wesentlich verbrauchsärmer.

Die durch die neue Großcontainertonnage erzeugte Überkapazität habe zur Folge, so der Rhederverein, dass selbst vergleichsweise junge, gut bereederte Schiffe weiterhin Schwierigkeiten haben, eine angemessene Beschäftigung zu finden. Sie sind angesichts ihrer geringeren Größe und der höheren Verbräuche weniger wettbewerbsfähig als die neuen Schiffe.

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