Frage nach künftiger schottischer Währung noch unbeantwortet Tauziehen ums Pfund

London. Der Streit ums Geld dominiert die Debatte um eine mögliche Unabhängigkeit Schottlands. In wenigen Tagen dürfen rund 4,2 Millionen Menschen über die Abspaltung von Großbritannien abstimmen.
10.09.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von KATRIN PRIBYl

Der Streit ums Geld dominiert die Debatte um eine mögliche Unabhängigkeit Schottlands. In wenigen Tagen dürfen rund 4,2 Millionen Menschen über die Abspaltung von Großbritannien abstimmen. Dabei ist bis heute die Frage nicht geklärt, mit welcher Währung in einem souveränen Schottland bezahlt würde. Pfund? Euro? Oder gar eine eigene Währung?

Alex Salmond, der Erste Minister Schottlands und Vorsitzender der Scottish National Party (SNP), will sowohl einen eigenständigen Staat als auch das gemeinsame Geld behalten. „Das Pfund ist unsere Währung.“ Das sehen die Vertreter der großen Parteien in Westminster anders. Die Tories, die Labour-Partei und die Liberaldemokraten sind sich einig, dass eine Währungsunion nicht infrage kommt. Wer das Vereinigte Königreich verlasse, der verlasse eben auch seine Währung, so der britische Finanzminister George Osborne. London hat Sorge vor einer fiskalischen Union mit einem autonomen Staat, auf dessen Finanz- und Steuerpolitik Westminster keinen Einfluss haben würde.

Die Unsicherheit über die Zukunft belastet das Pfund Sterling erstmals. Bislang ging der Großteil der Kapitalmarktakteure von einer Niederlage der Ja-Sager aus. Nachdem am Wochenende eine Umfrage jedoch erstmals die Unabhängigkeitsbefürworter in Führung gesehen hat, fiel der Kurs auf ein Jahrestief. Bei einer Abspaltung könnte das Pfund weiter schwächeln. Was passiert mit den Vermögenswerten? Welche Auswirkungen hat eine Autonomie auf die Steuereinnahmen? Wie werden die Staatsschulden im Fall einer Eigenständigkeit aufgeteilt? Der Finanzsektor hadert mit den Unsicherheiten. Experten von Goldman Sachs sagten im Falle einer Abspaltung Schottlands eine Währungskrise voraus, die der des Euro ähneln würde.

Die schottische Regierung spricht davon, das Pfund unilateral beizubehalten, es also weiterhin zu benutzen, aber ohne formelle Währungsunion. Vorbilder finden sich in Ecuador, Panama oder Montenegro, wo mit dem Euro bezahlt wird, ohne dass das Land der Eurozone angehört. Dies ist jedoch umstritten. Es gilt als Wagnis, die politische Bindung aufzugeben, an der fiskalischen jedoch festzuhalten. Zudem ist Edinburgh der zweitgrößte Finanzplatz des Königreichs. Was würde passieren, wenn zwei der größten britischen Geschäftsbanken, die Royal Bank of Scotland und die Bank of Scotland, in eine Schieflage gerieten?

Die Angst, mit der Unabhängigkeit den Schutz der Bank of England zu verlieren, ist groß. Auch London wäre betroffen, die beiden Finanzinstitute sind systemrelevant. Räumen zu viele Kunden ihre Konten, würde der gesamte Bankensektor in Bedrängnis geraten. „Ein unabhängiges Schottland steht einer einfachen Wahl gegenüber – das Pfund zu nutzen wie Panama den Dollar oder der Europäischen Union beizutreten“, sagte der Chefsekretär des Schatzamtes, Danny Alexander.

Das allerdings ist alles andere als sicher.

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