Labco baut in Loxstedt Batterieprüfzentrum

Testen bis zum Kurzschluss

Südlich von Bremerhaven entsteht ein Testzentrum für Batterien. Das Unternehmen Labco prüft schon jetzt Kabelverbindungen und Stecker nicht nur für die Automobilindustrie und hat Kunden in der ganzen Welt.
09.09.2021, 18:25
Lesedauer: 4 Min
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Testen bis zum Kurzschluss
Von Florian Schwiegershausen
Testen bis zum Kurzschluss

Testen, ob der Kunststoff um das Kabel herum porös ist: Labco-Prokurist Marios Constantinou checkt, ob die Ummantelung noch intakt ist. Nach einem Temperaturtest im Ofen kommen die Teile hier in eine Salzwasserlösung. Anschließend werden durch die Kabel für eine Minute bis zu 10.000 Volt gejagt. Kommt es im Wasser zum Kurzschluss, sind die Teile bei der Prüfung durchgefallen.

Florian Schwiegershausen

In dieser Firma kommt es vor, dass die Mitarbeiter alles kaputt machen. Aber der Geschäftsführer Costakis Constantinou und sein Sohn Marios als Prokurist wollen das auch so. Denn das gehört zum Berufsalltag im Unternehmen Labco, Produkte bis zur Grenze zu prüfen. Die Firma hat sich auf die Tests von Kabeln und Steckern spezialisiert – sowohl für Automobile oder für Haushaltsgeräte, aber auch für Luft- und Schifffahrt. Im Automotive-Bereich geht es vor allem darum, wie lange die Kabel Hitze, Licht und Feuchtigkeit aushalten können. Die notwendigen Gerätschaften mit der entsprechenden Größe sind dafür vorhanden. Wenn dann aus dem eher unscheinbaren Gebäude im Gewerbegebiet Loxpark an der A27 südlich von Bremerhaven das Okay und dazu das notwendige Zertifikat kommt, weiß man dass der Autohersteller die Teile verbauen darf.

Doch nun sollen die Gerätschaften noch größer werden. Denn am Donnerstag gab es den symbolischen Spatenstich für das neue Gebäude. In Kürze sollen die ersten Tiefbauer anrücken. Dort soll ein Prüfzentrum für Batterien entstehen. „Die können bis zu zwei Meter mal zwei Meter groß sein“, erläutert Marios Constantinou. Der 34-jährige Ingenieur, spezialisiert auf Kunststofftechnik, ist seit vergangenem Jahr als Prokurist im Unternehmen tätig. Er sagt: „Die Kunden haben uns immer wieder danach gefragt. Der Bedarf ist vorhanden, also haben wir uns zu der Erweiterung entschlossen.“

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Spatenstich für das künftige Batterieprüfzentrum von Labco in Loxstedt-Stotel nahe der A27. Von links: Marco Witthohn, stellvertretender Leiter der Agenturleiter für Wirtschaftsförderung für den Landkreis Cuxhaven, Labco-Geschäftsführer Costakis Constantinou, sein Sohn, der Labco-Prokurist Marios Constantinou und Holger Rasch, Erster Gemeinderat der Gemeinde Loxstedt.

Foto: Florian Schwiegershausen

In Deutschland gibt es momentan 13 Prüflabore für Batterien, damit es nicht zum Kurzschluss kommt – ein vierzehntes kommt demnächst hinzu. Allerdings sind laut Constaninou die bestehenden Batterieprüflabore bis 2023 vollständig ausgelastet. Labco gehört außerdem zu den wenigen Testzentren, die dafür auch akkreditiert sein werden. Für das neue Gebäude neben dem bestehenden investiert Labco mehr als elf Millionen Euro. Drei Millionen Euro kommen in Form von Fördermitteln von der niedersächsischen NBank für die Erweiterung. Dafür ist Marios Constantinou sehr dankbar: "Die maximale Förderung wird erreicht, wenn wir eine bestimmte Anzahl an neuen Mitarbeitern dauerhaft einstellen. Wir sind sehr zuversichtlich, denn wir glauben an die E-Mobilität."

Die Kunden von Labco sitzen in der ganzen Welt, zunehmend auch in Südamerika. Dazu sagt der Seniorchef: „Wir haben noch nie Werbung geschaltet. Neue Kunden haben wir immer über Mund-zu-Mund-Propaganda hinzubekommen.“ Lediglich in China arbeitet Labco mit dem Verband der Elektrotechnik und Informationstechnik (VDE) zusammen. Bevor ein Produkt im Fahrzeug eingesetzt werden darf, ist eine Freigabeprüfung durch Labco erforderlich. Dabei handelt es sich um neu entwickelte als auch modifizierte Produkte. Da kann zum Beispiel ein neuer Kunststoff zum Einsatz kommen.

Es gibt eigentlich fast nichts, was Labco nicht testen kann. In einem Raum befinden sich beispielsweise mehr als 160 Öfen. Dort wird die Temperaturbeständigkeit getestet. "Für 3000 Stunden kommen zum Beispiel Kabel hier hinein", erläutert Marios Constantinou. " Danach stehe der Korrosionstest an: Die Teile kommen zur Hydrolyse-Prüfung ins Salzwasser, um zu checken, ob die Kunststoffe porös werden und Haarrisse haben. "Wir leiten hier dann für eine Minute maximal 10.000 Volt durch. Wenn es zum Kurzschluss kommt, haben die Teile den Test nicht bestanden."

Mit ihren Geräten und Maschinen können die Mitarbeiter bei Labco ebenso Dauerregen simulieren oder eben auch Erschütterungen. Für letzteres gibt es zwei elektrodynamische Schwingprüfanlagen, die auch Shaker genannt werden. Und in den Klima- und Temperaturschockkammern sind Tests  mit Temperaturen von 200 Grad bis zu minus 80 Grad möglich - und das bei einer Luftfeuchtigkeit von fünf bis zu 98 Prozent. Wenn das Unternehmen den positiven Bericht an den Hersteller schickt, bedeutet das die Freigabe für das Produkt, und die Fertigung kann beginnen. So ein Produkttest könne durchaus sechs Monate dauern.

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Das Firmengebäude von Labco im Loxpark von Loxstedt-Stotel nahe der A27. Hier arbeiten 43 Beschäftigte. Mit dem neuen Batterieprüfzentrum sollen mindestens 20 Mitarbeiter hinzukommen.

Foto: Florian Schwiegershausen

Zwei neue, große Shaker mit einer Arbeitshöhe von 2,5 Metern sind für das neue Batterietestzentrum bestellt. Die Batterien für die künftigen Elektroautos werden darauf geprüft, wieviel Vibration die aushalten. Marios Constaninou und sein Vater Costakis sehen den Bedarf auch bei Batterien für Flugzeuge und Fahrräder sowie bei Smartphones, Haushaltsgeräten und Energiespeichern in der Gebäudetechnik.

Am Standort Loxstedt fühlen sich die Constaninous wohl. "Auch wenn es den Kunden egal ist, wohin sie ihre Teile zum Prüfen schicken müssen, ist für uns die Hafennähe nach Bremerhaven durchaus von Vorteil. Und durch die Nähe zu den Hochschulen in der Region haben wir bisher keine Probleme gehabt, neue Mitarbeiter zu finden", sagt der Prokurist. Und das Testen hört auch bei ihm nach der Arbeit nicht auf: "Wenn bei mir die Kaffeemaschine kaputt ist, schraube ich die auf und gucke, woran es liegen kann."

Info

Vom Großkonzern zum Familienunternehmen

Die Ursprünge von Labco liegen bei den Bergmann Kabelwerken in Brake im Jahr 1978. Die wurden 1990 von Siemens übernommen. 2000 ging das Labor weiter an die Leoni AG. Als Leoni das Labor 2003 schließen wollte, übernahm es der damalige Laborleiter Costakis Constantinou. Er ging für sein Ingenieursstudium von seiner Heimat Zypern an die TU Dortmund und blieb in Deutschland.

Sein eigenes Labor startete er mit fünf Mitarbeitern. Als 2014 der Platz in Brake nicht mehr reichte, wechselte er auf die andere Weserseite nach Loxstedt-Stotel südlich von Bremerhaven. 2018 erweiterte er das Firmengebäude. Mit dem Batterietestzentrum 2022 ist die nächste Erweiterung in der Planung. In einigen Jahren will sich Costakis Constantinou, der Mitglied in mehreren Normungsausschüssen ist, langsam aus dem Unternehmen zurückziehen. Dann soll sein Sohn Marios ganz übernehmen. 2019 lag der Umsatz von Labco bei fünf Millionen Euro. Im Gründungsjahr 2003 waren es 500.000 Euro. Die Hälfte des Umsatzes macht Labco mit Kunden außerhalb Deutschlands.

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