Eine neue Gewerkschaft macht Verdi bei der Lufthansa Konkurrenz Testfall für die Tarifeinheit

Frankfurt/Main. Noch eine Gewerkschaft bei der Lufthansa? Was sich nach 13 Pilotenstreiks anhört wie ein schlechter Witz, ist in den vergangenen Tagen Realität geworden. Nach einigem Hin und Her hat das Registergericht die Gründung der Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL) bestätigt, wie der Chef der Kabinengewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies, am Freitag bestätigte.
26.09.2015, 00:00
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Von Christian Ebner

Noch eine Gewerkschaft bei der Lufthansa? Was sich nach 13 Pilotenstreiks anhört wie ein schlechter Witz, ist in den vergangenen Tagen Realität geworden. Nach einigem Hin und Her hat das Registergericht die Gründung der Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL) bestätigt, wie der Chef der Kabinengewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies, am Freitag bestätigte. Sie will das Unternehmen umgehend zu Tarifverhandlungen für das Bodenpersonal auffordern – ein Tarifbereich, der bislang exklusiv von der DGB-Gewerkschaft Verdi beackert wird.

Die will das auch weiterhin tun, in der kommenden Woche steht die fünfte Runde in den Verhandlungen mit der Lufthansa für rund 33 000 Bodenbeschäftigte an. Mit der IGL-Gründung hat die Ufo die bislang gewohnte Sparten-Aufteilung – Verdi für das Bodenpersonal, Ufo für die Flugbegleiter und die Vereinigung Cockpit (VC) für die Piloten – aufgekündigt. Offiziell bietet Baublies jedem denkbaren Partner die Mitgliedschaft in der Dachgewerkschaft IGL an, nur Verdi nicht, die früher die Flugbegleiter vertreten hat und nun bei der Lufthansa endgültig in die zweite Reihe gedrängt werden soll.

Entsprechend giftig reagiert Christine Behle, Verdi-Vorstandsmitglied und stellvertretende Vorsitzende des Lufthansa-Aufsichtsrats. Die IGL sei ein „nicht tariffähiges Konstrukt“, in dem Organisationen versammelt seien, die nicht als Gewerkschaften im engeren Sinne bewertet werden können. Dazu gehöre nämlich grundlegend die Fähigkeit, Tarifverträge abzuschließen.

Tatsächlich hat Baublies für sein Projekt bislang nur die kleineren Organisationen Arbeitnehmergewerkschaft im Luftverkehr (Agil) und Technikgewerkschaft Luftfahrt (TGL) gewinnen können, die bislang zwar einige Betriebsräte stellen, aber keine eigenen Tarifabkommen vorweisen können. Mit der durchaus tariffähigen Gewerkschaft der Flugsicherung (GDF) wie auch mit der VC ist der UFO-Chef bislang über Gespräche nicht hinausgekommen.

Klar ist aber auch, dass Lufthansa zum Testfall für die gerade erst beschlossene neue Tarifeinheit würde, wenn das Unternehmen tatsächlich mit der IGL zum Bodenpersonal verhandeln sollte. Dann müsste nämlich notariell gezählt werden, welche Gewerkschaft die meisten Mitglieder hat. Nur diese dürfte anschließend verhandeln, die unterlegene Organisation könnte die Ergebnisse nur noch „nachzeichnen“, sprich abnicken.

Sowohl Verdi wie die IGL behaupten, die jeweils stärkeren Truppen hinter sich zu haben, wobei es durchaus auch darauf ankommt, wo und wie genau gezählt würde. Das Tarifeinheitsgesetz hebt auf den Begriff des Betriebes ab, von denen die Lufthansa Dutzende hat. Feinster Juristenstreit scheint in diesen Details programmiert zu sein.

Der Dax-Konzern hält sich einstweilen vornehm zurück und will sich offiziell nicht in das Gerangel der Arbeitnehmer einmischen. „Wir haben bislang keine Aufforderung zu Tarifverhandlungen von der IGL erhalten“, sagte ein Sprecher am Freitag. Die Piloten blicken äußerst skeptisch auf die Aktivitäten des Kabinenpersonals. „Unausgegoren“ und „nicht notwendig“ lauteten in der Vergangenheit die Kommentare zum IGL-Konzept.

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