Keine betriebsbedingten Kündigungen geplant Thyssenkrupp streicht im Stahlgeschäft 3000 Stellen

Bei Thyssenkrupp steht der Rahmen für die Sanierung des Stahlbereichs. Insgesamt 3000 Stellen werden in den nächsten sechs Jahren gestrichen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben.
25.03.2020, 05:57
Lesedauer: 3 Min
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Thyssenkrupp streicht im Stahlgeschäft 3000 Stellen
Von Stefan Lakeband

Bei Thyssen-Krupp sind die Weichen für den Abbau von mehr als jedem zehnten Arbeitsplatz im Stahlbereich gestellt. Der größte deutsche Stahlkocher hat sich mit den Arbeitnehmervertretern auf einen Tarifvertrag geeinigt, der den Abbau von 3000 der rund 28 000 Stellen ohne betriebsbedingte Kündigungen regelt. Die Beschäftigungssicherung gilt bis zum 31. März 2026, wie Thyssen-Krupp am Mittwoch mitteilte. Vom Stellenabbau sind 2000 Mitarbeiter in der Produktion und 1000 in der Verwaltung betroffen.

Der Ruhrgebietskonzern muss seinen rote Zahlen schreibenden Stahlbereich im Alleingang sanieren, nachdem die EU-Kommission im vergangenen Jahr die lange vorbereitete Fusion mit der europäischen Stahlsparte des indischen Konkurrenten Tata untersagt hatte. In einem ersten Schritt ist ein Abbau von bis zu 2000 Stellen in den nächsten drei Jahren vorgesehen. Weitere etwa 1000 Stellen sollen bis 2026 wegfallen. Die Vereinbarung gebe Thyssen-Krupp deutlich mehr Flexibilität, Mitarbeiter auf andere Stellen zu versetzen, betonte der Konzern.

Investitionen in Duisburger Werk

Thyssen-Krupp will das Zentrum seiner Stahlproduktion in Duisburg stärken. Dazu werden unter anderem Produktionskapazitäten von Bochum an den Rhein verlagert. „Wir investieren in einen der besten Stahlstandorte weltweit“, sagte Klaus Keysberg, im Konzernvorstand für den Stahlbereich zuständig. Die neue Strategie sehe einen zusätzlichen Investitionsrahmen von insgesamt etwa 800 Millionen Euro über sechs Jahre vor. Hinzu kämen die bereits in der Planung enthaltenen jährlichen Investitionen von rund 570 Millionen Euro. Die vereinbarten Investitionen seien eine „absolut gute Botschaft“ für die Beschäftigten, sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von Thyssen-Krupp Steel Europe, Tekin Nasikkol.

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Betriebsrat und IG Metall hatten dem Konzern seit Langem vorgeworfen, zu wenig Geld in den Stahlbereich zu stecken. Auch der Stahlvorstand hatte eingeräumt, dass einige Anlagen nicht mehr dem Stand der Technik entsprächen und „große Qualitätsprobleme“ bereiteten. „Wir haben Probleme zu lange aufgeschoben und harte Entscheidungen gescheut“, sagte Keysberg. Der chronisch unterfinanzierte Stahl bekomme „endlich die Gelder, die benötigt werden“, sagte der NRW-Bezirksleiter der IG Metall, Knut Giesler. Thyssen-Krupp werde deutlich schneller und in besserer Qualität an die Autoindustrie liefern können, so Betriebsratschef Nasikkol.

Doch auch in Duisburg soll abgebaut werden. Thyssen-Krupp will sich dort von der Grobblechproduktion, in der 800 Menschen beschäftigt sind, trennen. Wenn bis Ende des Jahres kein Käufer gefunden wird, soll die Produktionsanlage geschlossen werden. In Bochum wird einer von zwei Standorten geschlossen, Arbeitsplätze werden in das verbleibende Werk verlagert, das zu einem Zentrum für die Elektromobilität ausgebaut werden soll. In der Summe sollen in Bochum etwa 400 Arbeitsplätze verloren gehen.

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Das Geld für die zusätzlichen Investoren soll aus den Erlösen des Verkaufs der Aufzugssparte von Thyssen-Krupp kommen. Der Konzern will seinen profitabelsten Geschäftsteil für 17,2 Milliarden Euro an ein Konsortium von Finanzinvestoren verkaufen. Das im vergangenen Monat abgeschlossene Geschäft sei durch die Corona-Krise nicht gefährdet, hieß es in Konzernkreisen.

Arcelor-Mittal pausiert in Bremen

Die Virus-Pandemie wird in den Stahlwerken von Thyssen-Krupp zu erheblicher Kurzarbeit führen. „Wir werden an vielen Standorten in den nächsten Wochen in Kurzarbeit gehen müssen“, so Personalvorstand Oliver Burkhard. Die Vereinbarung mit der Gewerkschaft enthält daher ein Sofortpaket zur Coronakrise. So ist etwa die Aufstockung des Kurzarbeitergelds auf 80 Prozent vorgesehen. Zudem soll eine tariflich vereinbarte Sonderzahlung von 1000 Euro in fünf freie Tage umgewandelt werden. Die Kurzarbeit wird wahrscheinlich ab Mai für drei Monate beginnen.

Konkurrent Arcelor-Mittal hat bereits auf die Corona-Krise reagiert. Im Bremer Werk wurde Kurzarbeit für die Beschäftigten eingeführt. Zudem wurde die Produktion massiv gedrosselt. So wird etwa der Hochofen 3, der erst Anfang Januar wieder in Betrieb ging, in der nächsten Woche erneut stillgelegt. Kokerei, Hochofen 2 und das Stahlwerk werden bei minimaler Produktion weiterbetrieben.​

+ + + Dieser Text wurde um 22.16 Uhr aktualisiert + + +

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