Gastbeitrag über Fleischkonsum Tierische Produkte sollten höher besteuert werden

Fleischproduktion und Gülle belasten die Umwelt. Deshalb fordert die Präsidentin des Umweltbundesamtes im Gastbeitrag: Für tierische Lebensmittel sollte der Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent gelten.
29.05.2017, 17:02
Lesedauer: 2 Min
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Von Maria Krautzberger

Fleischproduktion und Gülle belasten die Umwelt. Deshalb fordert die Präsidentin des Umweltbundesamtes im Gastbeitrag: Für tierische Lebensmittel sollte der Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent gelten.

Die Landwirtschaft in ihrer heutigen Form ist für die Umwelt eine echte Belastungsprobe. Millionen von Rindern, Hühnern und Schweinen tragen maßgeblich zu den Problemen bei. Unmengen an Gülle muss auf den Feldern verteilt werden, das führt zu Stickstoffüberschüssen im Boden, und Nitrat gelangt in das Grundwasser. In manchen Gebieten Deutschlands muss Rohwasser bereits mit frischem Wasser verschnitten werden, um die Nitrat-Grenzwerte einzuhalten.

Wasserwerke rechnen bald mit deutlichen Preissteigerungen in Gebieten mit viel Massentierhaltung. Was noch: Ammoniak in der Luft, massenhafter Einsatz von Pestiziden und Tierarzneimitteln. Für das Klima sind vor allem die Rinder das Problem. Bei der Verdauung entstehen große Mengen an Methan, sodass die Landwirtschaft für acht Prozent der Treibhausgase in Deutschland verantwortlich ist.

Jeder soll selbst entscheiden, was er isst. Und sollte wissen, welche Folgen sein Fleischkonsum für die Umwelt und die eigene Gesundheit hat. Fleisch ist viel zu wertvoll, als dass es als Ramschartikel über die Supermarkttheke gehen sollte. Vor allem ist es nur scheinbar so billig, wie die Preise vorgaukeln. Wir Verbraucher zahlen dreifach: Erstens an der Supermarktkasse, zweitens mit Steuergeldern für die Agrarsubventionen der Tierhaltung, und ein drittes Mal, wenn etwa die Wasserwerke Geld in die Hand nehmen, um Nitrat aus dem Trinkwasser zu entfernen. Und diese Kosten trägt bislang die Allgemeinheit.

Teureres Fleisch, günstigeres Obst und Gemüse

Die Lösung für die durch die Landwirtschaft verursachten Umweltprobleme erfordert vor allem eine andere Agrarpolitik. Und: Wir müssen deutlich weniger Fleisch essen als bislang. Das ist nicht nur aus Gründen des Umwelt- und Klimaschutzes notwendig. Mit weniger Tierhaltung lassen sich nicht zuletzt auch die dringend notwendigen höheren Standards beim Tierwohl besser erreichen.

Ein Baustein dafür kann zum Beispiel der reguläre Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent für tierische Produkte sein. Das würde ein Preissignal setzen und helfen, den Fleischkonsum nachhaltig zu reduzieren. Die Verbraucherinnen und Verbraucher sollen aber am Ende genauso viel im Geldbeutel haben. Daher sollten die erzielten Einnahmen dafür genutzt werden, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz weiter zu senken. Gemüse und Obst beispielsweise würden dadurch günstiger werden, der Einkauf im Supermarkt wird nicht teurer.

Damit ist dann auch für eine ökologische Balance gesorgt: Was umweltfreundlich ist, sollte günstiger sein, was der Umwelt schadet, sollte mehr kosten.

Zur Person

Zur Person

Unsere Gastautorin Maria Krautzberger ist Präsidentin des Umweltbundesamtes sowie studierte Soziologin und Verwaltungswissenschaftlerin. Vor ihrem Amtsantritt war sie zuletzt Staatssekretärin in der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

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