Trump kann die Entwicklung nicht aufhalten

US-Präsident Donald Trump steht wie kein anderer vor ihm für die Vergangenheit. Er kämpft für die Energiepolitik von gestern.
24.02.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Claudia Kemfert

US-Präsident Donald Trump steht wie kein anderer vor ihm für die Vergangenheit. Er kämpft für die Energiepolitik von gestern. Kohle, Atom, Öl – alles, was vor 25 Jahren gut schien, will er konservieren. Er lehnt jede seriöse wissenschaftliche Prognose ab und will den Klimavertrag aufkündigen. Seine ersten Amtshandlungen waren, einen Klimawandelskeptiker als Chef der Umweltbehörde zu berufen und einen ehemaligen Ölkonzernlenker zum Außenminister, der für die Interessen der fossilen Energieindustrie steht.

Was man nicht zu wissen scheint: Der Wettlauf um die beste Umsetzung der Energiewende hat weltweit bereits begonnen. Kohle- und Atomtechnologie sind gleichermaßen Techniken der Vergangenheit. Kohlekraftwerke produzieren erhebliche Schäden für die Wirtschaft, weil sie Innovationen behindern und Altlasten verursachen. Auch die angeblich so klimafreundliche Atomenergie verursacht Kosten in erheblichem Ausmaß. Bau und Rückbau der Anlagen, aber vor allem die Lagerung und Beseitigung des höchstgefährlichen Atommülls sind marktwirtschaftlich nicht finanzierbar. Mal ganz abgesehen davon, dass es auch in den USA kein Endlager gibt.

Die künftige Energiewelt, wie sie sich schon heute an allen Ecken der Welt zeigt, ist kleinteilig und dezentral. Sie basiert auf einer klugen Vernetzung volatiler erneuerbarer Energien, flexibler Speicher und intelligenter Energiespartechnologien. Die Energiesysteme des 20. Jahrhunderts basierten aber auf zentralen und inflexiblen Strukturen. Eines ist klar: Kohle- und Atomkraftwerke sind den Anforderungen an die Flexibilität des Stromsystems nicht gewachsen. Wirtschaftlich steckt die neue Energiewelt voller Chancen. Kalifornien macht es vor: Es baut die weltweit besten Elektroautos, stellt Batteriespeicher vor und will künftig auch Solarziegel für das Hausdach anbieten. So geht Energiewende: demokratisch, zukunftsorientiert und ökonomisch effizient.

Fakt ist: Das Ende des fossilen Zeitalters wird kommen, ob mit oder ohne die USA. Die Energiewende ist nicht aufzuhalten, erneuerbare Energien werden immer billiger, Atom- und Kohlekraft sind teuer. Viele Atom- und Kohleunternehmen sind bereits pleite oder davon bedroht und wären nur mit teuren Subventionen wiederzubeleben. Die Blockade der Energiewende wird die USA teuer zu stehen kommen und um Jahre zurückwerfen. Die Frage ist nicht, ob wir Trump brauchen. Die Frage ist, wie schnell es gelingt, die globalen CO₂-Emissionen zu mindern und auf erneuerbare Energien umzustellen. Diesen Wettbewerb werden die USA sicher nicht mehr gewinnen. Das sind gute Nachrichten für Deutschland.

Zur Person

Unsere Gastautorin ist Wirtschaftswissenschaftlerin. Die gebürtige Delmenhorsterin (48) ist Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und Professorin für Energieökonomie.
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