Kriminelle Anbieter bei Amazon und Co. Und weg ist das Geld

Wer im Internet einkauft, muss aufpassen - auch auf großen Verkaufsplattformen wie Amazon können sich Betrüger tummeln. Und angepriesene Garantien können sich schnell als leere Versprechen erweisen.
21.04.2016, 21:47
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Und weg ist das Geld
Von Alexandra Knief

Wer im Internet einkauft, muss aufpassen - auch auf großen Verkaufsplattformen wie Amazon können sich Betrüger tummeln. Und angepriesene Garantien können sich schnell als leere Versprechen erweisen.

Bei dem Versuch, den Verkäufer zu kontaktieren, dann die böse Überraschung. Nachdem die Kundin ihr Problem in einer E-Mail geschildert hatte, erhielt sie nur einen Satz als Antwort: „Die Firma ist leider schon zu.“ Anja Rabba setzte sich mit Apple in Verbindung und erfuhr, dass es sich bei dem erhaltenen Telefon nicht um einwandfreie Neuware handelte.

Kein Einzelfall

Fälle wie dieser sind laut Kathrin Körber, Produktmanagerin Telekommunikation und Internet bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen, keine Seltenheit. „Dass uns nur kurzzeitig bestehende Shops gemeldet werden, erleben wir immer wieder“, sagt sie. Während es früher vor allem Probleme mit Plagiaten waren, sind bis heute noch zahlreiche andere Fallen hinzugekommen, die Betrüger für ahnungslose Verbraucher aufstellen. „Wir erhalten immer wieder Beschwerden von Käufern, die per Vorkasse bezahlt haben und den Artikel nie erhalten haben, oder hören von Verkäufern, die im Falle einer Reklamation nicht mehr erreichbar sind.“

Um sich davor zu schützen, sollten laut Körber ein paar wichtige Grundregeln beachtet werden: „Wenn ein begehrter Artikel günstiger angeboten wird und entgegen anderer Shops verfügbar ist, sollte man sich schon Gedanken machen“, sagt die Expertin. Gerade Trend-Artikel wie Smartphones, Markenschuhe oder angesagte Kleidung würden oft auf unseriösen Seiten angeboten, um an Geld zu kommen.

Auch sollten Käufer immer darauf achten, dass es ein Impressum gibt, in dem das Unternehmen und der Firmensitz genannt sind. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen sollten genau gelesen werden. „Nur Mut, das Kleingedruckte zu lesen oder zu überfliegen, denn bei unseriösen Unternehmen erkennt man Rechtschreib- und Formationsfehler“, so Körber. Doch auch ein seriöses Auftreten, sei nicht immer eine Garantie, betont die Expertin. Das Erscheinungsbild einiger Abzockseiten sei mittlerweile unglaublich professionell. Auch Gütesiegel, zum Beispiel von Trusted Shops, würden immer häufiger gefälscht, um das Vertrauen der Käufer zu gewinnen. Ob ein Shop tatsächlich ein Siegel erhalten hat, kann laut Körber im Verzeichnis des jeweiligen Siegelanbieters überprüft werden. Im Zweifel sollten Käufer im Internet nach weiteren Infos zu dem Anbieter suchen.

Am besten per Rechnung zahlen

Vorsicht sei auch geboten, wenn im Vorfeld viele Bezahlmethoden zur Auswahl stehen und am Ende nur noch die Vorkasse – zum Beispiel in Form der klassischen Sofortüberweisung – überbleibt. Gibt es eine Auswahl, sei die Bezahlung per Rechnung gerade bei unbekannten Verkäufern am sichersten. Auch ein Lastschriftverfahren sei in Ordnung, weil man hier das Geld im Zweifel zurückbuchen kann.

Wie der Fall von Anja Rabba zeigt, ist nicht nur bei kleinen unbekannten Seiten, sondern auch auf großen Plattformen wie Amazon – trotz Käuferschutz – Vorsicht geboten. Rabba kontaktierte Amazon, um die A-bis-Z-Garantie in Anspruch zu nehmen. Darin verspricht das Unternehmen, für die Sicherheit der Bestellungen einzustehen, wenn der Kunde bei Amazon.de von Drittanbietern einkauft oder Amazon Payments auf Websites von Drittanbietern nutzt. Dieser Schutz umfasst laut Amazon sowohl die fristgerechte Lieferung des Artikels als auch den Zustand der Bestellung.

Garantie-Voraussetzungen lesen

Anja Rabbas A-bis-Z-Garantieantrag wurde von Amazon allerdings abgelehnt. Begründung: Wenn mit einem Artikel etwas nicht stimmt, muss der Käufer den Verkäufer innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt der Ware diesbezüglich kontaktieren. Ist dies nicht geschehen, springt Amazon nicht mehr ein. „Eigentlich habe ich mich bei Amazon immer gut geschützt gefühlt“, sagt die enttäuschte Käuferin. „Jetzt weiß ich aber, dass man auch hier Pech haben kann.“

Für eine Stellungnahme dazu, was das Unternehmen unternimmt, um den Marketplace vor unseriösen Händlern zu schützen, stand Amazon nicht zur Verfügung. Laut Kathrin Körber können auch große Unternehmen sich nicht vollends vor unseriösen Anbietern schützen. Das Angebot sei einfach zu groß, um Betrüger immer gleich zu erkennen. Zwar schmeiße Amazon ihres Wissens nach dubiose Händler umgehend vom Marketplace, aber meistens werden diese eben erst entdeckt, wenn es bereits zu spät ist. Auch darum sollten Käufer vor dem Kauf ihre Widerrufsrechte und den Umfang des Käuferschutzes checken. Bei Amazon zum Beispiel verfällt die Garantie, wenn bestimmte Fristen abgelaufen sind oder Ware außerhalb von Amazon.de Marketplace oder Amazon Payments bezahlt wurde.

Tipps der Polizei

Auch die Polizei Niedersachsen rät, Hilfe- und Supportmöglichkeiten von Verkaufsplattformen genau zu studieren, um zu wissen, worauf man im Falle eines Betruges zählen könne. Sie informiert auf www.polizei-praevention.de darüber, wie Käufer sich vor Internetkriminalität schützen können. Außerdem berichtet die Verbraucherzentrale Niedersachsen auf ihrer Homepage in der Rubrik „Vorsicht Falle“ über aktuelle Abzocke-Themen.

Ist es dann aber doch passiert und man ist Opfer einer Online-Straftat geworden, rät Stephanie Weiß, Sprecherin vom LKA Niedersachsen, auf jeden Fall Anzeige bei einer Polizeidienststelle oder über die Onlinewache der Polizei Niedersachsen zu erstatten. „Natürlich ist es schwierig die Täter zu ermitteln, aber es gelingt immer wieder. Absender, E-Mail-Kontakt – in einigen Fällen kommt man an die Betrüger ran“, sagt Weiß. „So oder so – wenn keine Anzeige erstattet wird, können wir auch nichts machen, und wenn wir davon erfahren, können wir zusätzlich eine Warnmeldung herausgeben.“

Anja Rabba will in Zukunft auf jeden Fall noch vorsichtiger sein, wenn sie im Internet einkauft. Von größeren Anschaffungen im World Wide Web will sie allerdings ganz die Finger lassen: „In Zukunft kaufe ich vielleicht noch mal ein Hörbuch oder eine Creme online – teure Elektronik aber nicht mehr“, sagt sie.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+