Probleme bei Mercedes

Unter einem schlechten Stern

Dämpfer für den erfolgsverwöhnten Autobauer Daimler: Nachdem der Absatz der Marke Mercedes-Benz zuletzt meist deutlich gestiegen war, ging er im Juni zurück. Das ist nicht das einzige Problem.
06.07.2018, 17:43
Lesedauer: 3 Min
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Unter einem schlechten Stern
Von Stefan Lakeband
Unter einem schlechten Stern

Nach erfolgreichen Jahren steht Daimler nun vor mehreren Problemen: Der Absatz in Deutschland ist stark gesunken, gleichzeitig stockt der Rückruf.

Frank Thomas Koch

Wenn an diesem Sonnabend die überarbeitete C-Klasse in den Autohäusern präsentiert wird, dann hängen die Erwartungen hoch: "Never Stop Improving" (Hör nie auf, besser zu werden) lautet der neue Werbeslogan, in Anzeigen werden Tennis-Profi Roger Federer und der Sprinter Akani Simbine zu sehen sein. Höher, schneller, weiter. Business as usual für Mercedes. Dabei ist der Stuttgarter Autobauer längst nicht mehr so vom Erfolg verwöhnt, wie zuletzt. Im Gegenteil.

Niedrigere Absatzzahlen

Problem 1: die Absatzzahlen. Anstatt wie gewöhnlich zu steigen, ging es nun bergab, wie aus einer Mitteilung vom Freitag hervorgeht. Im Juni hat Mercedes knapp 204.000 Fahrzeuge verkauft, 2,6 Prozent weniger als zuvor. Schuld daran war nach Konzernangaben unter anderem ein Brand bei einem Zulieferer in den USA. "Dadurch konnten deutlich weniger SUVs im Mercedes-Benz-Werk in Tuscaloosa für den Weltmarkt produziert und abgesetzt werden", heißt es in der Mitteilung. Doch auch auf dem Heimatmarkt Deutschland schwächelt die Premiummarke. Der Absatz ging hier sogar um 12,2 Prozent zurück. Für Juli bedeutet dass, dass etwas mehr als 25.000 Fahrzeuge verkauft wurden.

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Trotz des Rückschlags im Juni steht in den ersten sechs Monaten noch ein Plus in den Büchern. Der Autobauer spricht sogar von einem Rekordabsatz im ersten Halbjahr. 1,18 Millionen Autos wurden demnach verkauft. Allem voran in China hat sich die deutsche Marke gut entwickelt. Dort wurden im Juni fast 57.000 Mercedes-Benz und damit knapp 14 Prozent mehr als vor einem Jahr verkauft.

Auch für das kommende Halbjahr sind die Daimler-Verantwortlichen optimistisch. „Die neue A-Klasse ist sehr erfolgreich in den Märkten angelaufen und im Juli bringen wir die neue C-Klasse auf den Markt“, sagte Britta Seeger, Daimler-Vorstand. „Diese beiden Volumenmodelle werden maßgeblich zum Absatzerfolg von Mercedes-Benz im zweiten Halbjahr beitragen.“

Stockende Rückrufaktionen

Problem 2: die Rückrufe. Sie könnten den Optimismus noch trüben. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) macht Druck auf Daimler, nachdem bei 774.000 Autos von Mercedes mutmaßlich unzulässige Abgaseinrichtungen gefunden wurden. Diese Fahrzeuge sollen so schnell wie möglich in die Werkstätten gerufen werden. Und das sorgt offenbar für Schwierigkeiten: „Die Situation ist überhaupt nicht lustig“, zitierte das „Handelsblatt“ eine Führungskraft.

Demnach seien noch bis Mai C-Klasse-Modelle mit den beanstandeten Motoren gebaut worden. Für sie gilt nun ein Verkaufsstopp Für das Bremer Werk habe das aber keine Auswirkungen, sagte ein Daimler-Sprecher auf Anfrage des WESER-KURIER. Es handle sich um Fahrzeuge, die schon in Kundenhand seien. Die Fabrik in Sebaldsbrück ist das weltweite Leitwerk für die C-Klasse. Hier wird vor allem dieses Volumenmodell gebaut.

Laut „Handelsblatt“ ist zudem noch offen, wann das Problem mit den beanstandeten Motoren behoben werden kann. Offenbar gibt es noch kein Software-Update für den Motor, damit er die geltenden Grenzwerte einhält. Es soll laut einem Insider erst Ende des Jahres verfügbar sein. „Wir versuchen alles, um die Updates möglichst schnell fertig zu bekommen“, sagte ein Konzernsprecher der Wirtschaftszeitung. Doch selbst dann werde es dauern, bis die ersten Autos damit ausgerüstet werden können. Denn bevor das geschieht, muss die Software von den Behörden abgenommen werde. Das könne sich hinziehen.

Der Verkehrsminister bleibt allerdings bei seiner Frist: Bis Endes des Jahres müssen die Updates für alle 5,3 Millionen beanstandeten Dieselfahrzeuge beendet sein. Der Zeitung sagte er: „Ich nehme die Hersteller beim Wort.“ Immerhin habe er „die Unternehmen dazu aufgefordert, bis zum 1. September die Softwareentwicklung für die Updates abzuschließen. Dann kann das Kraftfahrt-Bundesamt alle Updates prüfen und freigeben. "Dafür sind die Hersteller verantwortlich. Auch Daimler.“

Hohe Strafzölle

Problem 3: die Strafzölle. Seit Wochen droht die US-Regierung mit hohen Zöllen auf deutsche Autos – und das würde Daimler belasten. Doch auch wenn es bislang nur bei Ankündigungen blieb, steckt der Konzern schon längst zwischen den Fronten eines Handelskriegs. Am Freitag hat China Zölle auf US-Autoimporte eingeführt (siehe Text unten). Da Mercedes in Tuscaloosa nicht nur für den amerikanischen Markt produziert, sondern ein Großteil der Autos nach Fernost geht, muss sich der Konzern etwas einfallen lassen. Um die 25 Prozent Aufschlag auf seine Fahrzeuge zu umgehen, will der Konzern jetzt offenbar seine Produktion in China erhöhen.

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