Mit welchen Neuerungen und Problemen Segler 2017 rechnen müssen – und vor allem solche, die es noch werden wollen Unter Segeln

Bremen. Die gute Nachricht: Es wird bald nur eine Plastikkarte statt der vielen Papierscheine mit dem Bundesadler geben. Bei den Sportbootführerscheinen soll sich 2017 einiges ändern.
06.01.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Volker Kölling

Bremen. Die gute Nachricht: Es wird bald nur eine Plastikkarte statt der vielen Papierscheine mit dem Bundesadler geben. Bei den Sportbootführerscheinen soll sich 2017 einiges ändern. Mit einer neuen Verordnung können Segler die Prüfung zum Sportbootführerschein See wohl auch im Ausland ablegen. Die schlechte Nachricht: Die Gebühren für die Wassersportführerscheine werden voraussichtlich um 15 bis 25 Prozent auf mehr als 100 Euro steigen.

Betroffen sind bundesweit etwa 65 000 Menschen, die jedes Jahr den Sportbootführerschein See oder Binnen machen. Mit den Funkzeugnissen und den weiterführenden Wassersportführerscheinen wie dem Seeschiffer- und dem Hochseeschifferschein kommt man in Deutschland jährlich sogar auf rund 75 000 Prüfungen für die amtlichen Ausweise. Ein großer Markt.

Der ADAC hat mit seiner Wassersportabteilung 2010 um eine Überarbeitung der sogenannten Beleihungspraxis des Bundesverkehrsministeriums gebeten. 2012 gab es im Ministerium eine Expertenrunde. Bisher bilden immer Prüfer von drei Organisationen die jeweiligen Prüfungsausschüsse: Der Deutsche Segler-Verband, der Deutsche Motorjachtverband und die jeweils zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter (WSA). Laut Steffen Häbich, für Wassersport zuständiger Abteilungsleiter in der Münchener ADAC-Zentrale, muss das Ministerium noch über eine Bewerbung des ADAC entscheiden, auch Prüfer stellen zu dürfen: „In einem ersten Entwurf des Ministeriums für die neue Führerscheinverordnung ist der amtliche Prüfer des WSA aber auf jeden Fall schon nicht mehr dabei. Da wird sich die Zahl der Prüfer also auf zwei reduzieren.“

Wie die anderen Verbände und Institutionen rund um den Wassersport hat der ADAC zu dem ersten Verordnungsentwurf bereits seine Stellungnahme abgegeben. Lange hieß es, die Neuerungen könnten schon zum 1. April in Kraft treten. ADAC-Mann Häbich sieht in der Szene auch wenig Widerspruch gegen den Entwurf, eher offene Fragen.

Die Plastikkarte soll Kreditkartenformat haben, aber wer sie herstellt und wie genau sie ausgegeben wird, ist laut Häbich noch offen: „Wer seinen Führerschein im Urlaub macht, möchte ihn nach der Prüfung ausgehändigt bekommen und nicht noch auf eine Bundesdruckerei warten, die ihm den Wochen später zuschickt.“ Technisch ließe sich das aus seiner Sicht verbraucherfreundlicher organisieren, indem Prüfer die Ausweise vor der Prüfung bereits hätten: „Fällt jemand durch, behält der Prüfungsausschuss den Schein noch ein“, sagt Häbich.

Inhaltlich ändert sich im Lehrstoff und an den Prüfungen für den amtlichen Sportbootführerschein See und das Gegenstück Binnen nichts. Beide Verordnungen bleiben bestehen. Man bekommt nach Bestehen beide Scheine auf einer Karte bestätigt. Funkscheine oder die weiterführenden Scheine werden nicht darauf vermerkt, sondern auf eigenen Zertifikaten anerkannt – auch, weil etwa für die Funkzeugnisse ein anderes Ministerium zuständig ist.

Für den Sportbootsführerschein See soll eine eigene Kategorie „unter Segeln“ eingeführt werden. Damit würde auf Bitten des Deutschen Segler-Verbandes eine Lücke bei den amtlichen Ausweisen geschlossen, die es bisher gegeben habe, sagt Steffen Häbich: „Einen Sportbootführerschein Binnen unter Segeln gab es ja bereits. Die Idee hinter See unter Segeln ist, dem eigenen Segler-Nachwuchs neben den Jüngstenscheinen und Segelgrundscheinen einen Weg zum amtlichen Führerschein in ihrem Sport aufzuzeigen.“

Wie dieser neue Sportbootführerschein See unter Segeln vermittelt werden soll, wissen die Wassersportschulen noch nicht im Detail. Klaus Schlösser vom Bremer Kursanbieter „bootsausbildung.com“ betont aber, dass man auch weiterhin im See- wie im Binnenrevier nur den Sportbootführerschein See oder Binnen unter Motor braucht, um Motor- oder Segelfahrzeuge mit mehr als 15 PS auf dem Propeller zu steuern. Eine Längenbegrenzung für das Wasserfahrzeug gibt es bei See weiterhin nicht, beim Binnenschein darf das Boot weiterhin zwanzig Meter lang sein. „Für uns als Schule wird das keinen großen Unterschied machen, weil wir diese Dinge alle ohnehin modular unterrichten“, sagt Schlösser.

Schlösser sieht gleichwohl eine Welle von Neuanmeldungen auf sich und die Kollegen zukommen, wenn sich erst einmal die künftigen Prüfungsgebühren herumgesprochen haben. Nach seinen Worten hatte das Finanzministerium die aktuellen Gebühren geprüft und für viel zu niedrig befunden. Von Steigerungen von bis zu 25 Prozent ist beim Verband der Deutschen Wassersportschulen die Rede, umgerechnet also von mehr als einhundert Euro nur an Prüfungsgebühren. Dafür soll die Anmeldung zur Prüfung schneller gehen – in einer statt in zwei Wochen. Und wer durchfällt, muss auch nicht vier Wochen lang warten: Bald kann man theoretisch ohne Sperrfrist schon am nächsten Tag erneut zur Prüfung gehen.

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