Spanisches Gericht verurteilt Pharmahersteller zu Entschädigungen Urteil im Fall Contergan

Madrid. Mehr als 50 Jahre nach dem Contergan-Medikamentenskandal in Deutschland haben nun die spanischen Opfer die erste Runde eines Entschädigungsstreites mit dem deutschen Pharmariesen Grünenthal gewonnen. Ein spanisches Gericht verurteilt den früheren Contergan-Hersteller zu einer millionenschweren Entschädigung der Opfer in Spanien.
21.11.2013, 00:00
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Von Ralph Schulze

Mehr als 50 Jahre nach dem Contergan-Medikamentenskandal in Deutschland haben nun die spanischen Opfer die erste Runde eines Entschädigungsstreites mit dem deutschen Pharmariesen Grünenthal gewonnen. Ein spanisches Gericht verurteilt den früheren Contergan-Hersteller zu einer millionenschweren Entschädigung der Opfer in Spanien. Dem erstinstanzlichen Urteil zufolge muss Grünenthal im Schnitt rund eine Million Euro an die spanischen Contergan-Opfer zahlen. Gegen das Urteil kann jedoch Revision eingelegt werden.

Der spanische Contergan-Opferverband hatte Grünenthal im Namen von 180 spanischen Betroffenen auf 204 Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Das Gericht in der Hauptstadt Madrid sprach den Opfern nun 20000 Euro je Prozentpunkt des offiziell anerkannten Behinderungsgrads zu. Bei einem durchschnittlichen Behinderungsgrad von etwa 50 Prozent würde sich die Entschädigung somit auf eine Million Euro belaufen. Viele Betroffene, deren Mütter das Medikament eingenommen hatten, wurde ohne Arme oder Beine geboren.

Von den 180 klagenden Opfern, sind bisher allerdings von einer staatlichen Kommission in Spanien erst 23 offiziell anerkannt worden. Für eine Anerkennung muss nachgewiesen werden, dass die Behinderungen eindeutig durch die Einnahme des Contergan-Medikamentes verursacht worden sind.

Während in vielen europäischen Ländern die Überlebenden dieses Skandals entschädigt wurden, kämpften die spanischen Opfer bisher vergeblich um eine Einigung mit dem Konzern. Grünenthal hatte ihnen allerdings Zugang zu Hilfen der deutschen Contergan-Stiftung angeboten, was aber nur von wenigen Betroffenen genutzt worden war. Schätzungen des spanischen Opferverbandes Avite zufolge wurden Anfang der 60er-Jahre in Spanien etwa 3000 missgebildete Kinder geboren, die meisten sind inzwischen gestorben.

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