Banken US-Notenbank erhöht Diskontsatz

Washington/Frankfurt. Die US-Notenbank dreht zum ersten Mal seit Ausbruch der Finanzkrise vor über einem Jahr die Zinsschraube nach oben. Die Zentralbank gab am Donnerstagabend (MESZ) überraschend eine Erhöhung des Diskontsatzes auf 0,75 Prozent bekannt.
19.02.2010, 13:00
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Washington/Frankfurt. Die US-Notenbank dreht zum ersten Mal seit Ausbruch der Finanzkrise vor über einem Jahr die Zinsschraube nach oben. Die Zentralbank gab am Donnerstagabend (MESZ) überraschend eine Erhöhung des Diskontsatzes auf 0,75 Prozent bekannt.

Der Zinssatz, zu dem sich Banken Geld bei der Zentralbank leihen können, stieg um 0,25 Prozentpunkte. Die Notenbank erklärte ihren Schritt mit der «kontinuierlichen Verbesserung des Zustands des Finanzmarkts». An den internationalen Finanzmärkten gingen daraufhin die Börsen auf Talfahrt, der Euro geriet unter Druck.

Der Schritt ziele darauf ab, die Verleihpraktiken der Bank allmählich wieder zu normalisieren, hieß es in der Erklärung der Notenbank. Die Fed hoffe, dass sie die Banken mit der Verteuerung dazu ermuntere, sich angesichts des sich stabilisierenden Finanzmarktes gegebenenfalls bei privaten Quellen Geld zu leihen - und nicht bei der Zentralbank.

Volkswirte interpretierten die Anhebung nicht als einen Schritt hin zu einer strengeren Geldpolitik, sondern eher als ein Ende der krisenbedingten Notmaßnahmen.

Fed-Chef Ben Bernanke hatte bereits vor einigen Tagen mögliche Zinserhöhungen angedeutet und damit sinkende Kurse an den US-Börsen ausgelöst. Der Diskontsatz gilt allerdings als weniger bedeutend als der Leitzins. Beim Leitzins soll es erst Änderungen geben, wenn klare Zeichen für einen Wirtschaftsaufschwung erkennbar sind.

So hatte die Notenbank zuletzt darauf hingewiesen, dass die zögerliche Konjunkturerholung voraussichtlich noch für einen längeren Zeitraum keinen Anlass bieten wird, vom historischen Tief des US- Leitzinses in der Spanne zwischen 0,0 und 0,25 Prozent abzugehen.

Der Euro geriet nach dem überraschenden Zinsschritt deutlich unter Druck und fiel kurzzeitig unter die Marke von 1,35 US-Dollar, nachdem er zuvor noch über 1,36 Dollar notiert hatte.

An den internationalen Börsen gerieten die Aktienkurse ins Rutschen. Die Tokioter Börse schloss am Freitag sehr schwach. Vor allem Banken- und Rohstoffwerte verbuchten deutliche Verluste. Die Zinserhöhung der US-Notenbank bremste auch die zuletzt kräftige Erholung am deutschen Aktienmarkt am Freitag zunächst aus. Der befürchtete Schock blieb jedoch aus, die meisten Aktien erholten sich im Verlauf des Handels von ihren Tiefs zum Handelsbeginn. (dpa)

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