Verbraucherzentrale Hamburg bemängelt hohen Zucker- und Fettgehalt von tierfreien Lebensmitteln Vegan ist nicht gleich gesund

Vegane Ernährung liegt im Trend. Im Gegensatz zu Vegetariern, die etwa Milchprodukte und Eier essen, verzichten Veganer völlig auf jegliche Nutzung von Tieren. Dass vegane Lebensmittel nicht grundsätzlich gesund sein müssen, belegt eine aktuelle Untersuchung der Hamburger Verbraucherzentrale.
03.04.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Markus Lorenz

Vegane Ernährung liegt im Trend. Im Gegensatz zu Vegetariern, die etwa Milchprodukte und Eier essen, verzichten Veganer völlig auf jegliche Nutzung von Tieren. Dass vegane Lebensmittel nicht grundsätzlich gesund sein müssen, belegt eine aktuelle Untersuchung der Hamburger Verbraucherzentrale.

Vegane Speisen sind der Ernährungstrend schlechthin. Doch längst nicht alle der rein pflanzlichen Lebensmittel halten, was sich die größer werdende Anhängerschaft davon erwartet. Das belegt eine Marktuntersuchung der Verbraucherzentrale Hamburg. Die Test-Verantwortliche Silke Schwartau: „Nicht jedes dieser Lebensmittel ist gesund oder wurde nachhaltig produziert.“

Vegan lebende Menschen lehnen einerseits Nahrungsmittel tierischen Ursprungs ab und sogar die Nutzung tierischer Produkte insgesamt. Ethisch motivierte Veganer achten auch bei der Kleidung und anderen Gegenständen des Alltags darauf, dass diese frei von Tierprodukten sind. Veganer verzichten also nicht nur auf Fleisch und Fisch, wie Vegetarier, sondern auch auf sämtliche tierischen Produkte von der Milch über Eier bis zum Leder.

Etwa neun Prozent der Deutschen interessiert sich generell für die vegane Lebensweise. Das ergab jüngst eine Umfrage eines Meinungsforschungsinstituts. Allerdings sind von den Befragten bisher nur zwei Prozent tatsächlich auch Veganer. In Hamburg, Bremen und anderen norddeutschen Städten gibt es mittlerweile spezielle Veganer-Supermärkte.

Insgesamt 20 solcher „tierfreien“ Lebensmittel haben die Verbraucherschützer beim Marktcheck unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist ernüchternd: vier enthielten zu viel Fett, fünf einen zu hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren, weitere fünf schnitten wegen ihres hohen Salzgehalts schlecht ab, berichtet Silke Schwartau. Ein Veggie-Burger enthielt zum Beispiel ein Drittel mehr Fett als eine handelsübliche Boulette und viermal so viele gesättigte Fettsäuren.

Bei einem Dinkel-Knusper-Kringel etwa monierten die Tester den hohen Zuckergehalt, der Energieriegel „Cranberry“ enthielt statt Moosbeeren hauptsächlich Mandeln, Dattelpaste und Preiselbeeren. Auch bei Aromen und Zusatzstoffen schnitten die Vegan-Produkte im Test nicht besser ab als herkömmliche Lebensmittel.

Die Begründung: Bei der Herstellung von veganen Fleisch-, Wurst- und Käse-Imitaten ist die Verwendung von Aromen und Zusatzstoffen sehr oft nötig, vor allem um einen annehmbaren und dem Produkt entsprechenden Geschmack zu erzeugen. Verbraucherschützerin Schwartau: „Veganer sollten wissen, dass es sich bei den speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Fertiglebensmitteln nicht um naturreine Produkte handelt.“

Unzufrieden sind die Prüfer außerdem mit den dürftigen Informationen der Hersteller. Verbraucher, die sich für Zutaten, deren Herkunft und eine klimafreundliche regionale Produktion interessieren, erhielten auf den Verpackungen und auf Nachfrage „eher selten nützliche Auskünfte“. Hinzu komme nicht selten Etikettenschwindel, etwa eine Alpenkulisse samt Matterhorn auf einem „Cereal Drink“, obwohl die Rohstoffe aus verschiedenen Ländern kommen.

Ein anderer Hersteller zeigt große Walnüsse auf der Verpackung seines Brotaufstrichs, der weist aber tatsächlich nur ganze zwei Prozent Walnussöl auf. Silke Schwartau fordert deshalb mehr Verbraucheraufklärung: „Generell wünschen wir uns ein besseres Informationsverhalten. Dazu zählen eine ehrliche Gestaltung der Verpackung und sinnvolle Auskünfte.“ Ihr Gesamtfazit: „Bei vielen veganen Alternativprodukten besteht Verbesserungsbedarf.“ Auch der Gesetzgeber könne mit der Schaffung eines staatlichen Siegels Käufern zu mehr Sicherheit verhelfen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+