Pandemie Veranstalter für Ende fast aller Corona-Regeln

Das Ende der meisten Corona-Beschränkungen scheint nahe. Doch eine vage Aussicht auf Besserung reicht vielen betroffenen Branchen nicht mehr. Sie fordern eine feste Öffnungsperpektive.
14.02.2022, 02:11
Lesedauer: 3 Min
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Von dpa

Berlin (dpa) - Die Veranstalter von Messen und Konzerten in Deutschland wollen ein schnelles und fast vollständiges Ende der Corona-Beschränkungen - oder wenigstens ein klares Signal, wann es soweit ist.

Vor der Ministerpräsidentenkonferenz zur Corona-Lage an diesem Mittwoch forderte der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV) eine „sofortige und vollständige Öffnung“.

Auch die Messewirtschaft sieht keinen Grund mehr, Branchentreffen absagen zu müssen. „Unser Geduldsfaden ist am Reißen“, sagte Philip Harting, Vorsitzender des Verbands der deutschen Messewirtschaft (Auma), dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Auma-Geschäftsführer Jörn Holtmeier ergänzte im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur: „Für uns ist wichtig, dass es spätestens ab dem 20. März nicht mehr möglich ist, Messen überhaupt zu verbieten, damit wir Planungssicherheit haben.“

Bund und Länder erwägen derzeit Drei-Stufen-Plan

Ähnliches fordert auch der BDKV. „Kulturveranstaltungen benötigen Vorlauf und müssen planbar sein, auch für die Zuschauer“, sagte sein Präsident Jens Michow der Funke-Mediengruppe. „Sie wollen keine Karten von Konzerten mit dem Risiko kaufen, dass die drei Tage vorher doch wieder abgesagt werden.“

Bund und Länder erwägen derzeit einen Drei-Stufen-Plan für die weitgehende Lockerung der Corona-Schutzmaßnahmen bis zum Frühlingsbeginn am 20. März. Das sieht ein zwischen Kanzleramt, Vorsitz und Co-Vorsitz der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) abgestimmter Vorschlag vor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Demnach sollen ab dem 20. März alle weitreichenden Einschränkungen des gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens aufgehoben werden. Nur Basisschutzmaßnahmen wie das Masken-Tragen soll es weiter geben.

Aus Sicht der betroffenen Branchen ist eine solche generelle Lockerung dringend nötig. Eine Absage erteilte Michow im Gespräch mit der dpa Kapazitätsobergrenzen ebenso wie Testpflichten, etwa im Rahmen einer 2G-Plus-Regelung: „Insbesondere geimpfte Besucher machen es einfach nicht mit, zusätzlich noch in ein Testzentrum zu gehen. Viele haben dafür auch gar keine Zeit.“

Ähnlich äußert sich die Messewirtschaft: „Wir sind klar gegen rigide Personenobergrenzen, aber nicht gegen Hygienekonzepte - also Masken, Abstände, Desinfektion“, sagte Auma-Geschäftsführer Holtmeier. Zugangsregelungen im Sinne von 3G seien zwar leistbar. Wichtig sei aber, dass es nicht 2G sei - ansonsten würden zu viele ausländische Gäste ausgeschlossen, die mit hierzulande nicht anerkannten Impfstoffen geimpft seien.

Mehr als 500 Messen pandemiebedingt abgesagt oder verschoben

2020 und 2021 sind nach Angaben der Auma in Deutschland insgesamt mehr als 500 Messen pandemiebedingt abgesagt oder verschoben worden. 2022 seien bereits 137 Messen entweder später ins Jahr verschoben oder ganz abgesagt worden, darunter auch große Branchentreffen wie die Grüne Woche oder die Hannover Messe.

Den volkswirtschaftlichen Schaden beziffert der Verband mit Verweis auf eine Berechnung des Ifo-Instituts auf 51 Milliarden Euro. Darin enthalten sind unter anderem entgangene Umsätze für Hotelübernachtungen und Gastronomie, für Messebauer und die Messeveranstalter selbst. 230.000 Arbeitsplätze in Deutschland hängen laut Auma an der Messewirtschaft, 165.000 davon seien inzwischen akut gefährdet.

Frühe Planungssicherheit sei jetzt vor allem für Messen wichtig, die ab April auf dem Terminkalender stehen, sagte Holtmeier: „Messen brauchen zwei bis drei Monate Vorlauf für eine vernünftige Planung.“ Konzertveranstalter stehen nach Angaben von BDKV-Präsident Michow gerade vor den letzten Vorbereitungen der Festival-Saison. Der Kartenvorverkauf laufe allerdings sehr schleppend. „Die Menschen haben das Vertrauen verloren, dass Veranstaltungen überhaupt stattfinden und wollen erst einmal die weitere Entwicklung abwarten.“

© dpa-infocom, dpa:220214-99-113482/4

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