Verein Bremer Spediteure

Schiffsverkehr nach Asien gut ausgelastet

Derzeit sei es schwierig, für Container Platz auf einem Schiff in Richtung Asien zu bekommen. Warum das so ist, hat der Vorstand vom Verein Bremer Spediteure auf seiner Jahrespressekonferenz erläutert.
09.07.2020, 05:00
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Schiffsverkehr nach Asien gut ausgelastet
Von Peter Hanuschke
Schiffsverkehr nach Asien gut ausgelastet

Für Bremerhaven wünscht sich der Verein Bremer Spediteure mehr politische Unterstützung aus Berlin.

Detmar Schmoll

Wer seine Ware im Container noch im Juli per Schiff in Richtung Asien verschicken lassen möchte, der wird nach Angaben des Vereins Bremer Spediteure (VBS) dafür keinen Platz mehr finden. Nur vereinzelt sei das vielleicht noch möglich, vorausgesetzt, der Kunde sei bereit, dafür einen Zuschlag zu zahlen. Es boome nahezu im Bereich Containerverkehr in den Häfen, allerdings nur in Rotterdam und Antwerpen – nicht in den deutschen Seehäfen. Grund für diese Entwicklung: Wegen der Corona-Krise haben die großen Linien-Reedereien etwa zehn Prozent ihres Transportvolumens aus dem Verkehr gezogen. Es gibt momentan mehr Ladung als Tonnage.

Das sorge zumindest in diesem Segment dafür, dass die Transportvolumen zwar eingebrochen sind, aber die Erträge in der Logistikkette relativ hoch seien, sagte Ulrike Baum, Vorständin bei Röhlig Logistics und Vorstandsmitglied beim Verein Bremer Spediteure. Es gebe aber auch Bereiche, in denen die Corona-Krise den Spediteuren massive Einbrüche beschert habe. Das ist laut dem Vereinsvorsitzenden Oliver Oestreich, der im Vorstand des Bremer Logistikunternehmens Lexzau, Scharbau & Co ist, in der Automobil-Zuliefererlogistik der Fall, weil die Bänder bei den Autoherstellern für mehrere Wochen stillgestanden hatten. Im Rahmen seiner am Montag stattfindenden Mitgliederversammlung hatte der VBS am Dienstag traditionell zur Pressekonferenz eingeladen.

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Der übliche Rückblick ins zurückliegende Geschäftsjahr fiel dieses Mal knapp aus: 2019 sei ein gutes Jahr für die Branche gewesen, aber durch die Corona-Krise sei es gefühlt einfach sehr weit weg, so Oestreich. „Im vergangenen Jahr hatten wir als Prognose für 2020 gesagt, dass die Transportmengen aufgrund der Konjunkturaussichten etwas zurückgehen würden. Da hatte natürlich keiner mit einer Pandemie gerechnet.“ Die negativen Auswirkungen durch Corona seien aber geringer ausgefallen, als bei Ausbruch der Krise angenommen. „Wir sind von einem Desaster ausgegangen. Das ist zum Glück nicht so gekommen. Bildlich gesprochen: Corona hat stark an der Statik gerüttelt, aber die Pandemie hat das Haus nicht zum Einsturz gebracht.“ In der Krise habe sich gezeigt, was in der Branche das wahre Kapital sei: Das seien die Mitarbeiter und eine leistungsfähige IT.

Weniger Ladevolumen

Dass die großen Linienreedereien im Asienverkehr sogar ein gutes Geschäft machten, sei ebenfalls nicht vorauszusehen gewesen. Die taktische Verknappung des Ladevolumens habe zu hohen Raten geführt, so Oestreich. Keine Reederei sei ausgeschert und habe versucht, mit Dumpingpreisen in den Markt zu gehen, um so Ladung von den Mitbewerbern abzuziehen. „So eine Disziplin hat es seit Jahren nicht mehr gegeben.“ Weshalb das so sei, darüber könne nur spekuliert werden. „Ich vermute, dass die eine oder andere Reederei so sehr am Abgrund gestanden hat, dass sie den ruinösen Preiswettbewerb der Vorjahre nicht weiter hätte mitgehen können.“ Bezogen auf das Ladungsvolumen sei weniger in diesem Fall mehr.

Die Preisaufschläge seien bei vielen Kunden auf Verständnis gestoßen. „Das war häufig selbst dann der Fall, wenn die Preise vor der Krise schon fest vereinbart waren“, sagte Oestreich. Das beziehe sich auch auf weitere Zuschläge, die die Reedereien erheben – das erhöhe die Verladesicherheit. Und dass der Container tatsächlich aufs Schiff komme, sei dem Kunden eben besonders wichtig. Diese Preissteigerungen gebe es aber nicht auf den Strecken Richtung Westen. In den USA oder in Brasilien sei die Konjunktur noch sehr stark durch die Pandemie gebremst.

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Carsten Hellmers, Geschäftsführer von Alexander Global Logistics und Vorstandsmitglied beim Verein Bremer Spediteure, geht davon aus, dass das Preisniveau in den nächsten Wochen im Asien-Verkehr etwas zurückgehen wird. Dass vom Asien-Containergeschäft die deutschen Häfen weniger profitieren, sei bedauerlich. Dass das so ist, liegt aus seiner Meinung daran, weil in den Niederlanden und in Belgien die Häfen eine viel höhere Bedeutung haben. „Politik unterstützt in diesen Ländern die Häfen im Bereich Marketing viel stärker als in Deutschland.“ Außerdem würden dort Infrastrukturprojekte viel schneller umgesetzt.

„Diese Kritik richtet sich nicht an die Bremer Politik – Berlin ist vielmehr gefordert, die richtigen Weichen zu stellen.“ Die beiden deutschen Seehäfen Bremerhaven und Hamburg hätten jahrelang gerade durch guten Schienenverkehr ins Hinterland Vorteile gehabt. Diese Vorteile gebe es nicht mehr. „Rotterdam und Antwerpen haben da längst aufgeholt und in der Hafeninfrastruktur die deutschen Häfen überholt.“ Als Bremer Unternehmen sei man emotional natürlich eng mit den bremischen Häfen verbunden, „dennoch sind wir als Logistikunternehmen auch verstärkt in Rotterdam und Antwerpen aktiv, wo eben viel mehr Geschäft zu machen ist.“

Auszubildende gesucht

Dass sich die Corona-Krise an vielen Stellen bemerkbar macht, zeigt sich an der Ausbildungssituation. "Wir haben sonst jedes Jahr über 200 neue Auszubildende, jetzt liegen wir erst bei 130", sagte der VBS-Geschäftsfüjhrer Robert Völkl. Corona habe Bewerbungsgespräche teilweise unmöglich gemacht. "Da die Berufsschule aber erst im September beginnt, haben wir die Hoffnung, dass sich jetzt noch Bewerber melden." Man spüre aber auch, dass es in Niedersachsen wegen der Umstellung am Gymnasium von G8 auf G9 in diesem Jahr keine Absolventen gibt, so Vereins-Vorstandsmitglied Holger Schulz von EKB Container Logistik. "Unser Ziel ist aber weiterhin, mit genauso vielen Auszubildenden wie in den Vorjahren zu starten.

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