Geschichten, die wir uns wünschen Vergangenheit als Zukunft

Bremens Zukunft hat drei Zeichen. BX7. Kryptisch – aber doch erfüllen sie viele Bremer mit Stolz, Hoffnung und Gedanken an die 50er-Jahre, als das Leben in der Hansestadt unbeschwerter schien.
02.01.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Bremens Zukunft hat drei Zeichen. BX7. Kryptisch – aber doch erfüllen sie viele Bremer mit Stolz, Hoffnung und Gedanken an die 50er-Jahre, als das Leben in der Hansestadt unbeschwerter schien. Verantwortlich dafür ist Ulrich Walker. Seine Vision ist gleichzeitig die Hoffnung Bremens. Doch das schien lange anders.

Der 15. September war ein großer Tag für Walker. Lange hatte er auf diesen Moment hingearbeitet. Der Vorstandsvorsitzende von Borgward wollte begeistern, Autofans, Experten, die Presse. An jenem 15. September hat Walker sein lang gehegtes Geheimnis gelüftet: Auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main wurde nach mehr als 50 Jahren wieder eine neues Auto unter dem Namen Borgward präsentiert.

In Bremen, der Geburtsstätte der legendären Automarke, waren die Erwartungen an diesen Tag gering. Ein SUV, Firmensitz in Stuttgart, Produktion in China. Schon vorher war klar, dass der neue Borgward nichts mit der alten Heimat zu tun haben würde. Bis jetzt. Denn Borgward plant ein Werk in Bremen zu eröffnen. Das belegen interne Papiere, die dem WESER-KURIER vorliegen. Bei Borgward selbst wollte sich allerdings niemand zu diesem Vorhaben äußern.
Eine Fabrik in Bremen würde in die Strategie des jungen Autobauers passen. Im Herbst dieses Jahres sagte Walker dem „Handelsblatt“: „Wir prüfen derzeit den Bau einer Fabrik in Deutschland.“ Während der Borgward-SUV BX7 als erstes in China mit einem normalen Verbrennungsmotor verkauft wird, soll das Marktdebüt in Europa mit einem Alternativ-Antrieb erfolgen. „Wir werden mit einem Hybrid- und einem Elektroantrieb beginnen“, sagte Walker.

Walker ist weltgewandt. Er war Vorstand von Mitsubishi, Chef der Daimler-Tochter Smart und zwischen 2006 und 2013 für Mercedes in China, Taiwan und Korea zuständig. Asien kennt er. Und nun ist also Bremen dran. Auch wenn viele es sich wahrscheinlich erhoffen: Die Entscheidung für die Hansestadt hat dem Vernehmen nach nichts mit sentimentalen Gefühlen zu tun. Entscheidend sind die Zahlen. Mit Bremerhaven gebe es eine gute Anbindung an andere Wirtschaftsräume, heißt es in dem Papier. In Bremen solle nur die Endproduktion stattfinden. Die vorgefertigten Autos würden von der Fabrik in China nach Deutschland transportiert, in der Hansestadt sollen dann Komponenten wie etwa Batterien eingebaut werden.

Geschichten, die wir uns wünschen

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Entstehen soll das neue Borgward-Werk im Gewerbegebiet Hansalinie. Dort sollen bis zum Frühjahr 50 zusätzliche Hektar erschlossen werden, etwa die Hälfte will Borgward übernehmen. Der Autobauer ist damit in guter Nachbarschaft. In unmittelbarer Nähe befindet sich das Mercedes-Werk. Mit mehr als 150 Hektar ist es allerdings deutlich größer. Auf dem Gelände befindet sich auch ein wichtiger Ort aus der Borgward-Historie. 1938 wurden auf dem Gelände die Carl F.W. Borgward Automobil- und Motorenwerke eröffnet. Zudem haben in der Hansalinie zahlreiche, wichtige Automobilzulieferer und -logistiker ihren Sitz, mit denen Borgward ins Geschäft kommen könnte.

Wie viel der Autobauer in sein Bremer Werk investieren will, ist noch nicht bekannt. Dass es schnell gehen muss dagegen schon. Will Borgward seinen eigenen Zeitplan einhalten, muss die neue Fabrik innerhalb eines Jahres entstehen. Denn schon Anfang 2017 sollen die ersten beiden Modelle in Deutschland auf den Markt kommen. Von hier aus sollen die Fahrzeuge auch ins restliche Europa geliefert werden.

Also ein bisschen so wie in den 50er-Jahren. Damals war die Bremer Automarke über die Landesgrenzen hinaus beliebt, etwa jeder dritte Borgward wurde ins Ausland exportiert; Vertragshändler und -werkstätten repräsentierten die Bremer auf allen Kontinenten.
Bereits in diesem Jahr soll der Verkauf des BX7 in China beginnen. Außerhalb von China sollen die ersten Borgward-Autos im deutschsprachigen Raum verkauft – und später dann in andere EU-Staaten exportieren werden. Der Verkauf solle sich mittelfristig von 50.000 auf 100.000 Fahrzeuge steigern. „Jedes Jahr wollen wir zwei neue Autos auf den Markt bringen“, sagte Walker dem „Handelsblatt“. Für den Wirtschaftsstandort Bremen sind das gute Nachrichten, hieß es aus der Behörde. Ein Sprecher des Wirtschaftssenators bestätigte lediglich, dass eine Anfrage von Borgward für eine mögliche Automobil-Produktion vorliege.

Welche Modelle Borgward neben dem SUV BX7 noch plant, ist geheim. Dass die neuen Fahrzeuge ihren Vorgängern ähneln, ist allerdings unwahrscheinlich. „Wir haben aber auch nicht den Anspruch, eine Isabella 2 aufleben zu lassen“, sagte Walker während der IAA im Interview mit dem WESER-KURIER. „Es ist schwierig, in einen SUV die Formen der früheren Borgward-Limousinen einzubringen. Vieles geht heute allein schon wegen der Vorschriften nicht mehr.“
Viele Bremer werden wohl weiter hoffen. Schließlich schien auch ein Borgward-Comeback lange unmöglich.

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