Unsichere Reisemöglichkeiten Corona-Pandemie erschwert die Urlaubsplanung

Auch wenn es schwer fällt: Viele Arbeitgeber verlangen Anfang des Jahres eine Planung für den Jahresurlaub. Doch die Ungewissheit ist groß, denn ob und wann eine Reise möglich sein wird, steht in den Sternen.
26.01.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Finn Mayer-Kuckuk

Reisen waren im vergangenen Jahr schwierig – mancher Arbeitnehmer hat daher nicht alle Urlaubstage aufgebraucht. Das Leben im Homeoffice verführt überdies dazu, die Arbeitszeiten zu überschreiten.

In den meisten Fällen werden die Urlaubstage mit dem Jahreswechsel verfallen sein. Es gibt jedoch eine Ausnahme, die vielen derzeit noch nicht bewusst ist. Seit einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom Februar 2019 müssen die Betriebe jedem Mitarbeiter klar ankündigen, dass sein Urlaub verfällt, wenn er ihn nicht im Kalenderjahr nimmt. „Sonst lassen sich die Urlaubstage auf 2021 übertragen“, sagt Anwalt Volkert Serth von der Wirtschaftskanzlei FPS in Frankfurt. Die Änderung der Rechtspraxis im Vergleich zu dem, was in Deutschland lange üblich war, geht auf Entscheidungen des Bundesarbeitsgerichts zurück. Wenn der Arbeitgeber also geschlafen hat, dann können Sie in diesem Jahr besonders viel Urlaub nehmen.

Nicht genommener Urlaub verfällt

Typisch für einen solchen Hinweis wäre eine E-Mail mit Lesebestätigung. Der Hinweis auf den Verfall des Urlaubs muss zudem so rechtzeitig erfolgen, dass die Arbeitnehmerin noch eine Chance hat, die Tage noch in dem betreffenden Jahr zu nehmen. Anwalt Serth empfiehlt den Unternehmen, die Mitarbeiter sicherheitshalber bereits bis Ende April zu benachrichtigen. Auch ein späterer Zeitpunkt dürfte noch ausreichen, aber beispielsweise im Herbst wird es zu spät sein, um der Fürsorgepflicht noch nachzukommen. Wer also erst im November eine Warnung zu verfallendem Jahresurlaub von der Personalabteilung erhalten hat, kann die verbliebenen Tage also vermutlich noch 2021 nutzen. Die Arbeitsgerichte haben über solche Fälle allerdings noch nicht entschieden, sodass noch keine Klarheit herrscht.

Der Urlaub ist im Allgemeinen aber auch dann zu nehmen, wenn keine urlaubsmäßigen Aktivitäten möglich sind. „Wenn kein Flieger geht, müssen Sie den Urlaub eben zu Hause nehmen“, sagt Serth. Der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, ihn zurückzunehmen. Epidemiologen erwarten für den Frühsommer einen hohen Krankenstand, wenn die gefährdeten Gruppen geimpft sind und die übrige Bevölkerung mit den Einschränkungen nachlässt. Mit einem vorgelegten Attest bleiben die Urlaubstage in diesem Fall aber erhalten. In Bezug auf die Arbeitszeit gelten auch im Lockdown die gleichen Regeln wie sonst. „Die Arbeitgeber sind verpflichtet, das Arbeitszeitgesetz einzuhalten“, sagt Serth. Es sei inzwischen üblich geworden, dass die Mitarbeiter zu Hause ihre Arbeitszeit dokumentieren. Sie können beispielsweise in eine Excel-Tabelle in der Cloud eintragen, von wann bis wann sie gearbeitet haben. „Wird die Arbeitszeit überschritten, ist das in Freizeit auszugleichen“, so Serth.

Tägliche Arbeitszeiten erfassen

Wenn auch Kinder und Haushalt Aufmerksamkeit fordern, ist gutes Zusammenspiel zwischen dem Betrieb und seinen Mitarbeitern gefragt. Die Arbeitnehmer sollten die tatsächliche Arbeitszeit nach bestem Gewissen erfassen, und die Arbeitgeber müssen Vertrauen entwickeln.

„Die Arbeitszeit ist im Homeoffice nun einmal schwieriger zu überwachen“, sagt Serth. Die Situation löst bei einigen Chefs zwar Misstrauen aus. Jetzt ist aber nicht die Zeit für besondere Strenge.

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