Kritik an Lohndumping

Von der Leyen droht Drogeriekette Schlecker

München . Die Drogeriemarktkette Schlecker steht wegen ihrer Beschäftigungspolitik heftig in der Kritik. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will Vorwürfe der systematischen Tarifflucht überprüfen.
11.01.2010, 09:08
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von der Leyen droht Drogeriekette Schlecker

Eine Schlecker-Filiale.

Chrsitian Butt

München . Die Drogeriemarktkette Schlecker steht wegen ihrer Beschäftigungspolitik heftig in der Kritik. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will Vorwürfe der systematischen Tarifflucht überprüfen.

Demnach betreibt das Unternehmen Lohndumping durch den vermehrten Einsatz von Zeiarbeitsfirmen. "Bei Schlecker gucken wir sehr genau hin, ob da Missbrauch betrieben wird oder ob Gesetze umgangen werden. Wenn das der Fall ist, werden wir diese Schlupflöcher schließen", sagte die Ministerin am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Anne Will". Zur Not werde die Regierung gesetzlich nachsteuern. Der Konzern mit mehr als 30.000 Mitarbeitern schließt dem Bericht zufolge AS-Filialen und eröffnet neue XL-Märkte, deren Beschäftigte nach Angaben der Gewerkschaft Verdi nur noch halb so viel wie diejenigen in den AS-Märkten verdienen, da sie als Leiharbeitskräfte beschäftigt sind.

Der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Karl Josef Laumann (CDU) warf dem Unternehmen in einem Brief an die Schlecker-Mitarbeiter systematische Tarifflucht vor, die "das soziale Gefüge in Schieflage" bringe, wie die "Süddeutsche Zeitung" am Montag zitierte. Der Konzern mit mehr als 30.000 Mitarbeitern schließt dem Bericht zufolge AS-Filialen und eröffnet neue XL-Märkte, deren Beschäftigte nach Angaben der Gewerkschaft Verdi nur noch halb so viel wie diejenigen in den AS-Märkten verdienen, da sie als Leiharbeitskräfte beschäftigt sind. Zeitarbeit sei dazu da, betriebliche Auftragsspitzen abzufangen oder im Falle von Urlaub oder Krankheit Vertretungen bereitzustellen, zitierte die "Süddeutsche" aus Laumanns Brief. Sie dürfe nicht dazu missbraucht werden, "um mit ihrer Hilfe Stammbelegschaften zu ersetzen". Der Bundesverband Zeitarbeit (BZA) hat sich bereits von der Geschäftspolitik Schleckers distanziert. "Solch ein Geschäftsgebahren entspricht nicht dem ursprünglichen Sinn der Zeitarbeit und schadet unserem Image", sagte BZA-Hauptgeschäftsführer Ludger Hinsen der "Berliner Zeitung" vom Samstag.

Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der FDP, Heinrich Kolb, kündigte gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" an, dass die Koalition gegen den Missbrauch der Zeitarbeit vorgehen wolle. "So, wie das bei Schleckerläuft, darf das nicht sein", sagte er dem Blatt. Darin sei er sich mit dem Arbeitsmarktexperten der Union, Karl Schiewerling (CDU), einig. Schiewerling wolle noch im Januar mit Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) darüber sprechen. Auch der CSU-Abgeordnete Josef Göppel wandte sich laut dem Bericht an von der Leyen. SPD-Chef Sigmar Gabriel zeigte sich demnach in einem Brief an Firmenchef Anton Schleckerbesorgt.

Dem Zeitungbericht zufolge verleiht die Firma Meniar mit Sitz in Zwickau die Mitarbeiterinnen an Schlecker. Sie zahle Stundenlöhne von 6,50 Euro bis sieben Euro. Die Beschäftigten bekämen zudem weniger Urlaubstage und kein Weihnachts- oder Urlaubsgeld. Meniar werde von einem ehemaligen Schlecker-Personalmanager geleitet. Laut Verdi habe das Unternehmen bereits mehr als 4000 Leiharbeiter an Schleckervermittelt. (afp)

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+