Weg zur Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen ist frei

Vonovia-Aktionäre geben grünes Licht

Düsseldorf. Deutschlands größter Immobilienkonzern Vonovia treibt seine Pläne zur feindlichen Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen energisch voran. Die Aktionäre des Konzerns gaben am Montag auf einer außerordentlichen Hauptversammlung in Düsseldorf grünes Licht für eine Kapitalerhöhung, mit der Vonovia einen Großteil des Kaufpreises für den Rivalen bezahlen will.
01.12.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Erich Reimann

Deutschlands größter Immobilienkonzern Vonovia treibt seine Pläne zur feindlichen Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen energisch voran. Die Aktionäre des Konzerns gaben am Montag auf einer außerordentlichen Hauptversammlung in Düsseldorf grünes Licht für eine Kapitalerhöhung, mit der Vonovia einen Großteil des Kaufpreises für den Rivalen bezahlen will. Der Konzern will nun „sehr zeitnah“ sein Kaufangebot vorlegen.

Insgesamt stimmten auf der Hauptversammlung gut 78 Prozent des anwesenden Kapitals der Kapitalerhöhung zu und machten damit den Weg für das Angebot frei. Notwendig gewesen wäre eine Zustimmungsquote von 75 Prozent. Der Ausgang der Abstimmung war mit Spannung erwartet worden. Denn die Deutsche Wohnen hatte am Freitag überraschend für rund 1,2 Milliarden Euro mehr als 10 000 Wohnungen vom kleineren Rivalen Patrizia gekauft – wohl auch, um damit die Übernahmepläne zu torpedieren.

Vonovia-Chef Rolf Buch hatte vor der Abstimmung an die eigenen Aktionäre appelliert, dem Vorstand trotz aller Abwehrversuche des Frankfurter Rivalen grünes Licht für seine Übernahmepläne zu geben. Auch nach dem Milliardenzukauf der Deutsche Wohnen mache der Kauf weiter Sinn.

Eine Deutsche-Wohnen-Sprecherin erklärte, man habe mit der Zustimmung der Vonovia-Hauptversammlung gerechnet. Alles andere wäre ein Misstrauensvotum der Aktionäre gegen den Vorstand gewesen. „Wir warten jetzt die Veröffentlichung der Angebotsunterlagen ab.“

Buch zeigte sich trotz des recht knappen Ausgangs mit der Abstimmung zufrieden. Die wirtschaftliche Logik spreche für den Zusammenschluss. Im hoch fragmentierten Immobilienmarkt müsse die Konsolidierung weiter vorangetrieben werden. Sein Ziel sei es nun, eine Mehrheit der Deutsche-Wohnen-Aktionäre für eine Annahme des Kaufangebots zu gewinnen. Einen Preisaufschlag für das milliardenschwere Immobilienpaket, das sich die Deutsche Wohnen Ende vergangener Woche sicherte, werde es aber nicht geben.

Vonovia will nun „sehr zeitnah“ ihr Angebot an die Aktionäre der Deutsche Wohnen vorlegen. Die Angebotsfrist werde voraussichtlich am 26. Januar 2016 enden, kündigte das Unternehmen an. Stimmt die Mehrheit der Deutsche-Wohnen-Aktionäre zu, soll der Kauf noch im ersten Quartal kommenden Jahres abgeschlossen werden.

Das Management der Deutsche Wohnen hatte die Übernahme zuletzt vehement abgelehnt. Das Angebot entspreche nicht dem Wert von Deutsche Wohnen und die in Aussicht gestellten Sparziele seien nicht realistisch, schrieb Deutsche-Wohnen-Vorstandschef Michael Zahn in einem Brief an die Aktionäre.

Vonovia will sich den Kauf des Konkurrenten rund 14 Milliarden Euro kosten lassen. Vonovia-Chef Buch erwartet durch den Zusammenschluss Einsparungen in Höhe von rund 84 Millionen Euro – unter anderem durch geringere Verwaltungskosten und Kostenvorteile bei der Instandhaltung der Gebäude.

Mit der Übernahme würde die Nummer eins auf dem deutschen Immobilienmarkt, die Nummer zwei schlucken. Dadurch entstünde ein neuer Immobilienriese mit mehr als 510 000 Wohnungen. Vonovia würde damit die eigene Marktführerschaft wohl für Jahre zementieren. Denn der neue Konzern wäre damit rund viermal so groß wie der nächste Verfolger, die Düsseldorfer LEG.

Der Zusammenschluss würde für Mieter nichts Gutes bedeuten – davon ist zumindest der Deutsche Mieterbund überzeugt: „Die Übernahme der Deutsche Wohnen würde den Druck zur Kostensenkung einerseits und Steigerung der Einnahmen andererseits erhöhen. Es wäre nicht verwunderlich, wenn anschließend die Mieten steigen“, warnt Silke Gottschalk, Geschäftsführerin des Deutschen Mieterbundes NRW. Vonovia-Chef Rolf Burg sieht das ganz anders. Er verspricht, auch die Mieter würden von dem Zusammenschluss profitieren, da das neue Unternehmen mehr Geld in die Erneuerung der Wohnungen investieren könne und mehr Spielraum für den Ausbau von Dienstleistungen habe.

Trotz der Größe gelten beide Unternehmen – alleine oder zusammen – aber nicht als übermächtig: Die große Mehrzahl der geschätzt mehr als 20 Millionen Mietwohnungen in Deutschland ist in der Hand von kleineren Privatvermietern. Professionelle Unternehmen wie große Wohnungsgesellschaften oder auch Genossenschaften und kommunale Anbieter sind in der Minderheit.

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