Konzern plant Milliarden-Übernahme

Vonovia nimmt neuen Anlauf

Bochum/Wien. Die Atempause bei Deutschlands größtem Vermieter Vonovia dauerte gerade mal gut sechs Monate: Nach der gescheiterten Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen ist der Bochumer Immobilienriese wieder auf Übernahmekurs. Ziel der von Vonovia-Chef Rolf Buch diesmal ausdrücklich als „freundlich“ eingestuften Milliarden-Offerte ist das börsennotierte Wiener Immobilienunternehmen Conwert.
06.09.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Uta Knapp und Michaela Nehren-Essing

Bochum/Wien. Die Atempause bei Deutschlands größtem Vermieter Vonovia dauerte gerade mal gut sechs Monate: Nach der gescheiterten Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen ist der Bochumer Immobilienriese wieder auf Übernahmekurs. Ziel der von Vonovia-Chef Rolf Buch diesmal ausdrücklich als „freundlich“ eingestuften Milliarden-Offerte ist das börsennotierte Wiener Immobilienunternehmen Conwert. Mit einem erwarteten Gesamtvolumen von rund 2,9 Milliarden Euro und rund 24 500 vorwiegend in Deutschland gelegenen ­Wohnungen würde die Übernahme jedoch deutlich kleiner ausfallen als die im Frühjahr nach einem monatelangen Übernahmekampf gescheiterte feindliche Übernahme.

Nach dem vorläufigen Ende für den Traum vom Mega-Immobilienkonzern hatte Vonovia-Chef Buch zunächst noch Übernahmeangebote für weitere börsennotierte Unternehmen „auf absehbare Zeit“ ausgeschlossen. Die nun geplante Übernahme der erst im Jahr 2001 gegründeten österreichischen Immobiliengesellschaft sei kurzfristig eingefädelt worden, berichtete Buch. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Wien besitzt neben Wohnimmobilien auch Gewerbeimmobilien wie etwa Büros und Einkaufscenter. Im ersten Halbjahr 2016 hatte Conwert den operativen Gewinn um mehr als die Hälfte auf 39,3 Millionen Euro gesteigert. Der Nettogewinn verdreifachte sich auf 74,9 Millionen Euro.

Aktionärsvertreter begrüßten den nun geplanten Einstieg von Vonovia bei dem Wiener Unternehmen. „Ich hatte gedacht, die Konsolidierung ist zu Ende“, sagte Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Der Schritt sei nun überraschend gekommen. Mietervertreter kritisierten dagegen den geplanten Zusammenschluss. Der Wachstumskurs gehe auf Kosten der Nachhaltigkeit, sagte Silke Gottschalk vom Mieterbund in NRW. In der Kritik sei der Wohnungsriese derzeit etwa durch Modernisierungen, bei denen die gesetzlichen Umlage-Möglichkeiten zulasten der Mieter „üppig ausgeschöpft“ würden.

Deutschlands größter Immobilienkonzern Vonovia mit Sitz in Bochum ist in den vergangenen Jahren vor allem durch Großübernahmen stark gewachsen. Seit gut drei Jahren steht der ehemalige Bertelsmann-Manager Rolf Buch an der Spitze des Vermieters mit bundesweit rund 340 000 Wohnungen. Unter seiner Regie wurde aus einem Unternehmen im Besitz eines Finanzinvestors eine seit 2013 börsennotierte Gesellschaft mit einem breiten Streubesitz. Mit dem Zukauf des Konkurrenten Gagfah vor eineinhalb Jahren änderte der zuvor unter dem Namen Deutsche Annington bekannte Konzern auch seinen Namen und zog anschließend als erstes Immobilienunternehmen in den Dax ein.

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