Dieselrückruf-Aktion läuft nur schleppend / Bisher erst einige Tausend Fahrzeuge umgerüstet VW zieht den Golf vor

Wolfsburg. „Aktion 23R7“ heißt das Software-Update zur Abgas-Krise bei Volkswagen. Doch die größte Rückruf-Aktion in der Konzerngeschichte kommt nicht richtig in Gang.
04.05.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste

Wolfsburg. „Aktion 23R7“ heißt das Software-Update zur Abgas-Krise bei Volkswagen. Doch die größte Rückruf-Aktion in der Konzerngeschichte kommt nicht richtig in Gang. Wegen technischer Probleme beim Passat hat VW nun die ersten Golf-Modelle vorgezogen. In Relation zu den weltweit mehr als elf Millionen manipulierten Dieseln sind die jetzt für den Rückruf freigegebenen 15 000 Modelle TDI Blue Motion mit 2,0 Liter Motor und Schaltgetriebe allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein: Gerade einmal 0,14 Prozent. Eine läppische Zahl, die im Konzern aber an einem regnerischen Dienstag dennoch ein fast vergessenes Gefühl des Optimismus verbreitet.

„Die Botschaft hinter der Zahl ist entscheidend“, heißt es aus dem 20-köpfigen Aufsichtsrat von Volkswagen. Die wochenlange Wartezeit sei damit endlich beendet, ist aus den rund 2000 VW-Werkstätten zu hören. Nach dem Rückrufstart für 8400 Modelle des VW-Pickups Amarok im Januar war und ist aber noch immer Geduld gefragt. Denn anstelle der erwarteten 160 000 Passat-Diesel, die Ende Februar zurückgerufen werden sollten, passierte praktisch nichts. So wie auch an diesem Dienstag, als kaum ein übereifriger Golf-Fahrer in die Werkstatt eilt, um die „Aktion 23R7“ durchführen zu lassen.

„Das ist natürlich ärgerlich“, betont ein Werkstattbesitzer. Auch in den Händlerkreisen gärt der Unmut: „Da wurden Urlaubsverbote ausgesprochen, mehr Leihwagen bereit gestellt und Zusatzkräfte eingestellt, weil man sich auf die Aussagen von VW verlassen hat.“ Händler und Werkstätten seien in Vorkasse gegangen. Das Geld sei nun weg, aber man werde es auf jeden Fall von Volkswagen zurückfordern. „Darauf kann sich der Konzern schon mal einstellen.“ Neben dem Amarok dürfen bislang nur Modelle der VW-Töchter Audi und Seat von der illegalen Software befreit werden. „Es ist natürlich bedauerlich, dass ausgerechnet die Kernmarke VW hier bislang nicht vorankommt“, heißt es aus dem Konzern.

Doch das soll sich bald ändern. „Es kommt jetzt bald das fehlende Volumen in den Rückruf“, heißt es. Bis zur Hauptversammlung am 22. Juni – so die Hoffnungen – sollen weitere Modelle in die Werkstätten dürfen. Optimistisch ist von „Millionen“ die Rede. Nach dem schlechten Erfahrungen der vergangenen Wochen ist dies aber nur hinter vorgehaltener Hand zu erfahren und fast reflexartig kommt die Einschränkung „die letzte Entscheidung liegt natürlich beim KBA“.

Der bereits verbuchte Zeitverlust von vier Monaten wird VW aber dennoch noch lange beschäftigen. Dessen ist sich auch VW-Vorstandschef Matthias Müller bewusst. „Wir sind damit noch nicht so weit, wie wir es gerne wären“, erklärt er. Nachdem ein Viertel des Jahres verstrichen ist, ohne beim Rückruf nennenswert voranzukommen, kann Müller längst nicht mehr ausschließen, die Aktion bis ins erste Quartal 2017 strecken zu müssen. Intern wird der Verzug auf rund 250 000 Fahrzeuge beziffert.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+