IG Metall fordert längere Kurzarbeit-Option Kreuzfahrtschiffbau in der Krise

Im Kreuzfahrtschiffbau in Papenburg und in Mecklenburg-Vorpommern sind durch die Corona-Krise bereits 8000 Beschäftigte in Kurzarbeit. Wie es laut IG Metall um die Werften an der Weser steht.
07.05.2020, 17:31
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Kreuzfahrtschiffbau in der Krise
Von Peter Hanuschke

Deutsche Werften sollen ihre Kurzarbeit auch über den März 2021 hinaus fortführen dürfen. Dafür hat sich der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Daniel Friedrich, an diesem Donnerstagvormittag in Hamburg ausgesprochen. Entsprechend müsse das Kurzarbeitergeld von staatlicher Seite gesichert sein, außerdem müsse es von dort auch zusätzliche Unterstützung in Form von Kreditprogrammen geben. Das hält Friedrich für dringend notwendig vor dem Hintergrund, wie sich die Folgen der Corona-Pandemie derzeit besonders beim Bau von Passagierschiffen auswirken.

Laut IG Metall sind in diesem Bereich bereits etwa 8000 Beschäftigte in Kurzarbeit – der Großteil davon auf der Papenburger Meyer-Werft im Emsland und den MV-Werften in Mecklenburg-Vorpommern. Die Werften an der Weser wie Lürssen und Fassmer, die auch für den Marineschiffbau tätig sind, hätten dagegen noch eine relativ stabile Auftragslage, heißt es von der Gewerkschaft. Gleiches gelte für die Lloyd-Werft in Bremerhaven zumindest noch bis etwa Ende dieses Jahres. Auch die Lürssen-Tochter Blohm + Voss in Hamburg habe ein relativ gutes Auftragsvolumen. Diese Werft profitiere in erster Linie von Reparatur- und Modernisierungsarbeiten.

Trotz dieser Ausnahmen müsse der Schiffbau insgesamt in Deutschland gestärkt und unterstützt werden, etwa durch beschleunigte Auftragsvergabe bei Behörden-, Forschungs- und Marineschiffen, wie Friedrich weiter sagte. Außerdem müsse die "Grüne Schifffahrt“ gefördert werden. Die Entwicklung und der Bau von emissionsarmen Antriebssystemen müsse als Chance für den Schiffbau in Deutschland genutzt werden, so Friedrich. Dass der Schiffbau bis zum Ausbruch der Corona-Krise, die nicht nur Werften, sondern auch Zulieferindustrie trifft, in einem guten Zustand war, zeigen die Zahlen. Knapp 104 000 Beschäftigte gab es 2019, nach Angaben der IG Metall ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 11,2 Prozent. Von diesen Beschäftigten arbeiten etwa 18 000 als Stammbelegschaft auf den Werften. Den größten Anteil macht mit 62 Prozent die Zulieferindustrie aus. Der Beschäftigungszuwachs im vergangenen Jahr sei auf den boomenden Passagierschiffbau zurückzuführen gewesen, so Friedrich.

Mit der Corona-Pandemie sei das Kreuzfahrtgeschäft aber zum Erliegen gekommen. „Die Reeder verdienen nichts mehr“, sagte der IG-Metall-Bezirksleiter. Die Badewanne der Reeder sei durch die sehr guten Vorjahre voll mit Geld, doch das fließe täglich ab. „Die Reeder können derzeit den Pfropfen zum Schließen nicht finden.“ Zwar seien in den Orderbüchern der Werften noch 200 Kreuzfahrtschiffe, die bis 2027 noch gebaut werden sollen, aber das Interesse der Reeder, die bestellten Schiffe wie vor der Krise schnellstmöglich zu bekommen, existiere natürlich derzeit nicht. Dass die Reeder nun mit den Werften verhandeln, um die Aufträge zu strecken, sei in dieser Situation für alle Beteiligten am sinnvollsten.

Letztlich sei aber vor allem entscheidend, wann die Covid-19-Pandemie eingedämmt werde und wie schnell Welthandel und Kreuzfahrttourismus wieder anziehen. Dass die Kreuzfahrtbranche ein Segment mit Perspektive sei, zeige sich daran, dass es neue Buchungen fürs nächste oder übernächste Jahr gebe, so Friedrich. Deshalb sei es wichtig, die nächsten mindestens 20 Monate zu überbrücken. Zum einen über Kurzarbeitergeld, zum anderen über Kreditbürgschaften und Kreditprogramme. Ziel müsse es sein, die Strukturen zu erhalten, um auch die Beschäftigten und deren Know-how zu sichern. Insgesamt müsse der Schiffbau auch durch öffentliche Aufträge gefördert werden. Davon profitieren alle Werften. Denn an solchen Aufträgen könnten sich auch mehrere Unternehmen beteiligen, unabhängig davon, ob sie nun vornehmlich im Passagierschiffbau oder im Marineschiffbau tätig seien, so Friedrich. Vor allem müssten solche Aufträge beschleunigt vergeben werden. So etwas wie mit dem gescheiterten Ausschreibungsverfahren für das geplante Forschungsschiff „Polarstern 2“ dürfe sich nicht wiederholen.

Da müsse der Staat seiner Verantwortung nachkommen. „Es versteht doch keiner, wenn es um das geplante Forschungsschiff geht, dass man das Institut in Bremerhaven sitzen hat, das das Schiff betreiben soll, dass wir in Bremerhaven und Umgebung Werften haben, und man da nicht zueinander kommt“, kritisierte Friedrich das zu Jahresbeginn abgebrochene Ausschreibungsverfahren, an dem sich auch die Bremerhavener Lloyd-Werft beteiligt hatte und sich große Hoffnungen auf den etwa 600-Millionen-Euro-Auftrag gemacht hatte. Vielmehr habe der Staat ein globales europäisches Verfahren in Gang gesetzt, das abgebrochen wurde, und viel Zeit verloren. Wie es nun mit dem Verfahren weitergehen soll, sei derzeit nicht klar. „Bei solchen öffentlichen Aufträgen muss man doch mal die kurzen Wege gehen.“

Wieso es zum Abbruch des Verfahrens kam, blieb bislang sehr undurchsichtig. Der Bund hatte erklärt, dass „die Ergebnisse des bisherigen Vergabeverfahrens nicht den gegenwärtigen Anforderungen an eine langfristige, leistungsfähige und wirtschaftliche Investition in notwendige Infrastruktur genügen". Die Ausschreibung hatte bereits 2016 begonnen.

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