Banken Weiter große Probleme mit Plastikgeld

Berlin/Düsseldorf . Millionen Bankkunden können auch in den nächsten Tagen in Geschäften nicht mit der EC-Karte zahlen. Bei etwa einem Drittel der deutschen Einzelhändler könnten Karten mit einem fehlerhaft programmierten Mikrochip nicht eingesetzt werden.
06.01.2010, 09:40
Lesedauer: 3 Min
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Berlin/Düsseldorf . Millionen Bankkunden können auch in den nächsten Tagen in Geschäften nicht mit der EC-Karte zahlen. Bei etwa einem Drittel der deutschen Einzelhändler könnten Karten mit einem fehlerhaft programmierten Mikrochip nicht eingesetzt werden.

Das teilte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) am Dienstag in Berlin mit. Bis kommenden Montag soll das Problem mit einer Software- Aktualisierung vollständig gelöst sein. Von den Einschränkungen betroffen sind nach Auskunft der Sparkassen- und Bankenverbände rund 30 Millionen EC- und Kreditkarten.

Der DSGV und der Bankenverband (BdB) entschuldigten sich für die Unannehmlichkeiten. Vor großen Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Bargeld können Reisende im Ausland stehen. Denn in einigen Ländern dürfte es noch länger dauern, bis die Abhebung am Automaten wieder reibungslos läuft. Touristen wird empfohlen, vorsorglich Reiseschecks mitzunehmen. Grund für die Panne seit dem 1. Januar ist ein Software- Fehler in den Mikrochips von neuen Karten. Sie verarbeiten die neue Jahreszahl 2010 nicht korrekt.

Auch am Dienstag wurden noch Fälle im Inland bekannt, in denen EC- Karten von Geldautomaten nicht akzeptiert wurden. Dabei wird nach Eingabe der Geheimnummer und des gewünschte Geldbetrages auf dem Bildschirm «Kartenfehler» angezeigt und die Karte wieder ausgegeben. Inzwischen sollen die Karten «an nahezu allen Geldautomaten» in Deutschland wieder akzeptiert werden.

Der DSGV berichtete, bei den Sparkassen seien bereits seit dem Wochenende alle 25 700 Geldautomaten wieder funktionstüchtig. Bei den Volks- und Raiffeisenbanken sei nur ein Teil der EC-Karten, nicht aber die Kreditkarten von dem Fehler betroffen, hieß es beim Verband BVR.

Von den Einschränkungen an den Ladenkassen sind laut DSGV allein 20 Millionen (von 45 Millionen) EC-Karten von Kunden der Sparkassen und Landesbanken betroffen, außerdem etwa 3,5 Millionen der 8 Millionen ausgegebenen Kreditkarten.

«In weiten Teilen des Auslands» gebe es bei den fraglichen EC- und Kreditkarten Einschränkungen an Geldautomaten und Händlerterminals, teilte der Verband mit. Der DSGV bemühe sich, für die fünf großen Urlaubsländer Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich und Spanien schnell sicherzustellen, dass die Karten angenommen werden. Notfalls sind Barauszahlungen mittels einer Kreditkarte am Schalter einer Bank im Ausland gegen Unterschrift und Vorlage eines Ausweises möglich, wie der Bundesverband deutscher Banken erklärte.

Die Fehlfunktion könnte für die Geldinstitute einem Pressebericht zufolge auch finanziell zur Belastung werden. Mehrere Beteiligte von Zahlungsverkehrsdienstleistern, Branchenverbänden und einzelnen Banken erklärten laut «Handelsblatt» (Mittwoch), dass mittlerweile zur Behebung der Panne auch ein Austausch von Karten diskutiert werde. Würden alle rund 30 Millionen fehlerhaften Karten ersetzt, käme auf die deutschen Banken insgesamt vermutlich ein dreistelliger Millionenbetrag zu - möglicherweise mehr als eine Viertelmilliarde Euro.

Der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) - die Dachorganisation der Branche, der derzeit vom Sparkassenverband gesteuert wird - habe entsprechende Überlegungen nicht dementiert. «Es werden momentan die langfristigen Optionen geprüft», sagte eine Sprecherin dem Blatt. Entscheidungen seien noch nicht gefallen. Grund für die drohenden Millionenlasten seien die weiter ungelösten Probleme bei Kartenzahlungen und -abhebungen im Ausland, sagten mehrere Insider dem Blatt. Es sei bislang offen, ob sich diese ähnlich wie in Deutschland durch eine Umprogrammierung von Geldautomaten lösen lassen.

Der französische Technologiekonzern Gemalto räumte unterdessen auf Anfrage ein, fehlerhafte Karten ausgeliefert zu haben. «Auch bei unseren Karten ist das Problem aufgetreten», zitierte das Blatt Marketing-Direktor Christoph Siegelin. Wie viele der 30 Millionen fehlerhaften Karten von Gemalto stammen, habe er offen gelassen. Auch zu möglichen Schadenersatzforderungen durch die deutsche Kreditwirtschaft machte er keine Angaben. (dpa)

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