Banken Weitere Durchsuchungen bei HSH Nordbank

Hamburg . Wegen des Verdachts auf Untreue und Bilanzfälschung hat die Hamburger Staatsanwaltschaft auch am Donnerstag die HSH Nordbank nach Unterlagen und Dokumenten durchsucht.
27.05.2010, 13:52
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Hamburg . Wegen des Verdachts auf Untreue und Bilanzfälschung hat die Hamburger Staatsanwaltschaft auch am Donnerstag die HSH Nordbank nach Unterlagen und Dokumenten durchsucht.

Der Vorwurf der Bilanzfälschung richtet sich dabei unter anderem gegen den amtierenden Vorstandsvorsitzenden Dirk Jens Nonnenmacher, der als Finanzvorstand für den Quartalsbericht zum 31. März 2008 verantwortlich war.

In dem Bericht weist die HSH Nordbank einen Konzernüberschuss von 81 Millionen Euro aus. Nach Berechnungen der Ermittlungsbehörde ist aber tatsächlich ein Fehlbetrag von 31 Millionen Euro angefallen. Die Differenz erkläre sich aus der fehlerhaften Bilanzierung eines Geschäfts mit dem Codenamen «Omega 55», hieß es.

Die HSH Nordbank hatte auf die «Omega»-Geschäfte 52 und 55 im Jahr 2008 rund 500 Millionen Euro abschreiben müssen. Damit hatten diese beiden Transaktionen deutlich zu dem Verlust der Bank von 2,8 Milliarden Euro beigetragen. Zu Beginn dieses Jahres löste die Bank die Geschäfte wieder auf und holte dabei einen dreistelligen Millionenbetrag zurück.

Ein Großteil des früheren Vorstands einschließlich des Vorsitzenden Hans Berger musste den Hut nehmen; die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein mit Milliardenbeträgen den Untergang der Bank abwenden. Hauptursache für die Schieflage der Bank waren allerdings Engagements in faulen Wertpapieren, in denen das Institut überschüssige Liquidität anlegte und die im Zuge der Finanzkrise drastisch an Wert verloren.

Bislang sei nicht absehbar, wann die komplexen und schwierigen Ermittlungen abgeschlossen würden, hieß es am Donnerstag. Die beschlagnahmten Unterlagen würden zunächst ausgewertet. Die Fahnder waren in der Hamburger Zentrale der Bank auf der Suche nach Unterlagen und Dokumenten, sagte der Sprecher der Hamburger Staatsanwaltschaft, Wilhelm Möllers.

Abgeschlossen seien dagegen die Durchsuchungen am Kieler Standort der Bank und in den fünf Privatwohnungen von ehemaligen Vorständen. Es seien Computer und Datenträger beschlagnahmt worden. Die Bank verhält sich nach Möllers Worten voll kooperativ.

Die Behörde ermittelt seit Monaten gegen vier ehemalige und zwei aktuelle Top-Manager der Bank wegen des Verdachts der schweren Untreue sowie teilweise Bilanzfälschung. «Die Bank ist das Opfer, aber zwei der Verdächtigen arbeiten dort an führender Position», sagte Möllers.

In dieser Gemengelage habe die Staatsanwalt einen Durchsuchungsbeschluss beantragt, um eine sichere Grundlage für ordnungsgemäße Ermittlungen herzustellen. «Es geht nicht darum, die Muskeln spielen zu lassen», erklärte der Sprecher. Die Behörde wolle im Zweifelsfall der Bank keine Filterfunktion einräumen, welche Unterlagen sie übergebe, sondern selbst entscheiden, was für die Ermittlungen erforderlich sei.

Die HSH Nordbank mit Sitz in Kiel und Hamburg hat auch im ersten Quartal 2010 tiefrote Zahlen geschrieben. Trotz eines positiven Steuereffekts belief sich der Verlust unter dem Strich auf 276 (Vorjahreszeitraum: 231) Millionen Euro. Damit bleibt die HSH Nordbank als bisher einzige Landesbank in der Verlustzone. Andere angeschlagene Institute wie die WestLB WestLB oder die BayernLB hatten im ersten Quartal einen Gewinn erzielt.

Neben dem schwachen Euro belasteten auch die Kosten für die staatlichen Garantien das Ergebnis. Die HSH war als eines der ersten deutschen Institute unter den staatlichen Rettungsschirm des Bankenfonds SoFFin geschlüpft, zusätzlich hatten die Länder Schleswig-Holstein und Hamburg die Bank mit Kapital und Sicherheitsgarantien gestützt. (dpa)

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