Portale im Internet vermitteln Konten in anderen Ländern Weltweit sparen

Die Banken bekommen Konkurrenz durch neue Finanzdienstleister, die in der Regel ohne Banklizenz auskommen, aber dennoch Bankprodukte anbieten oder vermitteln. FinTechs (Financial Technology) werden diese neuen Firmen genannt, die ihr Geschäft über das Internet betreiben.
01.06.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Olaf Grahl

Die Banken bekommen Konkurrenz durch neue Finanzdienstleister, die in der Regel ohne Banklizenz auskommen, aber dennoch Bankprodukte anbieten oder vermitteln. FinTechs (Financial Technology) werden diese neuen Firmen genannt, die ihr Geschäft über das Internet betreiben.

Dazu gehören Dienstleistungen und Produkte wie beispielsweise Überweisungen kleiner Beträge von Handy zu Handy. Das war bisher den Banken vorbehalten. Die Firma Kreditech vergibt beispielsweise außerhalb von Deutschland Kleinkredite zu hohen Zinsen an Kunden, die bei Banken als nicht kreditwürdig gelten. Das Unternehmen hat eine Technologie entwickelt, die mit Datenauswertung, etwa aus dem Facebook-Profil des Kreditnehmers, das herkömmliche Kreditrating der Banken ersetzen soll.

Auch beim Geschäft mit Einlagen zeigt sich der Wandel in der neuen Bankenwelt. Inzwischen gibt es im Internet drei Plattformen, die in- und ausländische Geldanlagen vermitteln. Gemeinsam ist diesen Plattformen, dass sich der Kunde nur einmal legitimieren muss und danach Angebote von unterschiedlichen Banken nutzen kann. Die bisherigen Vergleichsplattformen im Internet wie Biallo, FMH oder Kritische Anleger informieren zwar über die besten Angebote bei Tages- und Festgeld, aber danach bleibt für den Kunden noch eine Menge Papierkram. Er muss sich bei jeder neuen Kontoeröffnung erneut ausweisen, meist mit dem Post-Ident-Verfahren in der Postfiliale. Diesen Prozess vereinfachen die neuen Plattformen wie Weltsparen, Zinspilot und Savedo.

Weltsparen: Zehn europäische Banken

Am weitesten fortgeschritten ist inzwischen Weltsparen. Dort gibt es 40 verschiedene Festgeldangebote von zehn europäischen Banken, darunter auch zwei deutsche Institute. Zuletzt konnte die Allied Irish Banks (AIB) als Partnerbank gewonnen werden, die 1,60 Prozent Zinsen für ein einjähriges Festgeld zahlt. Der höchste Zins von zwei Prozent für diesen Anlagezeitraum kommt von der Novo Banco aus Portugal.

Zwar gibt es auch ausländische Banken, die in Deutschland das Einlagengeschäft selbst betreiben, aber sie bieten eben nicht so hohe Zinsen. Die Kontoeröffnung im Heimatland der Bank scheidet aus praktischen Gründen meist aus. Diese Dienstleistung übernehmen Weltsparen und die anderen Plattformen. Dabei arbeiten sie in Deutschland mit der MHB-Bank zusammen, wo der Kunde zunächst ein Verrechnungskonto eröffnen muss. Dorthin überweist er sein Geld und von dort geht es dann auf das Festgeldkonto der ausgewählten Bank. Die Plattformen haben niemals Zugriff auf das Geld.

Savedo mit Angeboten in Tschechien

Savedo hat bisher nur Festgeldanlagen der tschechischen Bank J&T Banka im Angebot. Je nach Laufzeit reicht die Zinsspanne von 1,8 bis 2,6 Prozent. Auch bei der Plattform Zinspilot fällt das Angebot noch bescheiden aus. Angelegt werden kann bei der Hanseatic Bank und der Bank Creditplus, die Festgeld für sechs Monate mit 1,05 Prozent pro Jahr verzinst. „Bis Ende des Jahres wollen wir 20 bis 30 weitere Angebote von vier bis fünf zusätzlichen Banken machen“, sagt Marketingchef Andreas Wiethölter von Zinspilot. Bei der Hanseatic Bank gibt es über Zinspilot für Tagesgeld 0,45 Prozent. Das ist nicht sehr viel, denn die besten Angebote liegen bei rund einem Prozent. Doch jede fünfte Bank zahlt mittlerweile überhaupt keine Zinsen auf niedrige Anlagebeträge. Das geht aus einer Untersuchung des Verbraucherportals Verivox hervor. „Regionale Banken bieten durchschnittlich nur noch 0,10 Prozent Zinsen“, sagt Ingo Weber, Geschäftsführer bei Verivox.

Einfache Abwicklung bei Zinspilot

Bei Zinspilot soll die Abwicklung besonders einfach sein. Der Kunde eröffnet einmal ein Konto bei der BIW-Bank oder der Hamburger Sutor Bank. Fortan legt eine dieser Banken das Geld treuhänderisch für den Kunden bei der jeweiligen Tagesgeldbank an. „Es entfällt, sich bei jeder neuen Bank zu identifizieren, ein Konto zu eröffnen, und man braucht auch nicht immer wieder einen neuen Online-Zugang zu den Angeboten“, sagt Tim Sievers, Geschäftsführer und Gründer der Firma Deposit Solutions, die auch die Internetplattform Zinspilot betreibt. Mit einem Klick lässt sich das Zinsangebot auswählen, anschließend wird eine Überweisung ausgefüllt und abgeschickt. „Mehr ist nicht nötig“, sagt Sievers. Alle weiteren Vorgänge laufen für den Kunden unbemerkt im Hintergrund ab.

„Wir sehen uns nicht als Konkurrenz, sondern als Partner der Banken“, sagt Sievers. Deshalb möchte er möglichst viele Hausbanken als Partner gewinnen. „Mit einer Volksbank und einer Privatbank sind die Verhandlungen schon weit fortgeschritten“, sagt Wiethölter. Was noch ungewöhnlich klingt, ist bei anderen Produkten inzwischen geläufig: Denn auch bei der Hausbank gibt es heute schon institutsfremde Angebote, wenn es um eine Immobilienfinanzierung oder Investmentfonds geht.

Wenn es um die Sicherheit der Geldanlage geht, gilt stets die Einlagensicherung der Bank, von der man gerade ein Zinsangebot nutzt. Zwar gilt in der Europäischen Union die Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Kunde. Gewährleistet werden muss das aber von den Sicherungssystemen der jeweiligen Länder. Und da sehen viele Sparer noch große Unterschiede zwischen Deutschland und beispielsweise Portugal oder Bulgarien.

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