Branche im Umbruch Wenn Autos kommunizieren

Das Auto ist Ausdruck von Freiheit und Individualität, aber seine Abgase tragen auch zum Klimawandel bei. Heute geht es um Digitalisierung, Vernetzung und neue Wertschöpfung des Verkehrsmittels.
26.10.2016, 12:43
Lesedauer: 2 Min
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Von von Moritz Döbler

Kaiser Wilhelm II. wird eine totale Fehlprognose zugeschrieben: „Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung“, wird er zitiert. Doch auch er ließ sich dann mitreißen, erwarb sein erstes Auto 1914 und hatte bald einen ganzen Fuhrpark. Heutige Modelle sind Wunderwerke der Technik, die der letzte deutsche Kaiser und König von Preußen sich nicht im Traum hätte vorstellen können.

Das Auto ist ein besonderes Verkehrsmittel als Ausdruck von Freiheit und Individualität. Aber seine Abgase tragen wesentlich zum menschheitsgefährdenden Klimawandel bei, und weltweit kommen jedes Jahr 1,25 Millionen Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Das Auto hat die Mobilität der Menschen geprägt und die Welt verändert, zum guten und zum schlechten.

Doch die Entwicklung ist nicht zu Ende – mehr noch: Der Umbruch, vor dem die Branche heute steht, kann mit dem einstigen Übergang von der Pferdekutsche zum Motorwagen mithalten. Daimler-Chef Dieter Zetsche, der auf diesen Seiten in einem Interview zu Wort kommt, nennt das die „zweite Erfindung des Automobils“. Dabei geht es nicht nur um die Antriebsart. Denn der Einsatz von emissionsfreien Motoren, den der Klimaschutz erfordert, ändert eigentlich wenig am Konzept.

Vor einem Jahrhundert waren Elektroautos schon einmal angesagt, bis Verbrennungsmotoren sich durchsetzten, jetzt schlägt das Pendel zurück. Aber noch bedeutsamer ist die Digitalisierung, Vernetzung und neue Wertschöpfung des Autos. Wenn Autos miteinander kommunizieren, um Unfälle zu vermeiden und Staus zu umfahren, wenn sie auch automatisch steuern können, wenn man sie nicht mehr besitzen muss, um individuell mobil zu sein, wenn sie den überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien speichern und verwerten, dann lassen sie viele ihrer Nachteile hinter sich.

Für die deutsche Wirtschaft hat das Auto eine Schlüsselrolle. Und bislang war sie hardwaregetrieben, verstand sich auf Maschinenbau und präzises Handwerk. Ihre herausgehobene Stellung in der Welt – und damit auch ihre Bedeutung für den Wohlstand der Deutschen – wird sie nur halten können, wenn sie alle Produkte und Prozesse konsequent digitalisiert.

Software ersetzt Hardware, aufwendig konstruierte Verbrennungsmotoren und Getriebe weichen technisch relativ simplen Elektroantrieben. Das selbstfahrende Auto gibt seinen Nutzern neue Freiheiten. Unterhaltungselektronik und digitale Angebote erhalten damit mehr Bedeutung. Wem gehört die digitale Erlebniswelt im Auto, und wie lässt sie sich vermarkten? Wo liegt die Wertschöpfung im Auto der Zukunft, und was bedeutet das für den Standort Deutschland?

Es liegt nahe, sich an einem bedeutenden Industriestandort wie Bremen mit diesen Fragen eingehend zu beschäftigen. Das tun wir in diesem Dossier und auf der WESER-KURIER-Konferenz „AutoDigital“, über deren Ergebnisse wir an dieser Stelle ausführlich berichten werden.

Zur Person

Moritz Döbler ist Chefredakteur des WESER-KURIER. Er konnte als Kind Autos am Klang erkennen und fährt am liebsten offen.
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