Stiftung Warentest vergleicht Haftpflichtpolicen für Tierhalter / Ohne Schutz zahlt Besitzer für Schäden

Wenn der Hund zum Versicherungsfall wird

Bremen. 7300 Euro musste eine Hundehalterin an die Krankenkasse einer Passantin zahlen, die wegen eines losgerissenen Dackels unglücklich stürzte. Dabei brach sie sich einen Lendenwirbel und das linke Handgelenk.
29.03.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Olaf Grahl

7300 Euro musste eine Hundehalterin an die Krankenkasse einer Passantin zahlen, die wegen eines losgerissenen Dackels unglücklich stürzte. Dabei brach sie sich einen Lendenwirbel und das linke Handgelenk. Auch ohne eigenes direktes Verschulden muss die Hundehalterin für den Schaden aufkommen. Nach Paragraph 833 des Bürgerlichen Gesetzbuchs haften Tierhalter grundsätzlich für diese Schäden – egal ob sie etwas falsch gemacht haben oder nicht.

Allein 50 000 Bissverletzungen werden nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft in Deutschland jährlich ärztlich behandelt. Weit mehr als die Hälfte der Betroffenen sind Kinder, bei denen häufig schwere Verletzungen und Knochenbrüche behandelt werden müssen. Halter von Kleintieren wie Hamstern oder Katzen sind durch ihre private Haftpflichtversicherung geschützt. Schäden durch Hunde oder Pferde deckt diese jedoch nicht ab. Hier springt eine Tierhalterhaftpflichtversicherung ein. Eine solche Versicherung ist deshalb für Hunde- und Pferdehalter sehr empfehlenswert. Sie schützt auch Helfer, die sich gelegentlich mit diesen Tieren beschäftigen.

Die Stiftung Warentest hat in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Finanztest 116 Tarife der Hundehaftpflicht- und 94 Tarife der Pferdehaftpflichtversicherung getestet. Für beide Versicherungen wurde ein Grundschutz definiert, den alle Tarife erfüllen müssen. Die Deckungssumme beträgt mindestens fünf Millionen Euro. Wichtig ist auch ein Schutz bei Verstoß gegen Halterpflichten. Denn der Versicherer sollte auch dann zahlen, wenn der Tierhalter gegen seine Pflichten verstoßen hat und seinen Hund trotz Leinenzwang frei laufen ließ. Wenn der Hund dann vor ein Auto rennt und einen Verkehrsunfall verursacht, haftet der Besitzer in unbegrenzter Höhe.

Zu einem guten Grundschutz gehört auch, dass Deckschäden und der Nachwuchs gut versichert sind. Schwangere Rassehündinnen oder Zuchtstuten können hohe Einbußen für Züchter bedeuten. Da hier der Halter des Rüden oder Hengstes haftet, sind Deckschäden im Grundschutz enthalten. Halter von Hündinnen oder Stuten sind andersherum mit einer Police gut beraten, die Welpen oder Fohlen in den ersten Monaten automatisch versichert.

Auch wenn der Halter nicht bei einem Schadensfall dabei ist: er bleibt haftbar. Hütet ein Hundesitter oder fremder Reiter das Tier, sollten Halter und Tierhüter auf ihren Schutz achten. Bei den Policen in der Tabelle sind Tierhüter abgesichert. Bei den ausgewählten Tarifen der Hundehaftpflicht sind Mietsachschäden bis zu einer Höhe von 250 000 Euro und Schäden im Ausland für eine Reisedauer von mindestens einem Jahr abgedeckt. Im Grundschutz für Pferdehalter sind der Schutz von Reitbeteiligungen sowie Fremdreitern enthalten und Flurschäden abgedeckt.

Der Test zeigt, dass die Preise stark variieren. Ab 57 Euro und bis über 200 Euro kann eine Police der Hundehaftpflicht jährlich kosten. Die Preisspanne bei der Pferdehaftpflicht liegt zwischen 91 und über 250 Euro. In den Tabellen sind nur die fünf preisgünstigsten Angebote aufgelistet.

Das günstigste Angebot mit dem von Finanztest empfohlenen Grundschutz kommt bei der Hundehaftpflicht von der NV-Versicherung (Premium) für 58 Euro jährlich. Die günstigste Variante der Pferdehaftpflicht mit Grundschutz bietet die GVO (Smart and easy) mit 91 Euro. Bei diesem Tarif sind Mietsachschäden bis zu einer Million Euro abgesichert. Fohlen oder Welpen sind bis zu zwölf Monate mitversichert. In der Pferdeversicherung sind Schäden an Transportanhängern bis 2500 Euro abgesichert. Bei diesen und den Mietsachschäden gibt es aber eine Selbstbeteiligung des Versicherungsnehmers. Auch der Tarif Premium der NV-Versicherung schneidet gut ab. So sind auch Schäden an der Mietsache durch tierische Ausscheidungen abgesichert. Verbesserungen des Versicherungsschutzes (Bedingungsverbesserung) werden automatisch in diesen Tarif übernommen. Aber beide Tarife akzeptieren keine gefährlichen Hunde.

Es lohnt sich, bei Versicherern anzufragen, mit denen bereits eigene Verträge bestehen. Oft gibt es dann Vergünstigungen. Manche Anbieter gewähren auch Nachlass bei weiteren Tieren. Wer bereits eine Tierhaftpflichtversicherung besitzt, der sollte prüfen, ob sie alle Elemente des Grundschutzes enthält, also eine Versicherungssumme von mindestens fünf Millionen Euro pauschal für Personen- und Sachschäden, Schutz auch bei Verstoß gegen Halterpflichten, Versicherung von Tierhütern und Deckschäden und einen Schutz für Fohlen oder Welpen.

Eine Tierhalterhaftpflichtversicherung hat Vorrang vor einer Krankenversicherung für das Tier, auch wenn eine solche Police keine Pflicht in Bremen ist. Doch immer mehr Bundesländer schreiben eine Tierhalterhaftpflichtversicherung vor. Seit Januar 2016 ist Schleswig-Holstein hinzugekommen. Außerdem ist die Police Pflicht in Berlin, Sachsen-Anhalt, Hamburg, Niedersachsen und Thüringen.

In Bremen sind lediglich die Halter von bestimmten Rassen wie Pit Bull Terrier, Bullterrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier sowie deren Kreuzungen untereinander und mit anderen Rassen zum Abschluss einer entsprechenden Police verpflichtet. Aber nicht alle Versicherer nehmen diese Tiere an und wenn, dann meist nur mit einem Zuschlag. Ohne Aufschlag werden diese Tiere laut Finanztest bei der ÖVB, der VGH, der DEVK, der Allianz, der Concordia und Uelzener versichert. Die Jahresbeiträge reichen dann bis zu 125 Euro.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+